Kurzfristiger Gewinn?

Da die chinesische Wirtschaft 2016 so langsam gewachsen ist wie schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr, wollen die Behörden die Konjunktur wieder möglichst schnell ankurbeln. Sie befürchten, dass eine rasche Abkühlung zu sozialer und politischer Instabilität führt. Deshalb wundert es kaum, dass das Wachstum nun dringlicher ist als Wirtschafts- und Strukturreformen. Beijing dürfte allerdings den Reformkurs nicht völlig aus den Augen lassen, sondern nur sehr viel gemächlicher vorgehen. 2017 sollte die lockere Kreditvergabe und höhere Staatsausgaben dazu beitragen, dass China sein Wachstumsziel von 6,5% erreicht. Sollte das Wachstum dennoch nachlassen, dürfte der Staat die erforderlichen Konjunkturmaßnahmen treffen, um die Vorgabe umzusetzen.

Langfristiger Verlust?

Investitionen und Exporte haben das chinesische Wirtschaftswachstum jahrzehntelang angetrieben. Seit der Finanzkrise 2008 lässt das Wachstum der Weltwirtschaft jedoch deutlich nach. Gleichzeitig lasten eine stärkere Währung und steigende Löhne auf der Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Exporte. China hatte vor, die Effizienz zu steigern und den Binnenkonsum anzukurbeln, damit das Land nicht mehr von seinen Ausfuhren abhängt. Die politische Führung befürchtet jedoch, dass das nachlassende Wachstum die Arbeitslosigkeit und die soziale Stabilität in Gefahr bringt, und fördert die Kreditvergabe an Unternehmen, statt die Reformagenda voranzutreiben. Die Kreditwelle lässt nun eine Schuldenkrise befürchten, die tief greifende Folgen für China und die ganze Welt hätte.

„Wir machen uns um die steigende Verschuldung Sorgen. Dennoch sollte China eine harte Landung vermeiden können.“

Unsere Einschätzung – Wachstum geht auf nachhaltigeres Niveau zurück

Wir machen uns um die steigende Verschuldung Sorgen. Dennoch sollte China eine harte Landung vermeiden können. Die Behörden spielen auf Zeit, wenn sie das Wachstum fördern, statt unrentable Branchen zu reformieren. Sie hoffen, dass sich die Weltwirtschaft in der letzten Phase der Kreditwelle erholt. So könnte sich das Wachstum in China selbst erhalten und den Entscheidungsträgern erlauben, sich auf die dringend nötigen Wirtschaftsreformen zu konzentrieren. Das größte Risiko einer zentral gesteuerten Wirtschaft ist ein schwerer wirtschaftspolitischer Fehler. Auch die Märkte würden in Panik geraten, sollte sich die Anzahl der faulen Kredite plötzlich verdoppeln.

Auswirkungen für Anleger

Auf kurze Sicht begünstigen die Schwerpunktverlagerung auf das Wachstum in China und die lockere Geldpolitik in den meisten Industriestaaten weltweit wahrscheinlich riskantere Anlagen (etwa Aktien und Anleihen). Auf längere Sicht sollte jedoch eine Reihe möglicher Entwicklungen erwogen werden. Dazu zählt auch ein Szenario, in dem China einen jähen Rückgang des Wirtschaftswachstums verzeichnet.

Deshalb machen wir uns um den mittel- bis langfristen Ausblick Chinas Sorgen. Insbesondere Banken und Immobilienunternehmen mit geringerer Bonität könnten zu längerfristigen Problemen führen.

Eine bessere Entwicklung des US-Dollar gegenüber dem Renminbi dürfte auch Anlagechancen bieten.

Trotz der Turbulenzen im chinesischen Unternehmenssektor bieten einige Titel die Möglichkeit, hohe Wertzuwächse zu erzielen. Unseres Erachtens sollten qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen infolge der staatlichen Unterstützung besser abschneiden als der breite asiatische Anleihenmarkt, insbesondere im Immobiliensektor. Angesicht der drohenden Ausfälle sollten Anleger jedoch sehr wählerisch sein und nicht auf eine allgemeine Hausse setzen.

Wichtige Informationen

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RA17/1052/30112017