Who wants to live forever

WER WILL EWIG LEBEN?

In unserem Großen Interview spricht Ökonom und Bestsellerautor Andrew Scott über die Folgen der zunehmenden Lebenserwartung für Einzelpersonen, Unternehmen und politische Entscheidungsträger.

Trotz der großen Aufmerksamkeit, die wir der Millennial-Generation schenken, ist die längere Lebenserwartung für viele Industrieländer wohl von noch größerer Bedeutung.

Als Professor für Wirtschaftswissenschaft an der London Business School und Coautor des preisgekrönten Bestsellers  The 100-Year Life verteidigt Andrew Scott mit Leidenschaft seine Überzeugung, dass die zusätzlichen Lebensjahre ein Geschenk und kein Fluch sein sollten.

Zusätzlich zu seinem akademischen Wirken war Scott viele Jahre lang ein Berater, dem  politische Entscheidungsträger einschließlich der britischen Financial Services Authority, des House of Commons Treasury Select Committee, der Bank of England, HM Treasury und das Office of Budget Responsibility vertrauten. Seine Ansichten zur Langlebigkeit sind daher durchaus ernst zu  nehmen.

Scott diskutierte in einem langen Interview mit AIQ über das Verschwinden der drei Lebensabschnitte und plädierte für den Übergang zu einem fluideren Leben mit zahlreichen Phasen.

Um ein ‚gutes‘ Leben zu leben, argumentiert er, „müssen Sie vier verschiedene Werte berücksichtigen, von denen nur einer finanziell ist.“ Die drei anderen sind wesentlich weniger naheliegend. Es handelt sich um Produktivität und Wissen, Vitalität und Wandel - in anderen Worten, die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen.

Seinen Theorien zufolge müssen sich Finanzberater zu umfassenden Lebensplanern entwickeln, um die Bedürfnisse der Kunden wirklich zu erfüllen. Die Tatsache, dass man zunehmend für ältere Bürger arbeitet, wird ebenfalls erhebliche Konsequenzen für ganze Branchen haben.

Scott zufolge wird die Technologie eine wichtige Rolle dabei spielen, Gesellschaften zu befähigen, die nötigen Lösungen zu finden und umzusetzen. Es liegen eindeutig zahlreiche Herausforderungen vor uns. Seine Botschaft ist jedoch im Grunde positiv: Wenn Einzelpersonen, Unternehmen und politische Entscheidungsträger sich diesen unvermeidlichen Trend zu eigen machen, scheint das Potenzial für ein erfüllteres, angenehmeres Leben unbegrenzt zu sein.

Welche Altersgruppe bekommt die Folgen des Übergangs zu einem Leben mit zahlreichen Phasen am stärksten zu spüren?

Die zunehmende Lebenserwartung stellt bereits das Lebenszyklus-Modell in Frage, das im 20. Jahrhundert entstand. Die drei Lebensabschnitte Ausbildung, Arbeit und Ruhestand, die auf einer Lebenserwartung von ca. 70 Jahren basierten, dürften mit der Möglichkeit, dass die nächste Generation zwischen 95 und 100 Jahre alt werden wird, unvereinbar sein.

Am stärksten sind von diesen Veränderungen Menschen in den Sechzigern betroffen. Bei vielen sind Gesundheit und Vitalität im Durchschnitt wesentlich besser als das, was man erwartete, als es zur Idee von drei Lebensabschnitten kam. Ihr Wunsch, weiter zu arbeiten, ist fast, als würden sie den Begriff des Ruhestands beiseite lassen. Die Idee, dass es ein Alter gibt, in dem es für jeden zu Ende ist, ist bereits überholt.

Der Ruhestand selbst hat jetzt fast drei Phasen, eine, in der die Menschen weiter arbeiten, eine, in der sie gesund und vital sind, reisen und sich amüsieren und eine, die eher wie ein traditionelles Lebensende wirkt, in der sie empfindlicher sind und zu Hause bleiben.

Wir beobachten auch, dass Menschen in den Zwanzigern sich anders verhalten. Sie heiraten später, kaufen später ein Eigenheim und bekommen später Kinder. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in den Vierzigern ein Kind bekommt, ist heute größer als die, dass sie mit unter 20 Mutter wird. Für mich ist das eine außerordentliche Statistik. Teilweise sind das auch die Folgen negativer Faktoren wie der Verschuldung der Studenten und hoher Immobilienpreise. Aber auch Lifestyle-Entscheidungen spielen eine Rolle. Viele Menschen nehmen ihre Verantwortung als Erwachsener heute erst mit Anfang 30 voll wahr anstatt mit Anfang 20.

Wie sollten Unternehmen auf den demographischen Wandel reagieren?

Sie sollten ihn annehmen. Ich sage Unternehmen immer wieder, dass ein 65-jähriger von heute nichts mehr mit einem 65-jährigen aus der Vergangenheit zu tun hat. Die Menschen sind vitaler, gesünder, produktiver und arbeiten länger. 1922 lag das Sterberisiko eines 65-jährigen Briten bei 4,3 Prozent. Heute beträgt es nur noch 1,3 Prozent. Die Frage ist, für wen das Sterberisiko 1922 4,3 Prozent betrug. Die Antwort lautet, für 52-jährige. 65-jährige sind heute mit 52-jährigen im Jahr 1922 vergleichbar.

Unternehmen müssen sich stärker um die Formalisierung ihrer Beziehungen zu den Mitarbeitern bemühen, die das Ruhestandsalter erreichen. Sie müssen ihnen fünf oder sechs Jahre vor Eintritt des Zeitpunkts Optionen bieten, damit sie ihre Entscheidung treffen können. Da jetzt die zahlreichen Babyboomer in Rente gehen, müssen die Unternehmen ihre Politik systematischer und weniger willkürlich gestalten: Wenn sich herausstellt, dass sie einzelne Mitarbeiter anders behandeln, könnte ihnen eine Anzeige drohen.

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Die Idee, dass es ein Alter gibt, in dem es für jeden zu Ende ist, ist bereits überholt

Wie können wir mit der zunehmenden Ungleichheit bei der Lebenserwartung fertig werden?

Eine gesunde Lebenserwartung ist in der Gesellschaft nicht gleichmäßig verteilt. Sie ist häufiger in den Mittelklassen und den Bevölkerungsgruppen mit höherem Einkommen zu finden. Das ist eine große Herausforderung, da die Abweichung zwischen der Lebenserwartung der oberen und unteren zehn Prozent möglicherweise ca. 14 Prozent beträgt. Dieses Problem muss gelöst werden.

Als erstes müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung in Großbritannien und auch in den USA verlangsamt hat. In den USA war in den letzten Jahren ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Das ist eine große Ungleichheit. In den USA gibt es die fürchterliche Opiat-Krise. In Großbritannien besteht allgemein der Verdacht, dass Probleme im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen eine Rolle spielen, auch wenn es noch zu früh ist, um dessen sicher zu sein.

Interessant ist es auch, Daten über körperliche Arbeit zu betrachten. Es ist verständlich, dass die Lebenserwartung eines Menschen umso kürzer ist, je länger er körperliche Arbeit verrichtet.

Bei Büroangestellten verhält es sich genau umgekehrt. Um den Zusammenhang zu verstehen, muss man sehr gründlich recherchieren, aber es gibt eine eindeutige Auslegung: eine lautet, dass körperliche Arbeit hart ist und das Leben verkürzt, dass aber Sinnhaftigkeit und gesellschaftliche Aktivität auch für den Erhalt des Lebens wichtig sind.

Hier muss als erstes Problem die Gesundheitsreform angegangen werden. Das ist schwierig, müsste aber möglich sein. Zweitens müssen wir uns fragen, wie wir Menschen unterstützen, die nicht über ausreichende Ressourcen verfügen. Betrachten wir die Geschichte des Wohlfahrtsstaats im 20. Jahrhundert, sehen wir, wie Arbeitslosenversicherung, Mutter- und Vaterschaftsurlaub eingeführt werden. Das sind Beispiele dafür, wie die Regierung letztendlich eine Art Plan anbietet, der ursprünglich nur Reichen zur Verfügung stand.

In der Zukunft könnten wir Veränderungen in der (Weiter)bildung beiwohnen. So könnte eine Regierung beispielsweise den Aufwand für eine einjährige Weiterbildung zurückerstatten, die jederzeit während des Lebens erfolgen kann. Diese Möglichkeit würde zwar höchstwahrscheinlich allen angeboten, aber überwiegend von Personen mit niedrigeren Einkommen genutzt.

Je nach Ihrem Standpunkt ist die Technologie entweder eine wesentliche Bedrohung für die Beschäftigung oder ein positiver Trend, der neue Arbeitsplätze schaffen kann. Welche Aussichten haben Sie?

Wenn ich zu Menschen Anfang Vierzig spreche, entmutige ich sie oft ein wenig, indem ich sage: „Wahrscheinlich liegt die längste Zeit Ihres Arbeitslebens noch vor Ihnen.“ Das ist eine gute Methode, um Menschen aufzurütteln und sie dazu zu bewegen, zu sagen: „Ich muss wirklich nachdenken. Gefällt mir mein Job? Hat er Zukunft? Muss ich meine Fähigkeiten erweitern?

Das ist Technologie als Bedrohung.

Natürlich wurden auch früher immer wieder neue Technologien entwickelt. Es gibt eine große Diskussion darum, ob dieses Mal alles anders ist. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Technologie Länder und Menschen langfristig zum Positiven verändert.

Kurzfristig führt das zu viel Umverteilung, aus der manche Menschen als Gewinner und andere als Verlierer hervorgehen. Obwohl viele am Ende eine neue Stelle finden, leiden sie während dieses Zeitraums, da sie ein geringeres Einkommen und psychologische Angst vor der Veränderung haben. Obwohl technologische Innovation auf lange Sicht nur positiv sein kann, ist sie mit Herausforderungen verbunden.

Was die Chancen betrifft, so denken wir immer an die Netzwerktechnologie, die digitale Welt, Roboter und künstliche Intelligenz. Wir sollten aber die Aussichten auf eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitswesens nicht vergessen. Es gibt bereits einige erstaunliche Produkte im Zusammenhang mit Anti-Aging und längerer Lebenserwartung.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Technologie ist es, dass wir den Einsatz von Robotern anprangern, obwohl ihre Nutzung eindeutig zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Betrachten wir zum Beispiel Daten für Südkorea und Japan, in denen die Bevölkerungsalterung besonders schnell vonstatten geht, stellt man fest, dass ihr Produktivitätswachstum sich besser entwickelt hat als in vielen anderen Ländern. Das ist weitgehend den hohen Investitionen in Roboter zu verdanken. Bei alternden Arbeitskräften wirkt sich der Einsatz von Robotern für einige schwierige manuelle Aufgaben eindeutig sehr positiv aus.

Unternehmen und Regierungen müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Leben mit drei Lebensabschnitten, das unser Handeln so stark beeinflusst, der Vergangenheit angehört

Wenn Menschen länger arbeiten müssen, spielt die Ausbildung wahrscheinlich eine wesentliche Rolle?

Meiner Meinung nach wird der Weiterbildungsbedarf für 40- bis 50-jährige zunehmen. Die Technologie wird in diesem Prozess eine immer wichtigere Rolle spielen, denn ich denke nicht, dass die Universitäten dieser zusätzlichen Nachfrage gerecht werden können. Ich rechne mit neuen Produkten und neuen Anbietern, wobei die digitale Vermittlung am besten ist.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es bei Weiterbildung um mehr geht, als nur die Fähigkeiten zu verbessern. Weiterbildung muss auch etwas verändern. Bei Bildung, die etwas verändert, geht es darum, Teil der Gemeinschaft zu sein, sich neuen Ideen zu öffnen und Abstand vom Rest des Lebens zu nehmen.

Ich denke, dass das zu den wichtigen Aufgaben der Bildung für 18- bis 21-jährige zählt, aber auch für Menschen in den Vierzigern und Fünfzigern wichtig ist, da sie wahrscheinlich 20 Jahre lang dieselbe Tätigkeit ausgeübt haben. Es sind ihre Fähigkeiten und ihre Identität.

Meiner Meinung nach wird der Weiterbildungsbedarf für 40- bis 50-jährige zunehmen. Die Technologie wird in diesem Prozess eine immer wichtigere Rolle spielen, denn ich denke nicht, dass die Universitäten dieser zusätzlichen Nachfrage gerecht werden können. Ich rechne mit neuen Produkten und neuen Anbietern, wobei die digitale Vermittlung am besten ist.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es bei Weiterbildung um mehr geht, als nur die Fähigkeiten zu verbessern. Weiterbildung muss auch etwas verändern. Bei Bildung, die etwas verändert, geht es darum, Teil der Gemeinschaft zu sein, sich neuen Ideen zu öffnen und Abstand vom Rest des Lebens zu nehmen.

Ich denke, dass das zu den wichtigen Aufgaben der Bildung für 18- bis 21-jährige zählt, aber auch für Menschen in den Vierzigern und Fünfzigern wichtig ist, da sie wahrscheinlich 20 Jahre lang dieselbe Tätigkeit ausgeübt haben. Es sind ihre Fähigkeiten und ihre Identität.

Wie sollte sich die Finanzplanung einem Leben mit vielen Phasen anpassen?

Wenn wir mit einem Leben mit zahlreichen Etappen einverstanden sind, müssen wir das gesamte Konzept der Rente hinterfragen, da wir zu verschiedenen Zeitpunkten unseres Lebens Anlagen benötigen. So kann ich beispielsweise während ich verdiene viel Geld sparen, um mehrere Jahre Umschulung zu finanzieren. Als Alternative kann ich mich auch für einen Job entscheiden, so dass ich nicht auf mein Vermögen zurückzugreifen brauche, sondern genug verdiene, um  finanziell über die Runden zu kommen. Das ist bei Menschen in den Sechzigern häufig zu beobachten.

Es besteht eine Kovarianz zwischen Werten, die wir jetzt in Betracht ziehen müssen: Gesundheit, Beziehungen, Bildung und Arbeit. Das heißt, dass wir umdenken müssen, wenn wir Geld von einem Lebensabschnitt in einen anderen übertragen. Das wird auch viel individueller werden. Ein Leben mit drei Lebensabschnitten kann man sich nur auf eine Art einrichten. Ich mache eine Ausbildung, arbeite und treten in den Ruhestand ein. Ein Leben mit zahlreichen Phasen kann man auf die unterschiedlichsten Arten gestalten. Auch hier gilt, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Die besten Finanzberater werden ihre Kunden fragen, was sie wirklich wollen und sind in der Lage, ihnen zu helfen, das zu erreichen.

Sollten die Möglichkeiten, auf das Versorgungskapital zuzugreifen, ausgeweitet werden?

Angesichts der niedrigen Zinsen, der zunehmenden Lebenserwartung und der Streichung von Steueranreizen ist die Welt für Pensionen voller Herausforderungen. Es ist im Prinzip eine gute Idee, dass die Versicherten auf ihr Versorgungskapital zugreifen können, aber wichtig ist die Finanzberatung und welche Ratschläge die Versicherten erhalten. Die Gefahr besteht darin, dass kurzfristiges Verhalten gefördert wird, und das ist eine der größten Herausforderungen für ein hundertjähriges Leben. Für ein langes Leben ist Selbstkontrolle wichtig und die Tatsache, eine Beziehung zwischen Ihrer Person heute und in der Zukunft herzustellen. Es stellt sich die Frage, was wir Menschen vermitteln müssen, damit sie diese langfristige Perspektive haben.

Ich rechne mit ganz neuen Rahmenwerken für die langfristige Vermögensverwaltung, die es ermöglichen, den Steuervorteil über das ganze Leben zu verteilen. In diesem Zusammenhang gibt es jetzt interessante neue Möglichkeiten wie den Lifetime ISA. 

Anstatt nur über einen Steuerfreibetrag für eine Altersrente zu verfügen, wird es etwas geben, das Sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Ihrem Leben verwenden können. Das scheint eine vernünftige Art zu sein, die Dinge zu betrachten.

Wie sollte die betriebliche Altersversorgung darauf reagieren?

Die meisten Unternehmen ziehen sich aus leistungsorientierten Pensionsplänen zurück, da diese mit hohen Kosten und einen beträchtlichen Langlebigkeitsrisiko verbunden sind. Nur wenige Unternehmen nehmen noch Mitglieder auf und insgesamt sind die Mitgliederzahlen stark zurückgegangen. Während das leistungsorientierte Programm in seiner jetzigen Form nicht länger existenzfähig ist, gibt es jedoch eine Version, die auch für eine Lebenserwartung von 100 Jahren gut funktionieren könnte.

Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr Vermögen nicht rein finanziell ist, könnte ein Unternehmen zu seinen Mitarbeitern sagen: „Sie erhalten von uns eine automatische Verteilung oder eine geringe beitragsorientierte Leistung bis zu einer bestimmten Höhe. Nach fünf Jahren gewähren wir Ihnen ein sechsmonatiges Sabbatical. Nach zehn Jahren haben Sie Anspruch auf ein einjähriges Sabbatical. Wir finanzieren Ihre Umschulung, und wenn Sie einverstanden sind, versetzen wir Sie in einen anderen Teil des Teams.“

Auch ein ganzheitlicherer Ansatz im Hinblick auf betriebliche Altersversorgung könnte helfen, den ursprünglichen Vorteil eines leistungsorientierten Vorsorgeplans wieder einzuführen: Wir können heute jemanden mit einem geringeren Lohn einstellen und einen solchen Plan zur Bindung einsetzen.

Ist Sinnhaftigkeit während eines langen Ruhestandes genauso wichtig wie finanzieller Wohlstand?

Das ist eindeutig das größte Problem, dem wir uns gegenüber sehen. Wir müssen überdenken, was ‚alt‘ für uns bedeutet. Meiner Meinung nach ist man mit 65 nicht mehr alt, und je mehr Zeit vergeht, um so mehr bin ich davon überzeugt. Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir ältere Menschen wieder in die Gesellschaft integrieren können, da durch die drei Lebensabschnitte eine Art ‚Alters-Apartheid‘ entsteht. Sie führt zu einer Gesellschaft, in der junge Menschen, Menschen im erwerbsfähigen Alter und Senioren jeweils unter sich bleiben.

Es ist wichtig, der älteren Generation zu helfen, sich noch nützlich zu fühlen, denn es wurde eindeutig nachgewiesen, dass Sinnhaftigkeit glücklich macht. Das kann auf zwei Arten erreicht werden.

Die erste ist, dass Menschen in den Sechzigern zu Unternehmern werden. Das ist immer häufiger zu beobachten. Sie streben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben an und sind nicht nur am Geld verdienen interessiert.

Die zweite Lösung ist, dass ältere Menschen sich neben ihrer eigentlichen Karriere im beruflichen Mentoring engagieren. Der US-Organisation Encore, die dieses Angebot bereitstellt, kann es eine tiefgreifende Wirkung auf die Teilnehmer haben, andere durch das Weitergeben von Wissen und Erfahrung zu inspirieren und zu motivieren.

Welche Folgen hat das alles für Anlagen?

Was die Sektoren betrifft, so halte ich die jüngste Fusion zwischen CVS und Aetna in den USA für sehr interessant. Es werden jetzt medizinische Dienste in Apotheken angeboten, aber es geht um viel mehr als nur den Verkauf von Produkten. Viele Dienstleistungen müssen kombiniert werden. Und natürlich Bildung. Wenn wir Berechnungen für Menschen über 18 vornehmen, können wir davon ausgehen, dass sie bis Ende 70 arbeiten werden. Nichts, was wir mit 21 lernen, wird wahrscheinlich so lange aktuell bleiben. Der Schulungsbedarf wird stark zunehmen,

meiner Meinung nach vor allem für Menschen zwischen 40 und 50.

Was müssen Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen Ihrer Meinung nach jeweils tun, um mit der Herausforderung einer Lebenserwartung von 100 Jahren und eines Lebens mit zahlreichen Abschnitten fertig zu werden?

Bei den Einzelpersonen bereiten mir die 40- bis 50-jährigen die größten Sorgen. Sie folgen einem Modell, das für ihre Eltern funktionierte, für sie aber nicht funktionieren wird. Sie können nicht mit 65 in Rente gehen, aber ihre Ausbildung und Fähigkeiten werden weiter nicht reichen. Das ist wirklich eine große Herausforderung. Die Menschen müssen sich allgemein bewusst werden, dass sie schon heute darüber nachdenken müssen, wie die Zukunft für sie aussehen wird. Sie müssen sich auch bewusst sein, dass sie sich in Zukunft mehrmals verändern werden. Sie müssen diesen Veränderungen gegenüber offen sein.

Unternehmen und Regierungen müssen sich ebenfalls darüber im Klaren sein, dass das Leben mit drei Lebensabschnitten, das unser Handeln so stark beeinflusst, der Vergangenheit angehört und sich damit abfinden, dass alles wesentlich vielfältiger sein und aus der Perspektive des ganzen Lebens betrachtet wird.

Einzelne Unternehmen verpassen Chancen, wenn sie den sehr zahlreichen Babyboomern, die sich derzeit dem Ruhestand nähern, nicht mit entsprechenden Angeboten entgegenkommen. Ich finde es etwas komisch, wie sehr sich Unternehmen um Millennials bemühen. Sie sind zwar zahlreich, aber die Anzahl derjenigen, die kurz vor dem Ausstieg aus dem Arbeitsleben stehen und noch fit, gesund und hocherfahren sind, ist noch größer.

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J25870-RA18/0195/01012019