Abstimmung von Zyklen: Warum sich Lebens- und Marktzyklen nicht immer in Einklang befinden und was diesbezüglich zu tun ist

Die Märkte und unsere persönlichen Finanzen entwickeln sich selten im Gleichschritt. In diesem Artikel beleuchtet Francois de Bruin einige Anlagestrategien für die erfolgreiche Navigation der Ruhestandsplanung.

Lesedauer: 3 Minuten

Tiny weights on vintage balance scales

Besuchen Sie die Quartalssitzung einer beliebigen Investmentgesellschaft. Wenn diese ihre eigene Einschätzung formuliert oder ihre optimale Vermögensallokation betrachtet, kommt grundsätzlich die Frage auf: Wo stehen wir im Zyklus? Das ist eine gute Frage. Es ist besser, vorsichtig zu sein, wenn die Märkte zu optimistisch sind, und aggressiv, wenn sich Gelegenheiten bieten.

Die Kunden sehen das allerdings anders. Ein wichtigerer Faktor bei der Vermögensallokation sollte die Frage sein, in welcher Phase Ihrer Ruhestandsplanung Sie sich befinden.

Dies ist umsichtig. In jungen Jahren will man das langfristige Wachstum maximieren, in der Konsolidierungsphase das Risikoprofil ausgleichen und im Ruhestand nachhaltige Erträge beziehen und versuchen, das Erbe zu maximieren.

Wie also stimmen wir Ihre persönlichen Zyklen am besten mit jenen des Marktes ab? Je nach verfolgtem Ansatz können die Ergebnisse weit voneinander abweichen. Es gab immer scheinbar kluge Gründe für einen Ausstieg aus den Aktienmärkten. Und wenn diese von glaubwürdigen Experten vorgebracht werden, können die Sirenengesänge, die einen Marktcrash vorhersagen, überwältigend sein. Andere werden dagegen auf die Tatsache hinweisen, dass der US-Aktienmarkt über eine Haltedauer von 20 Jahren niemals negative Renditen lieferte. Anscheinend kann sowohl das Beachten als auch das Ignorieren von Marktsignalen Vorteile haben.

Bestimmung der Art der Renditen,  des Zeithorizonts der Renditen  und des Renditeuniversums

Ich sehe drei potenzielle Wege für eine Lösung dieses Zwiespalts. Dazu ist es notwendig, die Art der Renditen, den Zeithorizont der Renditen und das Renditeuniversum zu bestimmen.

Wenden wir uns zunächst der Art der Renditen zu. Durch die Aufgliederung der Gesamtrenditen in ihre Hauptkomponenten aus Kapitalzuwachs und Erträgen kann das zu lösende Problem für den Marktzyklus und den Lebenszyklus abgesteckt werden. Beginnen wir mit dem Ziel eines hohen Ertragsniveaus. Ein hohes Ertragsniveau kommt den Kunden sowohl während ihres Ruhestands als auch in der Zeit davor zugute. Jüngere Anleger können bis zum Ruhestand Kapital aufbauen, ältere Anleger können ihr Kapital langfristig anlegen und wachsen lassen und gleichzeitig die Erträge abrufen.

Dieser Ansatz reduziert das Sequence-of-Returns-Risiko erheblich; d. h. das Risiko von Verlusten, die sich durch den Abverkauf von Aktien bei niedrigen Aktienkursen ergeben. Wenn Sie zum Beispiel davon ausgehen, dass die Aktienmärkte über die nächsten 30 Jahre eine Rendite von durchschnittlich 10 Prozent liefern, wird fälschlicherweise angenommen, dass ein Kunde, der einen deutlich geringeren Betrag entnimmt, beispielsweise sechs Prozent, im Ruhestand gut versorgt ist. Es könnte jedoch anders kommen.

Von 1973 bis 2008 lieferte der S&P 500 eine durchschnittliche Jahresrendite von zehn Prozent. Ein Anleger, der sechs Prozent entnommen hätte, wäre weiterhin gut versorgt. Bei einer umgekehrten Rendite-Reihenfolge, noch immer unter der Annahme einer durchschnittlichen Rendite von 10 Prozent, aber in einer anderen Reihenfolge, hätte der Anleger bereits nach 16 Jahren kein Geld mehr gehabt. Das liegt daran, dass Sie nach einer Marktkorrektur nicht genügend Aktien für die Wiederherstellung der Erträge haben, weil Sie verkauft haben, um Ihren Einkommensbedarf zu decken.

Es ist von entscheidender Bedeutung, den Schwerpunkt an erster Stelle auf Erträge aus Dividenden und Kupons zu legen.

Da man nicht weiß, wie die zukünftigen Rendite-Reihenfolgen aussehen werden, ist es von entscheidender Bedeutung, den Schwerpunkt an erster Stelle auf Erträge aus Dividenden und Kupons zu legen. Aus der Perspektive des Asset-Allocators kann der Fondsverwalter potenzielle Renditen bewerten und abhängig von den Gelegenheiten am Markt versuchen, den langfristigen Kapitalzuwachs zu maximieren, weil kurzfristige Bedürfnisse durch die Erträge befriedigt werden. Mit anderen Worten muss er sich des Lebenszyklus der Kunden vollständig bewusst sein und gleichzeitig die Anforderungen des Marktzyklus abwägen.

An zweiter Stelle steht der Zeithorizont der Renditen. Wie oben erwähnt, müssen die kurz- und die langfristigen Bedürfnisse beachtet werden. Auch hier sollten die kurzfristigen Bedürfnisse primär durch den Schwerpunkt auf die Erträge befriedigt werden. Für langfristige Ziele sollte der Schwerpunkt auf Kapitalerhalt und vorzugsweise Kapitalzuwachs liegen.

Während die Anlageverwalter Zeit für die Abstimmung von Anlagezyklen und Lebenszyklen aufwenden sollten, führt das Informationszeitalter leider dazu, dass wir mehr Zeit mit der Abstimmung von Nachrichtenzyklen und Performancezyklen verbringen, die beide für die langfristigen Renditen (und somit die Ergebnisse) nicht günstig sind.

Über ein Kalenderjahr sind die Renditen zur Hälfte auf Bewertungsänderungen und zur Hälfte auf Kupons zurückzuführen.

Beispielsweise sind bei der Betrachtung der Schwellenmarkt-Unternehmensanleihen über die letzten zehn Jahre über ein Kalenderjahr die Renditen zur Hälfte auf Bewertungsänderungen und zur Hälfte auf Kupons zurückzuführen. Bei einer Haltedauer von drei oder mehr Jahren tragen die Veränderungen der Spreads jedoch nur 20 Prozent bei. Der größte Teil der Renditen, die restlichen 80 Prozent, kommen aus der Ertrags- oder Carry-Komponente. Außerdem kommen gemäß Daten von JP Morgan 97 Prozent der Renditen über den gesamten Zyklus aus den Erträgen. Der Fokus auf Erträge ist der primäre langfristige Renditetreiber und im Gegensatz zur Spekulation über kurzfristige Preise ein besserer Anlageansatz.

An dritter Stelle kommt das Renditeuniversum. Um Markt- und Lebenszyklen wirksam abzustimmen, haben Sie zur Bewältigung der Aufgabe umso mehr Instrumente, je größer Ihre Anlagemöglichkeiten sind.

Es ist besser, sich darauf zu konzentrieren, wo sich einzelne Unternehmen und Sektoren in ihren jeweiligen Zyklen befinden.

Die meisten Anleger denken über den Anlagezyklus eher in groben Zügen nach, beispielsweise darüber, wo sich die Aktien- oder Rentenmärkte befinden. Es ist jedoch besser, sich darauf zu konzentrieren, wo sich einzelne Unternehmen und Sektoren in ihren Zyklen befinden und dann festzulegen, welche davon möglichst angemessen genutzt werden können, um die Anlageergebnisse mit den Bedürfnissen und Lebenszyklen der Kunden abzustimmen.

Die Konsensprognosen gehen für dieses Jahr von einer Abschwächung des Gewinnwachstums beim S&P auf 12,7 Prozent und einem weiteren Rückgang auf sechs Prozent im nächsten Jahr aus. Viele ertragsgenerierende Unternehmen in diesem Markt befinden sich jedoch auf einem anderen Kurs. US-REITs haben im vergangenen Jahr ein höheres Angebot abgearbeitet, insbesondere im Gesundheitssektor, und die FFO-Prognosen (eine Kennzahl für die Cashflows von REITs) legen aktuell zu. Die Konsensprognosen für Halbleiterergebnisse befinden sich ebenfalls auf zyklischen Tiefs, und es zeigen sich erste ermutigende Anzeichen. Die Konsensprognosen für das Wachstum des Gewinns je Aktie beim führenden Halbleiterproduzenten Texas Instruments in diesem Jahr gehen davon aus, dass der Gewinn um 8 Prozent zurückgehen wird, aber im nächsten Jahr soll das Wachstum wieder annähernd zweistellig sein. Kernpunkt ist, dass Anleger, die den Verlauf des Gewinnzyklus verallgemeinern, Gelegenheiten für die erneute Beschleunigung des Wachstums verpassen.

Es wird immer eine leichte Spannung zwischen Markt- und Lebenszyklen geben.

Es wird immer eine leichte Spannung zwischen Markt- und Lebenszyklen geben. Die Launen und häufig auch die Zufälle des Marktes können sich verschwören, um den Anlegern das Leben auf dem Weg in den Ruhestand und darüber hinaus schwer zu machen. Zunehmend werden jene Anbieter und Fondsverwalter die besten Ergebnisse liefern, die die verständliche Nachfrage der Kunden nach stabilen Erträgen am besten abstimmen können. Hierzu ist letztlich ein tieferes Verständnis der Art der Renditen, des Zeithorizonts der Renditen und des Renditeuniversums erforderlich.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Money Observer.

Wichtige Informationen

Sofern nicht anders angegeben, sind alle geäußerten Meinungen jene von Aviva Investors. Die Aussagen garantieren keine Gewinne aus Geldanlagen, die von Aviva Investors verwaltet werden, und sind nicht als individuelle Anlageempfehlungen zu verstehen. Dieses Dokument stellt weder eine Empfehlung noch ein Angebot an Personen in Rechtsordnungen dar, in denen ein solches Angebot nicht zulässig ist, oder an Personen, gegenüber denen die Abgabe eines solchen Angebots oder einer solchen Aufforderung gesetzwidrig wäre. Vor einer Anlage sollten die Rechts- und die Zeichnungsdokumente sorgfältig gelesen werden. Portfoliopositionen können jederzeit ohne Ankündigung geändert werden. Informationen über bestimmte Wertpapiere sollten nicht als Empfehlung für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren verstanden werden.

In Singapur werden diese Unterlagen über eine Vereinbarung mit Aviva Investors Asia Pte. Limited (AIAPL) ausschließlich für institutionelle Investoren bereitgestellt. Wir weisen darauf hin, dass AIAPL kein unabhängiges Research und keine Analysen zum Inhalt bzw. der Erstellung dieses Dokuments beiträgt. Die Empfänger dieser Unterlagen müssen sich in Bezug auf alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit diesen Unterlagen oder Fragen, die sich daraus ergeben, an AIAPL wenden. AIAPL, ein nach dem Recht von Singapur gegründetes und unter der Nummer 200813519W registriertes Unternehmen, verfügt über eine gültige Capital Markets Services Licence für Fondsmanagement-Aktivitäten gemäß dem Securities and Futures Act (Singapore Statute Cap. 289) und ist für die Zwecke des Financial Advisers Act (Singapore Statute Cap.110) ein Asian Exempt Financial Adviser. Sitz: 1 Raffles Quay, #27- 13 South Tower, Singapore 048583. In der Schweiz wird dieses Dokument von der Aviva Investors Schweiz GmbH herausgegeben, die von der FINMA als Vertreiber von Investmentfonds zugelassen ist. 

Herausgegeben von Aviva Investors Global Services Limited. Eingetragen in England unter der Nummer 1151805. Eingetragener Firmensitz: St. Helens, 1 Unterwelle, London EC3P 3DQ. Autorisiert und reguliert durch die Financial Conduct Authority. Firmenreferenz Nr. 119178.

Aktuelle Investmentthemen