AIQ Explores – Inspiration jenseits von Investition

Aus der Reihe tanzen

Wie hat Ballett einem schwedischen Fußballverein sowohl auf dem Spielfeld als auch jenseits davon zum Erfolg verholfen?

Entdecken Sie, wie eine kleine schwedische Fußballmannschaft mit mutigen, unkonventionellen Methoden ihre Gegner besiegte. Der Östersunds FK dümpelte am unteren Ende des schwedischen Ligasystems herum – bis zur Gründung einer unkonventionellen „Kulturakademie“, welche die Mannschaft zu außergewöhnlichen Erfolgen inspirierte. Aviva Investors untersucht, welche Lehren wir aus dieser bemerkenswerten Geschichte ziehen können.

In einer kleinen Stadt in den schwedischen Bergen versammelt sich ein Publikum, um ein seltsames Spektakel zu beobachten. Eine Gruppe von Fußballspielern bewegt sich in Formation im Scheinwerferlicht – aber auf einer Bühne, nicht auf dem Fußballplatz. Statt dem Jubel der Fans sind die beschwingten Klänge von Tschaikowski zu hören, und die Spieler haben ihre Fußballschuhe gegen Ballerinas getauscht.

Lernen Sie den Östersunds FK kennen, eine Fußballmannschaft der etwas anderen Art. 2015 führten die Spieler und Trainer eine Version von Schwanensee für die lokale Gemeinde auf. Dies geschah im Rahmen eines Kulturprogramms, dessen Ziel es war, sie aus ihrer Komfortzone herauszuholen und ihre Teamfähigkeiten zu verbessern. So hat der Östersunds FK nicht nur getanzt, sondern auch gerappt, Rentiere gehütet und sogar an einem Buch mitgeschrieben.

Wir wollten eine bessere Art von Fußball spielen und die Spieler dazu bringen, sich selbst – und die Gesellschaft im weiteren Sinne – anders zu betrachten.

„Wir wollten eine bessere Art von Fußball spielen und die Spieler dazu bringen, sich selbst – und die Gesellschaft im weiteren Sinne – anders zu betrachten“, so Karin Wahlén, Direktorin der Östersunds Kulturakademie.

Die Idee dahinter war, die fußballerischen Fähigkeiten der Spieler mit Methoden und Ideen außerhalb des Sports zusammenzubringen, sodass sie sich sowohl als Einzelpersonen als auch zu einem besseren Team weiterentwickeln würden. Die Ergebnisse sprechen für sich. Im Jahr der Ballettaufführung gelang Östersunds erstmals der Aufstieg in Schwedens Oberliga. 2017 gewann die Mannschaft den schwedischen Fußballpokal und einen Platz in der Europa League, wo sie auf die Spitzenteams des Weltfußballs traf.

Wie viele kleinere Vereine hat auch Östersunds in letzter Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen, die seine langfristige Zukunft bedrohen. Die Kulturakademie hat jedoch das Kameradschaftsgefühl und die Belastbarkeit gefördert, und die Spieler kämpfen weiter gegen alle Widrigkeiten. Aus dieser inspirierenden Geschichte lassen sich breitere Lehren über die Grundsätze guter Teamarbeit und darüber ziehen, wie das richtige Arbeitsumfeld den Erfolg vorantreiben kann.

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Ein integrativer Ansatz

Eingesäumt von dichten Kiefernwäldern und überragt von schneebedeckten Gipfeln bietet Östersund (50‘000 Einwohner) nicht gerade die optimalen Voraussetzungen zum Fußballspielen.

2011 kam ein unbekannter englischer Trainer namens Graham Potter ins Spiel, der das Management des lokalen Teams übernahm. Potter erkannte schnell, dass die Kulturakademie dem Verein einen Vorteil gegenüber besser finanzierten Rivalen verschaffen könnte.

Er griff ein geheimnisvolles schwedisches Wort auf – Eljest, das „anders sein“ bedeutet. Dieses Wort wurde Östersunds' inoffizielles Motto. Potter beschloss, die Dinge anders anzugehen als andere Fußballvereine, nämlich Ideen und Ansätze aus der breiteren Kultur miteinander zu verbinden und eine integrative Atmosphäre in der Kabine zu schaffen. Er wollte Spieler, die den Mut hatten, Neues auszuprobieren und sich auf dem Spielfeld und jenseits davon kreativ auszudrücken.

Als Leiterin der Kulturakademie kuratierte Wahlén verschiedene Aktivitäten für die Spieler. So beschäftigten sie sich mit der nationalen Kultur der Sami, einer indigenen Gemeinschaft, führten auf einem Hip-Hop-Konzert ihre selbst geschriebenen Rapsongs auf und gründeten einen Buchclub, der zur Veröffentlichung einer gemeinschaftlich verfassten Autobiografie führte.

Die Spieler reagierten enthusiastisch. Sie lernten neue Fähigkeiten kennen und begannen, ihre eigenen Ideen einzubringen, wie sie jedes Projekt angehen wollten. Die Kommunikation verbesserte sich, als sie mehr übereinander lernten. Sie begannen, ihren Teamkollegen zu vertrauen und sich bei der Verfolgung ihrer Ziele auf sie zu verlassen.

Im Sommer 2015 stand Östersunds kurz vor dem Aufstieg in die Allsvenskan, Schwedens Pendant zur Bundesliga. Als die letzte Phase der Saison begann, war eine besondere kulturelle Aktivität erforderlich, um die Spieler als Gruppe zusammenzubringen und ihre gemeinsamen Stärken zu nutzen. Auf der Suche nach einer ausreichend Respekt einflößenden Herausforderung traf Wahlén den Nagel auf den Kopf: Ballett.

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Disziplinübergreifende Zusammenarbeit

„Ich war anfangs nicht gerade überzeugt davon“, erzählt Choreografin Maria Nilsson Waller, aber bei einer zufälligen Begegnung mit dem Kader auf dem Rückflug nach Irland fiel ihr die Zusammengehörigkeit der Spieler und ihre unerwartete Begeisterung für Kunst und Kultur auf.

Waller beschloss, Östersunds mit dem berühmtesten Ballett ins kalte Wasser zu werfen: Tschaikowskis Schwanensee. Da ihr nur etwas mehr als ein Monat für die Proben blieb, entschied sie sich für einen neuen Ansatz. Sie bezog das Team in die Gestaltung der Choreographie ein und veranlasste die Spieler, auf ihre eigene Art und Weise auf die Musik zu reagieren.

Fußball und Ballett begannen, sich zu verbinden. Waller bemerkte, dass das Training der Mannschaft ihre Bewegungen im Studio beeinflusste, und draußen auf dem Spielfeld floss die für den Tanz erforderliche Disziplin in ihre taktische Arbeit ein.

Das Gefühl des Sieges hinterher war etwas, das ich im Tanz so noch nie gesehen habe. Ich habe noch nie ein solches Gefühl der geteilten Freude erlebt. 

Im weiteren Verlauf der Proben holte Waller den Theaterregisseur und Filmemacher José Miguel Jiménez mit ins Boot, der mit den Spielern Gespräche über ihre Hintergründe führen sollte. Ausschnitte aus diesen Gesprächen bildeten das Kernstück von Jiménez' preisgekrönter Dokumentation über das Projekt, See the Man.

„Als Maria mir erzählte, was sie da macht, war ich zunächst überrascht. Ich war voreingenommen und der Meinung, dass man so etwas mit Fußballern nicht machen kann“, erinnert sich Jiménez.

Am großen Tag waren die Spieler sichtlich nervös, als sie die Bühne betraten. Aber ihre Performance war herausragend: Sie führten die komplexe Choreografie bis hin zur letzten Pirouette aus. Der Applaus, der ausbrach, als der Vorhang fiel, passte zu dem Jubel, mit dem der Aufstieg Östersunds in dieser Saison gefeiert wurde.

„Das Gefühl des Sieges hinterher war etwas, das ich im Tanz so noch nie gesehen habe. Ich habe noch nie ein solches Gefühl der geteilten Freude erlebt“, so Waller.

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Verschiedene Perspektiven

Östersunds verfolgte diesen offenen, gemeinschaftlichen Ansatz auch bei seinem Engagement für die breitere Gesellschaft. Der Verein schloss eine Partnerschaft mit Darfur United, einem Team umgesiedelter Flüchtlinge aus dem Sudan, und die Spieler besuchten regelmäßig Flüchtlingsunterkünfte vor Ort, um mit den dort lebenden Kindern zu kicken.

In seinen Gesprächen mit der Mannschaft erfuhr Jiménez, dass die Spieler sich des aktuellen politischen Umfelds in Europa sehr bewusst waren und mit einer positiven Botschaft der fremdenfeindlichen Stimmung entgegenwirken wollten.

Als Teil der Mannschaft ging es für sie nicht nur darum, Fußball zu spielen, sondern auch darum, bestimmte Werte zu vertreten. 

„Die Spieler waren sich der unterschiedlichen Nationalitäten und Hintergründe bewusst, die im Verein und in der Fangemeinde vorhanden sind, aber auch der allgemeinen Situation in Europa im Zusammenhang mit der Einwanderung“, erzählt er. „Als Teil der Mannschaft ging es für sie nicht nur darum, Fußball zu spielen, sondern auch darum, bestimmte Werte zu vertreten.“

Und Wahlén betont, dass Vielfalt nicht nur ein wichtiges Ziel um ihrer selbst willen ist, sondern auch ein wichtiger Leistungsmotor. Studien zeigen, dass von Vielfalt geprägte Teams in vielen Bereichen besser abschneiden als homogene. Das Einbringen verschiedener Perspektiven kann Organisationen helfen, Probleme zu lösen und Herausforderungen zu bewältigen, sowohl im Sitzungssaal als auch auf dem Fußballplatz. Es geht einfach darum, eine größere „Wissensbank“ aufzubauen, die unterschiedliche Sichtweisen umfasst, so Wahlén.

Nach Wahléns Auffassung kann der Ansatz, der zum bemerkenswerten Aufstieg des Vereins durch die Spielklassen führte – d. h. der Aufbau einer integrativen Kultur, die auf der interdisziplinären Zusammenarbeit und der Kombination verschiedener Perspektiven basiert – über den Fußball hinaus auch auf die Geschäftswelt, das Bildungswesen und das Alltagsleben angewendet werden. Sie hofft, dass sich weitere Mannschaften an Östersunds ein Beispiel nehmen und „aus der Reihe tanzen“ werden.

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Unsere Meinung

Wir denken, dass die erstaunliche Geschichte der Östersunds Kulturakademie Lektionen enthält, die auf die Investmentwelt angewendet werden können.

Der Club ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine bedachtere Zusammenarbeit die Leistung steigern kann. Im Finanzwesen ist die Fähigkeit, Beziehungen zwischen Vermögenswerten, Märkten und Wirtschaftsdaten zu erkennen, von entscheidender Bedeutung. Experten sollten teamübergreifend zusammenarbeiten, um Informationen auszutauschen – aber allzu oft arbeiten Anleger abgeschottet von anderen, wodurch ihnen wichtige Zusammenhänge entgehen. Östersunds zeigt uns, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu neuen Erkenntnissen führen und neue Lösungen generieren kann.

Die Kulturakademie lehrt uns zudem, wie wichtig es ist, ein vielfältiges und integratives Arbeitsumfeld zu fördern. Der Einzelne muss sich wertgeschätzt fühlen, damit er seine Ideen ohne Unbehagen in die Gruppe einbringen kann. Ist keine Vielfalt vorhanden, können wichtige Perspektiven übersehen werden. Dank Östersunds' Kultur der Offenheit konnte das Beste aus jedem Einzelnen herausgeholt werden.

Mehr über den Zusammenhang zwischen Arbeitskultur und Leistung erfahren Sie in der Titelgeschichte des AIQ-Magazins für dieses Quartal. Die neueste Ausgabe finden Sie hier.

See the Man

In Form von Interviews mit den Spielern von Östersunds würdigt José Miguel Jiménez in seinem hochgelobten Dokumentarfilm See the Man die kreativen Erfolge des Vereins beim Fußball und beim Tanz. Sehen Sie hier den Trailer:

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