Warum Vermögensverwalter in Bezug auf den Klimawandel handeln müssen

Da aktive Anleger ihre Bemühungen um ein Engagement in der Klimakrise verstärken, müssen die Diskussionen auf CEO-Ebene und nicht auf der Ebene des Verwaltungsrats geführt werden, argumentiert David Cumming.

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David Cumming

Die Vereinten Nationen warnen, dass wir uns beim „Klimawandel dem Punkt der Unumkehrbarkeit“ nähern. Wissenschaftler beschreiben dies als „existenzielle Bedrohung der Menschheit“. Und doch droht durch die mangelnde Einsicht der Staaten und vieler Teile des Privatsektors – einschließlich einiger der größten Finanzinstitute, die verspätet mit ihren Referenzen werben – bezüglich der Dringlichkeit der Maßnahmen das katastrophalste Versagen in der Geschichte des freien Marktkapitalismus.

Der Klimawandel verursacht die bedeutendste Verschiebung im Anlageuniversum, die ich seit 35 Jahren in der Branche gesehen habe. Wenn die Vermögensverwalter jedoch eine entscheidende Rolle bei der Reaktion auf die Krise spielen sollen, müssen sie einen radikaleren und aktiveren Ansatz verfolgen.

Wir müssen in einer Weise reagieren, die substanziell, authentisch, informiert und wirkungsvoll ist

Unsere Kunden, vor allem die nächste Generation, die zu Geld kommt, und diejenigen, die meine Generation in der Geldverwaltung ersetzen werden, betrachten den Klimawandel zunehmend als die größte globale Bedrohung. Wir müssen in einer Weise reagieren, die substanziell, authentisch, informiert und wirkungsvoll ist. Dies bedeutet, dass der Schwerpunkt auf Aktionen und nicht auf Ausreden sowie auf Ergebnissen und nicht auf Absichten liegen muss. Geschieht dies nicht, schadet dies dem Ruf der Unternehmen, ihren Geschäften und ihrer Fähigkeit, Talente anzuziehen.

Um wirkungsvolle Ergebnisse zu erzielen, müssen wir das Problem verstehen und Ziele vereinbaren. Die Bedrohungen durch steigende Temperaturen sind gut bekannt: Artensterben, Massenmigration, Überschwemmungen und Umweltzerstörung. Angesichts der Konsequenzen können Anleger nicht auf die Reaktion der Regierungen warten. Wir müssen jetzt damit beginnen, Kapital umzuschichten, um Lösungen zu finden und die Risiken zu bewältigen.

Die nahe liegende Vorlage für Lösungen ist das Pariser Abkommen von 2015, das darauf abzielt, den Anstieg der globalen Temperatur in diesem Jahrhundert auf deutlich unter zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und die Bemühungen fortzusetzen, den Anstieg noch weiter auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Anleger sollten zur Kenntnis nehmen, dass wir derzeit noch lange nicht diesen Werten annähern: Wenn sich beispielsweise der FTSE 100 so weiterentwickelt, kommt es zu einer Erderwärmung von 3,9 Grad Celsius.

Unser Schwerpunkt ist es, Druck auf Unternehmen und Staaten auszuüben, damit diese politische Maßnahmen ergreifen, damit diese Ziele erreicht werden können

Unser Schwerpunkt ist es, Druck auf Unternehmen und Staaten auszuüben, damit diese politische Maßnahmen ergreifen, damit diese Ziele erreicht werden können. Wir müssen unsere Ansichten direkt und sichtbar vertreten und unsere Position den Kunden gegenüber kommunizieren.

In unserem Aktiengeschäft ist die Kombination der Klimaexpertise unseres verantwortungsbewussten Anlageteams mit dem Finanz-, Sektor- und Unternehmenswissen unserer Portfoliomanager entscheidend für eine positive Reaktion der Unternehmen. Wir waren 2001 einer der ersten Vermögensverwalter, der Nachhaltigkeitsfaktoren, einschließlich des Klimawandels, in unsere Abstimmungsrichtlinie integrierte. Dennoch müssen wir uns noch mehr engagieren. Dies geschieht nun unter der Leitung unseres Aktienteams und wird von unseren verantwortungsbewussten Anlagekollegen voll unterstützt.

Anstatt sich hauptsächlich mit den Mitgliedern der Leitungs- und Aufsichtsorgane zu befassen, um den Klimawandel auf die Tagesordnung eines Unternehmens zu setzen, werden wir vielmehr Gespräche mit den Top-Führungskräften, den Finanzchefs und ihren Führungsteams führen. Wenn wir wollen, dass Unternehmen, in die wir investieren, die notwendigen Maßnahmen in Bezug auf Investitionen, Innovation und Neupositionierung von Vermögenswerten ergreifen, müssen wir mit deren Geschäftsleitung kommunizieren und ihnen klarmachen, dass sie direkt rechenschaftspflichtig sind.

Wir werden das Klimaproblem zu einem wichtigen Tagesordnungspunkt in den rund 1.000 Unternehmensgesprächen in diesem Jahr machen

Zu diesem Zweck werden wir das Klimaproblem zu einem wichtigen Tagesordnungspunkt in den rund 1.000 Unternehmensgesprächen in diesem Jahr machen. Wir werden in jedes Gespräch eine Klimaforderung einbauen, die sich um die Notwendigkeit für Unternehmen dreht, wissenschaftsbasierte Ziele zu übernehmen. Während sich viele Unternehmen Ziele zur Emissionsreduzierung und für andere Umweltmaßnahmen setzen, geben wir uns längst nicht mehr mit symbolischen Gesten zufrieden.

Wir möchten wissen, ob die Ambitionen und Ziele eines Unternehmens fortschrittlich genug sind, um die notwendigen Ergebnisse zur Bewältigung der Klimakrise zu erzielen. Die Verwendung wissenschaftsbasierter Ziele ist ein unabhängig überprüfbarer Ansatz, der festlegt, um wie viel und wie schnell die Unternehmen ihre CO2-Emissionen reduzieren müssen, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Für diejenigen Unternehmen, die unsere Erwartungen nicht erfüllen, wird es Konsequenzen geben. Wir werden gegen Mitglieder der Leitungs- und Aufsichtsorgane von Unternehmen in Sektoren mit hoher und mittlerer Auswirkung stimmen, die in Bezug auf das Klima die Schlusslichter bilden und gegen Mitglieder der Leitungs- und Aufsichtsorgane von Unternehmen im Rahmen der Initiative Climate Action 100+, die sich nicht zu wissenschaftsbasierten Zielen verpflichtet haben.1 Wie die Unternehmen in diesem Jahr reagieren, wird unser Handeln im Jahr 2021 bestimmen: Während unser Ansatz immer davon bestimmt war, eher Engagements einzugehen als Veräußerungen zu tätigen, werden wir den Abzug von Kapital aus Unternehmen in Betracht ziehen, die nicht darauf eingehen.

Passive Vermögensverwalter unterstützen die bestehenden Geschäftsmodelle und ignorieren die massiven zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Geschäftstätigkeit

Als ein aktiver Vermögensverwalter sehen wir dieses Thema ganz klar aus einer bestimmten Perspektive. Wir sind der Ansicht, dass ein Engagement wie unseres nur dann funktioniert, wenn man über die Klimaexpertise, die Ressourcen und den nachweislichen Einfluss bei den Entscheidungsträgern der Unternehmen verfügt. Passive Vermögensverwalter können diese Voraussetzungen nicht erfüllen. Sie verfolgen Indizes, die Algorithmen der Vergangenheit sind, unterstützen die bestehenden Geschäftsmodelle und ignorieren die massiven zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Geschäftstätigkeit.

Wir können angesichts des Klimawandels nicht passiv sein. Wir müssen aktiv sein

Passive Vermögensverwalter halten oft über Zehntausende von Positionen, haben aber nur eine begrenzte Researchabdeckung. Ihre Engagements sind daher oberflächlich. Es fehlt ihnen die Verbindung zum Kern eines Unternehmens und sie sind nicht in der Lage, die Glaubwürdigkeit der Reaktion von Unternehmen zu bewerten. Die schlechte Bilanz passiver Anleger bei der Abstimmung über klimabezogene Vorschläge von Aktionären unterstützt diese Ansicht. Folglich besteht für Unternehmen nur ein begrenzter Anreiz, sich in dieser Frage mit passiven Vermögensverwaltern zu befassen.

Der Klimawandel hat alles verändert. Die Anlageziele müssen nun neben den finanziellen Renditen auch verantwortungsvolle Werte und Handlungen umfassen. Wir müssen darauf reagieren, indem wir uns auf andere Weise engagieren und entschlossene Maßnahmen ergreifen, wenn die Unternehmen, in die wir investieren, dies nicht tun. Wir können angesichts des Klimawandels nicht passiv sein. Wir müssen aktiv sein.

Referenz

  1. Climate Action 100+ ist eine Initiative von Anlegern, die die größten Treibhausgasemittenten der Welt zu Maßnahmen gegen den Klimawandel drängen will.

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