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Der Aufstieg wohlhabender Millenials beschleunigt die Wende in den traditionellen Branchen der Schwellenländer und sorgt für neue Risiken und Chancen an den Anlagemärkten.

Trotz der zahlreichen, jüngsten Berichterstattung über Millenials wurde einer faszinierenden Entwicklung kaum Beachtung geschenkt: den gegensätzlichen Schicksalen der Millenials in Industriestaaten und Schwellenländern.

Während Millenials in Industriestaaten in den letzten Jahren aufgrund stagnierender Löhne, steigender Immobilienpreise und wachsender Studentenverschuldung unter Druck geraten sind, vollzieht sich ein völlig anderer Trend in vielen Schwellenländern. Beispielsweise Indien und die schnell wachsenden ostasiatischen Länder wie Indonesien verfügen über große Kohorten junger Menschen, denen eine vielversprechende Zukunft bevorsteht. Dies hat das Potential, in den nächsten Jahren zu einem wichtigen Anlagethema zu werden.

„Wer diese Chancen nutzen will, muss jedoch die Eigenheiten der demografischen Struktur und die Verbraucherpräferenzen in den einzelnen Ländern kennen“, so Will Ballard, Head of Emerging Market Equities bei Aviva Investors in London. Er unterstreicht den Einfluss der Millenials in Indien, wo das Durchschnittsalter bei 29 Jahren liegt.

„Wie in vielen Schwellenländern ist das öffentliche Verkehrsnetz in Indien schlecht ausgebaut. Mit dem Wohlstand steigt auch die Anzahl von Privatfahrzeugen, insbesondere von Motorrädern“, sagt Ballard. „In städtischen Gebieten und in den wohlhabenderen ländlichen Regionen Indiens werden Fahrzeuge nachgefragt, die sich von der Masse abheben. Die Hersteller sind bestrebt, von diesem Trend zu profitieren.“

Ballard führt als Beispiel Eicher Motors an. Der Automobilhersteller übernahm die britische Motorradmarke Royal Enfield, die für Qualität und Stil steht. Das Unternehmen findet großen Anklang bei jungen Verbrauchern, die aus der Masse an Mopeds auf indischen Straßen herausstechen wollen.


Die Smartphone-Generation

Wie in den Industriestaaten nutzen Millenials in Schwellenländern Smartphones sehr intensiv. Sie bevorzugen jedoch oft Marken aus dem eigenen Land oder aus anderen Schwellenländern gegenüber westlichen Marken. Smartphones „made in China“ von Huawei, Xiaomi und Lenovo verzeichnen in Indien einen rasanten Umsatzanstieg.

Neue Telekommunikationsunternehmen bieten dieser Bevölkerungsgruppe mobile Datenpauschalen an, die ihren Anforderungen besser entsprechen als Pakete der etablierten Betreiber mit lückenhafter Netzabdeckung. „Unternehmen wie Reliance Jo mit Sitz in Mumbai ködern Millenials mit unglaublich günstigen Datenpaketen“, so Ballard.

„Wir werden sehen, ob der Erfolg anhält. Der Wettbewerb im Telekommunikationssektor ist intensiv. Sicher ist, dass die Anbieter, die nicht auf die Erwartungen der jüngeren Generationen eingehen, zurückbleiben werden. Diese Entwicklung ist in allen Schwellenländern zu beobachten.“

Wie im Westen können Millenials dank der hohen Marktdurchdringung der Smartphones Verbraucherkommentare lesen und Optionen vergleichen. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Bereiche Bildung, Gesundheit und Konsumgüter. Ein relativ wohlhabender Millenial in Indien weiß, dass die Gesundheitsleistungen vor Ort nach internationalen Maßstäben schlecht sind. So kann es sein, dass er sich im Ausland von einer der ausgezeichneten, privaten Krankenhausketten wie Bumrungrad in Thailand behandeln lässt. Dort boomt der Medizintourismus. „Grenzüberschreitende Leistungen werden in den Schwellenländern immer beliebter. Das ist ein interessanter Trend“, erklärt Ballard.


Chinesische Millenials

In den übrigen Schwellenländern ist das Bild der Millenials gemischter. Ein Beispiel ist China, wo Millenials vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie die im Westen. Als Produkte der Ein-Kind-Politik (1979-2015), die die Demografie verzerrt hat, müssen sie eine viel größere Kohorte von Rentnern finanzieren. Immobilien in Städten wie Beijing, Schanghai und Guangzhou sind ähnlich teuer wie in New York und London.

Trotzdem sind die chinesischen Millenials eine sehr einflussreiche Verbrauchergruppe: Immerhin zählt diese Generation 415 Millionen Menschen. Das sind mehr als die gesamte Erwerbsbevölkerung der USA und Westeuropas zusammen. In den nächsten zehn Jahren dürfte ihr Einkommen laut Credit Suisse um 3 Billionen USD steigen. Sie fördern das Wachstum neuer Konzerngiganten, die sogenannten BAT (Baidu, Alibaba, Tencent), die hochmoderne Internetplattformen und Smartphone-Apps anbieten.

„Alibaba ist aufgrund der wachsenden Nachfrage im Online-Handel eines der größten Unternehmen der Welt“, erläutert Xiaoyu Liu, Fondsmanagerin für Schwellenländeraktien bei Aviva Investors. „Die jüngere Generation interessiert sich sehr für Spiele, das kommt Unternehmen wie Tencent und NetEase zugute. Die WeChat-App von Tencent hat 800 Millionen Nutzer. Die gesamte Bevölkerung nutzt sie, aber Millenials noch intensiver als ihre Eltern.“

WeChat sorgt für einen nahtlosen Übergang von online zu offline, der den Millenials das Leben erleichtert. Die Nutzer können mit Bekannten und Verwandten über Anrufe und Video-Chats kommunizieren, Taxis und Reisen buchen, Restaurantreservierungen tätigen, Spiele spielen, Rechnungen bezahlen und Artikel in physischen Läden kaufen, ohne jemals die App zu verlassen.


Politik und Polizeistaat        

Mit den Daten der chinesischen Millenials, die sich in der Regel weniger um Datenschutz und Privatsphäre sorgen als ihre Pendants im Westen, entwickeln diese Technologieunternehmen Innovationen auf Basis von künstlicher Intelligenz und Fintech-Plattformen wie Peer-to-Peer-Lending.

Auch der Staat hat Zugriff auf diese Datenmassen, die eine lückenlose Kontrolle ermöglichen. An einem umfassenden Überwachungsapparat wird gearbeitet, mit dem die Spur jedes einzelnen Chinesen über Gesichtserkennung und Informationen zu seinem Online-Verhalten, die von den Technologieanbietern erfasst werden, genau verfolgt wird. Die Behörden lassen die sozialen Medien bereits über Tausende von Zensorenteams überwachen.

Die chinesischen Millenials sind jedoch keine passiven Opfer der staatlichen Kontrolle. Ballard zufolge tragen sie entscheidend zur politischen Debatte im Land bei. „Die jüngeren Generationen in China schätzen Lebensqualität, nicht nur stetig steigendes BIP. Der 19. Parteikongress hat uns gezeigt, dass die Regierung sich dieser Tatsache bewusst ist.“

„Beispielsweise sorgen sich die Einwohner von Beijing um die Luftverschmutzung. Daher beschränkten die Behörden die Verbrennung von Kohle. In der Stahlindustrie wurden die Kapazitäten konsolidiert, um Werke mit schlechter Umweltbilanz und hohem Ausstoß stillzulegen. Diese Ergebnisse beweisen, dass die Millenials auch in einem Einparteienstaat die Politik prägen können“, meint Ballard.


Reformimpulse

In anderen Ländern haben die Millenials einen noch deutlicheren Einfluss auf die Politik. Eine große Kohorte junger Wähler, die Änderungen fordern, veranlasste in mehreren Schwellenländern Reformen, die auch ausländischen Anlegern zugutekommen.

Massendemonstrationen, die von jungen Menschen in den sozialen Medien organisiert wurden, leisteten in Brasilien einen wesentlichen Beitrag zum Sturz der ehemaligen brasilanischen Präsidentin Dilma Rousseff, die infolge einer Bestechungsaffäre im August 2016 abgesetzt wurde. Die Amtsenthebung der Präsidentin erweckte Hoffnungen auf wirtschaftliche und politische Reformen und der MSCI Brazil stieg 2016 um erstaunliche 66,2 Prozent, während der allgemeine MSCI Emerging Markets nur 11 Prozent zulegte.

Indonesien, wo das Durchschnittsalter unter 30 Jahren liegt, ist ebenfalls ein interessanter Fall. Ein Drittel der Wähler wählte bei der Präsidentschaftswahl 2014 zum ersten Mal und setzte auf den Reformkandidaten. Diese Generation verhalf Joko Widodo zum Erfolg. Er versprach die Korruption zu bekämpfen, die indonesische Wirtschaft zu liberalisieren und den Protektionismus abzuschaffen (obwohl dieses Programm bisher gemischte Ergebnisse erzielt hat).

Auch die junge, wachsende Bevölkerung südlich der Sahara könnte mit der Zeit ähnliche politische und wirtschaftliche Unterstützung durchsetzen, obwohl die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten darauf deuten, dass eine große Anzahl junger Menschen im erwerbsfähigen Alter ein gemischter Segen für Volkswirtschaften sein kann, in der es kaum Arbeitsplätze gibt.

„Länder wie Saudi-Arabien könnten Schwierigkeiten haben, wenn sie der jüngeren Generation keine Arbeitsmöglichkeiten bieten. Der Arabische Frühling wurde von vielen jungen Menschen getragen, die keine Perspektive sehen“, sagt Aaron Green, Senior Portfolio Manager im Emerging Markets Debt-Team bei Aviva Investors. „Wenn jedoch die Voraussetzungen stimmen, können junge Generationen ein massiver Motor für Wirtschaftswachstum und die Entwicklung sein.“

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RA18/0124/01012019