Erstmals seit drei Jahren dürften 2024 von der Zinsentwicklung keine negativen Impulse mehr für Unternehmensanleihen ausgehen. Es zeichnen sich jedoch andere Unsicherheitsfaktoren für klimabewusste Rentenanleger ab. Unsere Experten für Unternehmensanliehen beleuchten die zentralen Themen für die nächsten Monate.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:

  • Performance von Unternehmensanleihen mit Klimafokus im Jahr 2023
  • Erwartete Entwicklung dieser Märkte im Jahr 2024
  • Die wichtigsten Risiken und Chancen für klimabewusste Anleger

Nach einem schwierigen Jahr 2022 war auch das vergangene Jahr für Rentenanleger wieder voller Herausforderungen. Trotz der Volatilität im Kontext der Mini-Bankenkrise und der anhaltenden geopolitischen Spannungen war zum Jahresende insgesamt eine Spreadverengung zu beobachten. Ein Grund dafür war das Ausbleiben der erwarteten Rezession und dass an den Märkten allmählich eine „sanfte Landung“ eingepreist wurde. Durch den Kurswechsel der Federal Reserve (Fed) im Dezember wurden sie in dieser Erwartung zusätzlich bestärkt. Wie an den begrenzten Auswirkungen des Zusammenbruchs der Credit Suisse im ersten Quartal deutlich wird, gelang es den Notenbanken weiterhin, die Finanzmärkte von Schocks abzuschirmen.1

Was die Zukunft betrifft, so steht die Zinsentwicklung erneut im Mittelpunkt des Interesses. Viele Anleger scheinen zuversichtlich, dass die Zinsen rasch wieder auf ein niedriges Niveau sinken, obwohl es keine harten Daten gibt, die diese Einschätzung stützen.2

Die Überschwemmungen in weiten Teilen Großbritanniens und Australiens Anfang Januar zeigten, dass uns die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auch in Zukunft beschäftigen werden. Wissenschaftler verwiesen auf den Klimawandel als Mitverursacher zunehmend extremer Wetterereignisse wie beispielsweise des Sturms Henk, der an den britischen Küsten gewütet und die Notwendigkeit einer ausreichend robusten Infrastruktur ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hat.3

In den kommenden Jahren dürften sich Klimarisiken immer stärker auf Kapitalanlagen auswirken. Anleger sollten daher unbedingt mit einer Risikobewertung für ihre Positionen beginnen. Bei der Weltklimakonferenz im Dezember 2023 ist es den Ländern nicht gelungen, sich auf einen Ausstieg aus fossilen Energien zu verständigen. Dennoch bedeutet die Verpflichtung zu einer „Abwendung“ von fossilen Brennstoffen, dass sie ihre Kapazitäten zur Energieerzeugung aus sauberen Quellen deutlich erhöhen müssen.

Die bei der Klimakonferenz eingegangenen Verpflichtungen haben die Notwendigkeit in den Fokus gerückt, verstärkt in die Klimawende zu investieren

Die verschiedenen bei der Klimakonferenz eingegangenen Verpflichtungen haben die Notwendigkeit in den Fokus gerückt, verstärkt in die Klimawende zu investieren. Vor diesem Hintergrund setzt unsere Climate Transition Credit-Strategie auf die Positiveffekte von Klimalösungen und die Reduzierung von Klimarisiken, und ist dabei auch darauf ausgerichtet, von den Vorteilen klassischer Investment-Grade-Anleihen zu profitieren.

In diesem Interview beleuchten Justine Vroman (JV) und Thomas Chinery (TC), die diese Strategie gemeinsam verantworten, was 2023 rückblickend funktioniert hat (und was nicht) und diskutieren über die Zinsentwicklung, die Fortschritte bei der Klimawende und weitere Themen, die die Performance in diesem Jahr beeinflussen dürften.

Wie hat sich die Strategie 2023 entwickelt?

TC: In Bezug auf das Investment-Grade-Segment insgesamt hat uns die Resilienz der US-Märkte für Unternehmensanleihen überrascht, die sich trotz der anhaltenden (und letztlich unbegründeten) Rezessionsängste gut behaupteten. Bei weiterhin recht engen Spreads in den USA erscheinen uns die Unternehmensanleihen der Eurozone derzeit attraktiver.

JV: Mit Blick auf die Strategie haben sich die übergewichteten Positionen in EUR- und GBP-Anleihen extrem gut entwickelt, insbesondere aufgrund der Spreadverengung bei nachrangingen Anleihen, zum Beispiel im Bankensektor und bei Versorgern. USD-Anleihen hatten wir größtenteils untergewichtet, was im Wesentlichen an den höheren Bewertungen lag. Diese Portfoliokomponente belastete die Wertentwicklung, denn USD-Anleihen entwickelten sich überraschend gut. Aufgrund der deutlichen Abflachung der Kreditkurve wirkte sich insbesondere unsere vorsichtige Haltung gegenüber längerlaufenden USD-Papieren negativ aus. Die Titelauswahl im USD-Segment konnte diesen Effekt jedoch ausgleichen. Besonders Banken und Telekommunikation wirkten sich sehr positiv aus.

Attraktive Alpha-Chancen bei Banken

Im Sektorvergleich boten sich bei den Banken interessante Gelegenheiten, Alpha zu generieren, was durch die höhere Volatilität noch verstärkt wurde. Dieser Sektor leistete den größten Wertbeitrag zur Outperformance des Fonds. Den zweitgrößten Beitrag leistete der Sektor Telekommunikation, in dem wir uns für Emittenten entschieden, die am Schuldenabbau arbeiten, darunter Vodafone, AT&T und der aufsteigende Stern Cellnex. Auch der Industriesektor trug positiv zur Wertentwicklung bei. Grund dafür war unsere Auswahl von Anbietern klimafreundlicher Lösungen wie Danfoss, Trane Technologies, Xylem, OCI und LG Chemicals.

Klimafreundliche Lösungen sind häufig in den Sektoren Investitionsgüter und Grundstoffe zu finden. Diese haben sich 2023 nicht besonders gut entwickelt, ersterer weil er als defensiver Sektor bei sinkenden Spreads eher unterdurchschnittlich abschneidet und letzterer aufgrund des negativen Ausblicks insbesondere für Chemiewerte. Nach Emittenten zeigte die Wertentwicklung jedoch eine Streuung, und eine Reihe von Unternehmen entwickelten sich extrem gut. Grüne Investitionen und Anreize wie der Inflation Reduction Act (IRA), eine politische Initiative zur Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien und andere klimafreundliche Technologien in den USA, hatten hier Katalysatorwirkung. Auch unternehmensspezifische Entwicklungen spielten eine Rolle, etwa die Übernahme von Newcrest durch das höher bewertete Unternehmen Newmont.

Die Untergewichtung von Technologie- und Medientiteln dagegen hatte angesichts der guten Performance dieses Sektors einen negativen Effekt.

Insbesondere für klimafreundliche Strategien war 2023 ein schwieriges Jahr, denn der Energiesektor entwickelte sich erneut besser als der Gesamtindex, sowohl nach Gesamtrendite als auch nach Überrendite. Für Ausgleich sorgten unsere Positionen in High-Impact-Sektoren wie Versorgern. Überdurchschnittlich entwickelten sich insbesondere die hybriden Unternehmensanleihen europäischer Stromversorger wie Enel und Iberdrola, Vorreitern der Energiewende. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist allerdings kein Indikator für künftige Renditen.

Für nachhaltigkeitsbezogene Anleihen (Sustainability-Linked Bonds, SLBs) war 2023 ein gutes Jahr. Wie schätzen Sie diesen Markt derzeit ein?

TC: SLBs wurden 2023 auf den Prüfstand gestellt. Unter Beschuss gerieten sie weniger wegen ihrer finanzielle Performance, als vielmehr wegen ihrer Nachhaltigkeitsziele, die als zu unambitioniert in Frage gestellt wurden. Bei den meisten Investment-Grade-SLBs sind die Ziele durchaus hoch gesteckt, im Gegensatz zu ihren Pendants aus dem Schwellenländer- und Hochzinssegment, wo die Sache häufig ganz anders aussieht.

Es gibt erste Anzeichen dafür, dass Anleger SLBs positiver gegenüberstehen

Wie es scheint, schlägt die Stimmung an den Märkten jedoch gerade um, und es gibt erste Anzeichen dafür, dass Anleger SLBs positiver gegenüberstehen. Zum Beispiel wird das Verfehlen von Nachhaltigkeitszielen nun häufig eher so interpretiert, dass sich der Emittent ehrgeizige Ziele gesetzt hat, und nicht als Totalversagen in Sachen Nachhaltigkeit gewertet.

Eine robuste Emissionstätigkeit gab es zuletzt auch bei anderen Formen von zertifizierten Anleihen, von grünen oder nachhaltigen bis zu sozialen Anleihen. Die Liquidität in diesen Strukturen ist weiterhin begrenzt, aber mit der zunehmenden Größe des Segments steigt auch die Diversifizierung im Hinblick auf Unternehmen und Sektoren. Unsere Anlageentscheidung beruht auf der Gesamtstrategie des Emittenten, sowohl in Bezug auf die Klimawende als auch in puncto Finanzen, unabhängig von der Art der Anleihe. Aufgrund der zunehmenden Größe und Akzeptanz des Markts sollte man zertifizierte Anleihen definitiv im Auge behalten.

Welche Auswirkungen hat die erwartete Zinsentwicklung auf Ihre Einschätzung?

JV: Eine große Veränderung gegenüber den vergangenen drei Jahren ist, dass die Zinsen 2024 die Performance von Unternehmensanleihen nicht mehr belasten dürften. Der Tenor der Notenbanken in den Industrieländern lautet, dass die Zinsen wahrscheinlich ihren Höchststand erreicht haben, aber weiter Vorsicht geboten ist. Es könnten weitere Schritte erforderlich sein, um die Inflation wieder auf den Zielwert abzusenken. Infolgedessen gehen wir davon aus, dass die Entscheidungen der Notenbanken  auch künftig von der Datenlage abhängen.

Die EZB könnte mehr Spielraum für Zinssenkungen haben, schlägt aber einen wesentlich schärferen Ton an als die Fed.

Auch wenn die Fed bei ihrer Sitzung im Dezember die Zinswende eingeläutet und im Ton wesentlich milder geworden ist, könnte sich die starke Reaktion bei den Zinserwartungen Ende 2023 als übertrieben und voreilig erweisen.4 Die für 2024 eingepreisten Zinssenkungen erscheinen uns sehr optimistisch, insbesondere in Europa. Tatsächlich könnte die EZB aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mehr Spielraum für Zinssenkungen haben, schlägt aber einen wesentlich schärferen Ton an als die Fed. Zuletzt signalisierte sie mögliche „Zinssenkungen im Sommer“, warnte jedoch auch vor einer kontraproduktiven Wirkung voreiliger Zinssenkungserwartungen an den Märkten, denn allzu lockere Finanzierungsbedingungen könnten erneut inflationsstimulierend wirken.

Zu Beginn des ersten Quartals könnte es hier also Korrekturen geben. Danach dürfte es bei den Erwartungen keine allzu großen Bewegungen mehr geben. Insgesamt dürften von der Zinsentwicklung 2024 positive Total-Return-Impulse für Unternehmensanleihen ausgehen, und eine geringere Zinsvolatilität hätte auch positive Auswirkungen auf die Spreads.

Einziger Vorbehalt ist das 2024 zu erwartende große Angebot aus den USA und europäischen Ländern. Es bleibt abzuwarten, ob dieses vollständig vom Markt absorbiert werden kann. Qualitätsanlagen wie Investment-Grade-Anleihen werden um das Anlagekapital konkurrieren.

Da sich eine Normalisierung abzeichnet, ist 2024 früher oder später mit einer wieder steileren Zinskurve zu rechnen. Anleger sollten im Hinblick darauf zur „Carry-and-Roll“-Optimierung einen Teil ihrer Positionen vom kurzfristigen in den längerfristigen Bereich der Kurve umschichten. [„Carry“ bezieht sich auf die Kuponerträge der Anleger, „Roll“ darauf, den Kurvenverlauf auszunutzen und Positionen entsprechend abwärts zu „rollen“, um von der zunehmenden Spreadverengung zum Laufzeitende zu profitieren.]

TC: Zusätzlich könnten zwei weitere Faktoren die Nachfrage stützen. Erstens: Sinkt das kürzere Ende der Zinskurve, könnte Kapital vom Geldmarkt in den Anleihemarkt umgeschichtet werden. Und zweitens: Steigende Zinserträge bei Anleihefonds werden in den Markt reinvestiert und sorgen für einen zusätzlichen Nachfrageanstieg.

Die Schwierigkeit besteht darin einzuschätzen, ob die Unternehmen ihre Emissionen erhöhen

Die Schwierigkeit besteht darin einzuschätzen, ob die Unternehmen ihre Emissionen erhöhen. Bei bestimmten Hybridinstrumenten sind die Renditen gegenüber Oktober um zwei Prozent gesunken, sodass es für Unternehmen attraktiver ist, Anleihen mit längeren Laufzeiten zu begeben, um über einen längeren Zeitraum von niedrigen Renditen zu profitieren. Daher halten wir einen Anstieg des Emissionsvolumens und somit eine potenzielle leichte Versteilerung der Kreditkurven für möglich. Entscheidend ist hier, wo sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einpendelt, was sehr schwer vorherzusagen ist. Infolgedessen fällt unser Ausblick zwar positiv, aber etwas vorsichtig aus.

Wo sehen Sie in den kommenden Monaten Chancen?

TC: Unternehmen mit technischen Lösungen für die klimawandelbedingten Probleme sind die Weichensteller auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft und sollten daher weiterhin von der Energiewende profitieren. Übergangsorientierte Unternehmen sind branchenübergreifend all diejenigen Unternehmen, die ihre Transitionsrisiken aktiv steuern und ihre Resilienz in einer Welt mit Klimarisiken stärken. Wenig überraschend sind erneuerbare Energien, Elektrifizierung und nachhaltiger Verkehr hier zentrale Themen, aber auch Wasserknappheit, Abfallwirtschaft und der Beitrag zur Schaffung der nötigen technischen Infrastruktur für intelligente Städte und einer Kreislaufwirtschaft.

Mit Blick auf 2024 und nach der Weltklimakonferenz sehen wir eine zunehmende Fokussierung auf Energieeffizienzlösungen. Viele Länder haben sich dazu verpflichtet, gemeinsam auf eine Verdoppelung der globalen durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate bei der Energieeffizienz von rund zwei Prozent auf mehr als viert Prozent bis 2030 hinzuarbeiten. Davon sind positive Impulse für in diesem Bereich tätige Unternehmen zu erwarten.

Es wird zunehmend anerkannt, dass die Investitionen in potenzielle Klimalösungen diversifiziert werden müssen

Angesichts der aktuellen Knappheitssituation bei seltenen Erden und der Energiespeicherproblematik wird allgemein zunehmend die Notwendigkeit gesehen, Investitionen in potenzielle Klimalösungen wie Kernenergie oder Wasserkraft zu diversifizieren. Interessant zu beobachten war auf der Weltklimakonferenz die wachsende Akzeptanz von Kernenergie als Dekarbonisierungslösung ergänzend zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch wenn das Ziel einer Verdreifachung der Kernkraftwerkskapazität bis 2050 kaum realistisch erscheint, könnten in der entsprechenden Lieferkette aktive Industrieunternehmen dadurch doch Rückenwind bekommen. 

JV: Auf breiterer Basis sind IG-Anleihen mit durchschnittlichen Total Return-Prognosen im mittleren einstelligen Bereich nach wie vor sehr attraktiv. Die Renditen lagen zum Jahresauftakt bei rund fünf Prozent, ein komfortables Niveau mit ausreichendem Volatilitätspuffer. Und auch wenn Fundamentaldaten und Ratings sich bei einer Konjunkturabkühlung voraussichtlich verschlechtern, dürfte sich das IG-Segment unserer Ansicht nach behaupten können. Obwohl die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein Indikator für künftige Renditen ist, sollte man doch im Hinterkopf behalten, dass IG-Anleihen in Phasen eines konjunkturellen Abwärtstrends in den letzten 20 Jahren besser abschnitten als risikoreichere Anlageklassen wie Aktien und High-Yield-Anleihen. Auch Ausfälle sind im IG-Segment eher selten.

Der andere Aspekt sind die nach wie vor sehr positiven technischen Faktoren. Auch wenn die Angebotsentwicklung noch mit dem einen oder anderen Fragezeichen behaftet ist, dürfte bei Unternehmensanleihen nicht mit einer Emissionsschwemme zu rechnen sein, bei ungebrochen starker Nachfrage von Seiten renditeorientierter Anleger. Alles in allem sind wir in Bezug auf das Renditepotenzial im IG-Segment in diesem Jahr relativ optimistisch.

Wir erwarten eine breitere Streuung im Emittentenvergleich mit entsprechenden Alpha-Chancen für aktive Asset Manager

Vor diesem Hintergrund positionieren wir uns für einen defensiven Carry und eine Spreadausweitung bei bonitätsschwachen im Vergleich zu bonitätsstarken Anleihen (Dekompression). Zurückhaltender sind wir in Bezug auf BBB-Anleihen und Papiere von Emittenten aus zyklischen Sektoren und wählen im BB-Segment nach wie vor ganz gezielt aus. Nachrangigen Anleihen stehen wir positiv gegenüber, allerdings nur, wenn es sich dabei um Papiere von starken IG-Emittenten handelt, und wir favorisieren eher defensive Sektoren wie Telekommunikation, Versorger und Gesundheitswesen. Finanzwerte stehen bei uns weiterhin hoch im Kurs. Dabei legen wir den Schwerpunkt allerdings auf größere Banken im Gegensatz zu regionalen Kreditinstituten, insbesondere in den USA. Insgesamt erwarten wir eine breitere Streuung im Emittentenvergleich. Dies dürfte Alpha-Chancen für aktive Asset Manager eröffnen.

Ein weiteres Thema ist die Konvergenz der Spreadentwicklung in Europa und den USA, die in verschiedenen Szenarien zum Tragen kommen dürfte. In einem Szenario mit relativ wenig Bewegung bei den Spreads dürfte sich der Extra-Carry in Europa positiv bemerkbar machen. Doch auch bei stärkerem Verkaufsdruck bleiben die hohen Bewertungen von US-Unternehmensanleihen ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Das ist also ein Thema, auf das wir eingestellt sind.

Was sind Ihre größten Hoffnungen – und Ihre größten Sorgen – für 2024?

TC: Meine Hoffnung ist, dass uns ein Umfeld hoher Renditen erhalten bleibt, das Unternehmensanleihen als Anlageklasse sehr attraktiv macht. Angesichts der Renditestreuung bei Unternehmensanleihen können selektive Anleger wie Aviva mit Fundamentalanalyse und ihrer Einschätzung der Perspektiven für die einzelnen Unternehmen punkten.

Sorge bereiten mir potenzielle Phasen ausgeprägter Volatilität ohne fundamentale Grundlage und dass wir uns wieder auf ein Marktumfeld zu bewegen, dass nicht von der Bonitäts-, sondern von der Zinsentwicklung bestimmt wird. Eine solche Situation hatten wir 2023 über weite Strecken des Jahres, mit einer größtenteils schwer einzuschätzenden Volatilität, obwohl sich mit der Dispersion für aktive Anleger auch Renditechancen boten.

2023 hat klar gezeigt, welche Auswirkungen die „unbekannten Unbekannten“ an den Märkten haben können. Deshalb ist ein systematischer Anlageprozess wichtig

Die Märkte beendeten das Jahr 2023 mit einem starken Finish, doch zu Jahresbeginn hätte niemand geahnt, dass eine so große Bank wie Credit Suisse untergehen würde. Das sind die unbekannten Unbekannten, mit denen an den Märkten immer zu rechnen ist. Deshalb ist ein systematischer Anlageprozess wichtig.

Im Hinblick auf den Klimaschutz können wir derzeit keine größeren Probleme durch Klimarisiken bei einzelnen Emittenten erkennen, gehen jedoch davon aus, das diese mit der Zeit zu einem größeren Thema werden. Extremwetterlagen dürften immer häufiger auftreten. Ein Beispiel dafür sind die niedrigen Wasserstände und die damit verbundene eingeschränkte Schifffahrt auf dem Rhein, die die Frachtkosten deutscher Industrieunternehmen in die Höhe trieben. Dieses Phänomen wird dem weltweiten Temperaturanstieg zugeschrieben. Vor allem auf mittlere Sicht dürfte der Druck steigen. Diese Meinung vertritt auch die Ratingagentur Fitch, die davon ausgeht, das mehr als die Hälfte der Herabstufungen von Unternehmensanleihen aufgrund von Klimarisiken bis 2035 auf das Investment-Grade-Segment entfallen wird.

JV: Eine weiche Landung der Weltwirtschaft wäre im Hinblick auf Überrendite und Gesamtrendite das beste Szenario. Dabei handelt es sich um ein Aufwärtsrisiko, denn in einem solchen Szenario ist ausgehend von dem aktuellen Niveau mit einer Spreadverengung zu rechnen.

Aber nach der Rally zum Jahresende 2023 lassen die Bewertungen am Markt eine starke Entwicklung erwarten, obwohl das Spektrum möglicher Szenarien wahrscheinlich größer ist als gewöhnlich. Meiner Einschätzung bestehen eher Abwärtsrisiken und würden sich eventuelle Abweichungen vom aktuellen Pfad in den Spreads niederschlagen, denn der Bewertungsspielraum ist bereits stark ausgereizt. Infolgedessen haben wir trotz unserer weiterhin sehr positiven Einschätzung dieser Anlageklasse teilweise Gewinne mitgenommen und einen gewissen Vorrat an Dry Powder behalten, um 2024 zum richtigen Zeitpunkt darauf zurückgreifen zu können.

Eine weitere Sorge ist ein erneutes Aufflammen der Inflation, das die Notenbanken zu weiteren aggressiven Zinserhöhungen veranlassen würde

Meine Hauptsorge ist eine tiefe Rezession in den USA und ein stärkerer weltweiter Konjunkturabschwung. Ebenfalls Sorge bereitet mir ein erneutes Aufflammen der Inflation, das die Notenbanken zu weiteren aggressiven Zinserhöhungen veranlassen würde. Damit wären wir wieder mit Zinsvolatilität und potenziell mit einer positiven Korrelation von Zinsen und Spreads konfrontiert. Beides hätte einen negativen Total-Return-Effekt.

Ein weiteres Risiko, das man im Auge behalten sollte, sind die Auswirkungen der US-Wahlen auf die Klimaziele der USA. Zwar machen viele Unternehmen unabhängig von der Politik Fortschritte beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und nähern sich ihren Klimazielen. Dennoch stellen ein Kurswechsel in der Umweltpolitik oder Änderungen an Maßnahmen wie dem IRA, die grüne Investitionen fördern, ein klares Risiko dar.

Um Toms Punkt noch einmal aufzugreifen: Es ist auch nicht auszuschließen, dass weitere Schocks eintreten und die Marktstabilität gefährden, ähnlich wie die Liability-driven-Investments (LDI)-Krise im Jahr 2022 oder der Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr danach. Dieser Gedanke lässt mich nicht los, insbesondere in Anbetracht der hohen Zinsen. Gleiches gilt für eine potenzielle Ausweitung der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine oder neue geopolitische Spannungen.

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Wesentliche Risiken

Anlagerisiko

Der Wert einer Anlage und die damit erzielten Erträge können aufgrund von Währungs- und Wechselkursschwankungen sowohl steigen als auch fallen. Anleger erhalten den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurück.

Währungsrisiko.

Die Strategie unterliegt einem Risiko in Bezug auf verschiedene Währungen. Es werden Derivate eingesetzt, um die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen zu minimieren, die damit jedoch nicht unbedingt immer eliminiert werden können.

Kredit- und Zinsrisiko

Der Wert von Anleihen wird durch Änderungen der Zinssätze und der Bonität des Emittenten beeinflusst. Anleihen mit einem höheren Renditepotenzial sind meistens auch mit einem höheren Ausfallrisiko behaftet.

Derivaterisiko

Es können Anlagen in Derivate getätigt werden, die komplex und hochvolatil sein können. Derivate erbringen möglicherweise nicht die erwartete Performance, so dass der Fonds erhebliche Verluste erleiden kann.

Risiko illiquider Wertpapiere

Bestimmte Vermögenswerte im Fonds können schwer zu bewerten oder schwer zu einem gewünschten Zeitpunkt oder zu einem Preis, der als fair angesehen wird, zu verkaufen sein (insbesondere in großen Mengen). Deshalb können ihre Preise sehr stark schwanken.

Nachhaltigkeitsrisiko

Das Nachhaltigkeitsrisiko kann abhängig von der vom Investment Manager identifizierten Anlagechancen schwanken. Damit unterliegt die Strategie einem Nachhaltigkeitsrisiko, das den Wert der Geldanlage langfristig beeinträchtigen kann.

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