Schwellenländer spielen bei der Suche nach Ertragschancen eine herausragende Rolle

Income Multi-strategy Emerging markets Juli 2017

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Investoren sollten sich verstärkt den Schwellenländern zuwenden, denn die Bedingungen in den entwickelten Ländern sind weiterhin schwierig, meint Nick Samouilhan.

Für Investoren auf der Suche nach Ertragschancen hat sich in den letzten Monaten nur wenig getan, und das Potenzial in den Märkten mit traditionell stabilen Erträgen ist weiterhin relativ begrenzt. Die Dividendenrenditen sind nach wie vor niedrig, die Brutto-Effektivrendite auf den FTSE All World Index bleibt über drei Monate bis Ende Juni unverändert bei 2,4% 1. Anleiherenditen bieten indessen wenig Erleichterung. Die Federal Reserve hat die Zinsen im Juni erneut angehoben. Dies ist das dritte Quartal in Folge und weitere Anhebungen sind wahrscheinlich.  Allerdings ging die Rendite für 10-jährige Treasuries im Juni auf 2,28% gegenüber 2,41% im März zurück. Auch die Renditen für UK-Gilts und Bundesanleihen bewegen sich weiterhin auf niedrigem Niveau2&3.

Die Spreads bei Investement Grade- und High Yield-Anleihen gehen weiterhin zurück. Die Anreize der Zentralbanken in Europa und Japan sind für den Rückgang verantwortlich, denn sie haben dazu geführt, dass sich ertragshungrige Investoren auf der Suche nach Renditen risikoreicheren Marktsegmenten zuwenden.  

Chancen in Schwellenländern

Doch wo genau können ertragshungrige Investoren in diesem Umfeld noch Chancen nutzen?  Schwellenländeraktien sind sicherlich eine Option. Auf einer Total-Return-Basis in US Dollar legte diese Assetklasse 2016 um 12% zu, aber das hat sich nur als Aufwärmphase für 2017 herausgestellt, denn bis Mai wurde auf Vergleichsbasis ein Anstieg von 17% erzielt4.

Obwohl die Unternehmen in Schwellenländern ein höheres Gewinnwachstum erzielen als die Unternehmen in den entwickelten Ländern wurden Schwellenländeraktien seit 2014 stets mit  Kursabschlägen von ca. 30% gegenüber den entwickelten Ländern gehandelt.  Die Gewinnprognosen für die Schwellenländermärkte sind weiterhin günstig5.

Sie erhalten außerdem Auftrieb durch verschiedene Faktoren, einschließlich durch den schwächer als erwartet bewerteten US Dollar, der die Angst davor zerstreut hat, dass die strengere Geldpolitik der Federal Reserve die auf US Dollar lautenden Schuldpapiere der Schwellenländer unter Druck setzen könnte. Auch die Angst davor dass Präsident Trump seine protektionistischen Maßnahmen radikal umsetzen könnte, ist zurückgegangen.

Die verbesserten Aussichten für die Weltkonjunktur haben außerdem die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern in die Höhe getrieben.  Länder wie Brasilien und Russland, die beide in den letzten zwei Jahren von starken Rezessionen geprägt waren, zeigen nun Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Bedeutung Chinas für die Schwellenländer darf nicht unterschätzt werden, und auch hier sind die Aussichten durchaus vielversprechend. Wir halten es für möglich dass die chinesische Wirtschaft dieses Jahr die angestrebte Wachstumsrate von 6,5% - 7% übertrifft. Die Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere von den asiatischen Nachbarn, ist stärker als erwartet, während die Wirtschaft gleichzeitig von der soliden Binnennachfrage profitiert. 

Wachstumspotenzial

Neben dem vergleichsweise hohen Ertragspotenzial sind die Investoren in Schwellenländeraktien besser positioniert, um Kapitalwachstumschancen zu nutzen. Das liegt daran, dass die Aktienwerte mit dem höchsten Gewinnpotenzial in den entwickelten Ländern auf defensive Branchen wie Versorgungsunternehmen fokussiert sind, während in den Schwellenländern ein starker Fokus auf dividendenstarken Wachstumswerten besteht.

Bevorzugte Märkte sind Südafrika und die Türkei, trotz der politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.  Südafrika ist in eine Rezession abgeglitten und die Kreditwürdigkeit des Landes wurde herabgestuft. Es besteht Sorge um die Unabhängigkeit der Zentralbank, und die Forderungen nach einem Rücktritt von Präsident Zuma, dessen Amtszeit 2019 ausläuft, werden immer lauter6.  Das Kredit-Rating der Türkei wurde in diesem Jahr von allen wichtigen Rating-Agenturen auf Ramschniveau herabgestuft7.  Nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli letzten Jahres bleibt die Situation angespannt, und die langfristigen Wirtschaftsaussichten sind getrübt8. Die Aktien in diesen Märkten gerieten jedoch unter starken Verkaufsdruck und das Risiko/Rendite-Profil erscheint über einen kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont attraktiv. 

Auch türkische Staatsanleihen bieten attraktive Renditechancen.  Zur Eindämmung der Inflation hat die Zentralbank letztes Jahr die Zinsen angehoben, aber angesichts der wirtschaftlichen Wachstumsprognosen scheint eine weitere Anhebung unwahrscheinlich.  Die Rendite für auf Dollar lautende 10-jährige türkische Staatsanleihen beträgt derzeit über 5% und bietet einen attraktiven Spread gegenüber US Treasuries9.

Auch Indonesien ist ein bevorzugter Emittent.  Das Land gehört heute zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern mit einem Wachstum von über fünf Prozent im ersten Quartal 201710. Die Wirtschaft wächst weniger schnell als in Indien (7,5% im gleichen Zeitraum)11, aber deutlich schneller als in Brasilien (geschätzte 0,7 bis 0,8%)12. Die Regierung hat ein ambitioniertes Reformprogramm auf den Weg gebracht mit dem Ziel, Steuereinnahmen zu optimieren, Investitionen in die indonesische Infrastruktur zu beschleunigen, Energiesubventionen zu verringern und die Bürokratie einzudämmen.

Wir geben Investmentstrategien den Vorzug, die Kapitalwachstum generieren können und es uns ermöglichen, Gewinne auszuschütten.  Beispielsweise halten wir indische Rupien für interessant.  Die Währung dürfte von der leistungsstarken Wirtschaft profitieren, für die ein Wachstum von 7,3% im Steuerjahr 2017/18 vorausgesagt wird13. Die Sorgen um die Unabhängigkeit der indischen Zentralbank haben sich ebenfalls verflüchtigt. Sie waren aufgekeimt, als diese im letzten November 86% der Banknoten des Landes aus dem Verkehr gezogen hatte.  Im Juni ignorierte die Bank das Drängen der Regierung nach einer Lockerung der Geldpolitik und beließ die Zinsen unverändert bei 6,25%14.

Aber auch die Regierung durchläuft eine Reihe beeindruckender Reformen und politischer Herausforderungen, zum Beispiel die Abschaffung von Bargeld in der Wirtschaft. Kurzfristig wird diese Maßnahme der Wirtschaft schaden, aber durch die weitreichende Ausrottung des Schwarzmarktes dürften Steuereinnahmen langfristig steigen.  Die Einführung einer neuen Steuer für Waren und Dienstleistungen zum 1. Juli dürfte den bürokratischen Aufwand verringern und das Wirtschaftswachstum durch die Aufhebung inländischer Handelsschranken langfristig beflügeln, was laut der Rating-Agentur Fitch Produktivitätssteigerungen mit sich bringen wird.

Auch die Selbständigkeit Indiens dürfte zu einer Stützung der Währung beitragen.  In einer von Unsicherheit geprägten Welt ist Indien gut aufgestellt, um sich gegen geopolitische Instabilität, wie zunehmenden Protektionismus oder einen Rückgang der Weltkonjunktur zu behaupten.  Auf Exporte entfallen nur 13% des BIP und die Auslandsverschuldung betrug zum Ende des Steuerjahres 2015/16 lediglich 23,4%16.

Die Attraktivität Europas

In den entwickelten Ländern ist die Lage komplizierter, aber für versierte Investoren bieten sich hier dennoch Chancen.  Derzeit geben wir europäischen Aktien den Vorzug, und zwar wegen ihrer Ertragschancen und ihres Kapitalwachstumspotenzials. Die Region war im vergangenen Jahr von politischer Besorgnis geprägt, die sich jedoch weitgehend aufgelöst hat. Europäische Aktien sind nicht nur attraktiv bewertet, sondern auch ihr Gewinnpotenzial ist höher als in den USA, wo es Anzeichen dafür gibt, dass die Margen aufgrund der gestiegenen Lohnkosten unter Druck geraten.

Das von schwacher Nachfrage geprägte Umfeld in Verbindung mit dem Deflationsdruck machte es für europäische Unternehmen schwierig, Preissteigerungen durchzusetzen.  Aber es gibt Anzeichen für eine Verbesserung, die Nachfrage steigt und die Inflation kehrt in die Eurozone zurück.

Durch den Anstieg der Inflationserwartung ist eine gewisse Preisgestaltungsmacht entstanden, die in dem vorherigen deflationären Zyklus praktisch nicht gegeben war.  Branchen mit einem hohen operativen Leverage profitieren ebenfalls von einer Verbesserung des Umsatzwachstums.  Selbst ein relativ kleiner Anstieg der Margen könnte in Verbindung mit einem weiteren Umsatzwachstum ausreichen, um die Entwicklung der Gewinne signifikant zu beschleunigen.

In den letzten drei Monaten wurden europäische Unternehmen deutlich aufgewertet. Von den entwickelten Regionen wurden nur noch in Japan mehr Auf- als Abwertungen verzeichnet.  Tatsächlich sind die Erwartungen hinsichtlich des Gewinns pro Aktie in Europa für 2017 in den letzten acht Monaten kontinuierlich gestiegen und liegen nun bei 18,9%17

Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu den vorherigen fünf Jahren, in denen die Region kumulierte Verluste in einer Größenordnung von 10 Prozent jährlich hinnehmen musste. Die maßgeblichen Indikatoren deuten außerdem darauf hin, dass der Trend von Dauer ist. Historisch besteht eine starke Beziehung zwischen Geschäftserhebungen wie ISM und PMI und dem Anstieg des Gewinns pro Aktie (EPS).  Der jüngste Sprung, den in wir bei den Indikatoren beider Erhebungen feststellen konnten, ist eine gute Voraussetzung dafür, dass die hohen Erwartungen des Konsens erfüllt werden.

Im Fixed Income-Bereich sehen wir Chancen bei australischen und kanadischen Staatsanleihen.  Die 10-jährigen kanadischen Staatsanleihen bieten einen Spread von 57 Basispunkten über den US Treasuries und von 129 Basispunkten über Bundesanleihen. Ihre australischen Pendants bieten Spreads von jeweils 226 bzw. 40 Basispunkten18. Beide Volkswirtschaften, insbesondere Kanada, stehen aufgrund ihrer Abhängigkeit von den Rohstoffmärkten vor wirtschaftlichen Herausforderungen.  Dadurch wird es unwahrscheinlich, dass die Zinsen in absehbarer Zukunft steigen, auch wenn dem Immobilienmarkt in beiden Ländern eine Blase droht.  

Sources:

1 Financial Times Market Data, 1 July 2017

https://markets.ft.com/data/dataarchive/ajax/fetchreport?reportCode=GWSM&documentKey=688_GWSM_170701

2 Financial Times Market Data, 1 July 2017

https://markets.ft.com/data/dataarchive/ajax/fetchreport?reportCode=GMKT&documentKey=688_GMKT_170701

3 Financial Times Market Data, 1 July 2017

https://markets.ft.com/data/dataarchive/ajax/fetchreport?reportCode=GMKT&documentKey=688_GMKT_170401

4 Aviva Investors’ House View Q2 2017

https://www.avivainvestors.com/en-gb/institutional/house-view--q2-2017.html

5 Aviva Investors’ House View Q2 2017

https://www.avivainvestors.com/en-gb/institutional/house-view--q2-2017.html

6 Reuters 20 June 2017: South Africa adds central bank row to economic and political troubles

http://uk.reuters.com/article/us-safrica-cenbank-idUKKBN19B2VM

7 Financial Times 27 January 2017: Turkey cut to junk by Fitch, losing last major investment-grade rating

https://www.ft.com/content/feb883bd-577f-31c6-b977-1c8082eccbad?mhq5j=e3

8 Bloomberg 22 June 2017: Why Erdogan Is Flooding Turkey’s Economy With Credit

https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-06-22/why-erdogan-is-flooding-turkey-s-economy-with-credit

9 Bloomberg, USD Turkey Government Bond Generic Bid Yield 10 Year, 27 June 2017

10 Source: Bloomberg, as at 31 March 2017

11 Source: Bloomberg, as at 3 April 2017

12 Source: Thomson Reuters, as at 4 April 2017

13 Reserve Bank of India Financial Stability Report 2017-18, June 2017

https://rbidocs.rbi.org.in/rdocs/PublicationReport/Pdfs/05FC1_300617DFEB6FE010564589AD82D3F74058865B.pdf

14 Bloomberg 12 June 2017India Central Bank's Freedom Gets Crucial Test

https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-06-12/india-central-bank-takes-some-heat-from-modi-team-on-rates

15 A Fitch: India GST Bill a Positive Reform Signal, 4 August 2016

https://www.fitchratings.com/site/pr/1009953

16 IMF Staff Report on India, January 2017

https://www.imf.org/en/Publications/CR/Issues/2017/02/22/India-2017-Article-IV-Consultation-Press-Release-Staff-Report-and-Statement-by-the-Executive-44670

17 Aviva Investors’ House View Q2 2017

https://www.avivainvestors.com/en-gb/institutional/house-view--q2-2017.html

18 Financial Times Market Data, 1 July 2017

https://markets.ft.com/data/dataarchive/ajax/fetchreport?reportCode=GMKT&documentKey=688_GMKT_170701

Wichtige Hinweise

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Quellen und Einschätzungen von Aviva Investors Global Services Limited (Aviva Investors). Stand: Mittwoch, 19. Juli 2017. Dieser Kommentar ist keine Anlageempfehlung und darf nicht als solche betrachtet werden. Diese sollten keinesfalls als Garantie für eine wie auch immer geartete Rendite aufgrund einer von Aviva Investors verwalteten Investition angesehen werden oder als wie auch immer gearteter Ratschlag. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für zukünftige Renditen. Der Wert einer Anlage und die damit erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen. Möglicherweise erhält der Anleger den ursprünglich investierten Betrag nicht zurück.

RA17/0957/31102017