In diesem Beitrag erläutern die drei Portfoliomanager des AIMS Target Return Fund, auf welche neuen Arten sie Optionen im Portfolio einsetzen, welche potenziellen Vorteile sich daraus ergeben und welche Überlegungen hinter einigen ihrer jüngsten Strategien stehen.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:
- Warum Optionsstrategien dazu beitragen können, Portfolios gegen Kursrückgänge abzusichern und konsistente Renditen zu erzielen
- Wie die Portfoliomanager Optionen in der Praxis einsetzen
- Wie der Ausbau des Teams den Einsatz von Optionen weiter verbessert hat.
Seit seiner Auflegung vor mehr als zehn Jahren verfolgen die Portfoliomanager des Aviva Investors Multi Strategy (AIMS) Target Return Fund das Ziel, das größtmögliche Anlageuniversum zu nutzen, um für ihre Anleger möglichst konsistente Renditen zu erzielen.
Im Gegensatz zu traditionellen Long-only-Fonds kann der AIMS Fund Short-Positionen eingehen, um von erwarteten Kursrückgängen bei klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen zu profitieren. Darüber hinaus kann der Fonds Positionen in Fremdwährungen und Rohstoffen eingehen, um die Ertragsquellen weiter zu diversifizieren und die Resilienz des Portfolios zu stärken.
In den vergangenen Jahren hat insbesondere die Weiterentwicklung der Optionsstrategien des Teams maßgeblich zum Anlageprozess beigetragen. Der leitende Fondsmanager Ian Pizer (IP) ist der Ansicht, dass dies möglicherweise der wichtigste Einzelfaktor dafür war, dass der Fonds seine Anleger während ausgeprägter Marktabschwünge – etwa im gesamten Jahr 2022, im März 2025 und erneut in diesem Frühjahr – schützen konnte.
Nach Ansicht von Pizer trug die Einstellung von Patrick Bartholet (PB) im Jahr 2018 und zwei Jahre später von Ralph Maison (RM) maßgeblich zu dieser Verbesserung bei. Beide Neuzugänge verfügten über umfangreiche Erfahrung im Handel mit Aktienindexoptionen und anderen komplexeren Derivaten, die sie bei verschiedenen Investmentbanken erworben hatten.
Warum kommt der Einsatz von Optionen dem Fonds zugute?
IP Wir haben zunächst Pat Bartholet und anschließend Ralph Maison ins Team geholt, um unsere Kompetenz im Bereich Optionen gezielt auszubauen. Die Ressourcenausstattung und das Fachwissen, das wir im Team inzwischen im Bereich Optionen haben, ermöglichen es uns, Strategien flexibler, umfassender und deutlich wirksamer einzusetzen, was uns in den vergangenen vier oder fünf Jahren zugutegekommen ist.
Durch die Verstärkung unseres Teams mit diesen beiden Neuzugängen konnten wir das Renditeprofil des Fonds zu unserem Vorteil verbessern. Durch den Einsatz von Optionen verzichtet man zwar auf einen Teil des Aufwärtspotenzials, verbessert dafür jedoch den Schutz vor Kursrückgängen. Für einen Fonds wie unseren besteht der eigentliche Vorteil darin, dass sich die Renditen auf diese Weise deutlich verstetigen und somit ein wesentlich gleichmäßigeres Renditeprofil entsteht.
Dank der heute vorhandenen Expertise können wir Optionen flexibler, umfassender und deutlich effektiver einsetzen.
RM Wir verfügen beide über umfangreiche Erfahrung im Management verschiedenster Derivate. Dadurch sind wir in der Lage, Chancen über unterschiedliche Anlageklassen hinweg zu analysieren und gezielt zu nutzen. Dies gilt sowohl für die eigenständige Erwirtschaftung von Erträgen als auch für die Bereitstellung eines kostengünstigen Schutzes vor Kursrückgängen für das Portfolio.
Eine ganze Reihe von Parametern beeinflusst den Preis einer Option und die erwartete Rendite verschiedener Optionsstrukturen. Wir nutzen eine Vielzahl von Analyseinstrumenten, um zu beurteilen, ob Optionen im jeweiligen Marktumfeld günstig oder teuer bewertet sind.
Aber ebenso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie der Rest des Portfolios aufgebaut ist. So könnten wir beispielsweise hinterfragen, inwieweit wir uns auf unsere Anleihepositionen verlassen können, um das Aktienrisiko zu reduzieren, und prüfen, ob dies tatsächlich die beste Absicherungsstrategie ist oder ob sich Derivate hierfür besser eignen.
PB Anders als manche setzen wir Derivate nicht einfach nur ein, um den Schutz auf der Abwärtsseite zu erhöhen. Wir wollen die risikobereinigten Renditen verbessern und dabei berücksichtigen, wie das gesamte Portfolio positioniert ist. Je nach Marktlage können wir das Risiko mithilfe von Derivaten reduzieren, sofern sich hierfür eine kostengünstige Möglichkeit bietet. In anderen Fällen erreichen wir dies durch das Halten von Anleihen. Entscheidend ist die Flexibilität.
Unser Hintergrund im Investmentbanking kommt uns dabei zugute, da wir dadurch nicht nur verstehen, wie Banken diese Derivate bepreisen, sondern auch erkennen können, wann sie Risiken abbauen oder weitergeben wollen.
Während andere eine Option möglicherweise kaufen, weil sie günstig bewertet erscheint, versetzt uns diese Erfahrung in die Lage, besser beurteilen zu können, ob sie aus gutem Grund günstig bewertet ist. Entscheidend ist nicht immer, was man handelt. Manchmal ist das Schlagloch, dem man ausweicht, genauso wichtig wie der Weg, den man einschlägt.
Können Sie uns einige Beispiele dafür geben, wie Sie diese Strategien in der Praxis umgesetzt haben?
RM Eine der wichtigsten Positionen in jüngster Zeit war ein Call Spread auf den chinesischen Aktienmarkt (CSI 500 Index). Die Begründung für den Trade war zweierlei. Zunächst vertrat das Team im November die Einschätzung, dass der chinesische Aktienmarkt unterbewertet war.
Zweitens – und ebenso wichtig – stellten wir fest, dass der Optionsmarkt die Möglichkeit bot, an der erwarteten Kursrally teilzuhaben und sich gleichzeitig sehr kostengünstig gegen Kursrückgänge abzusichern.
Wir gingen eine Position ein, bei der der potenzielle Verlust im Falle eines Marktrückgangs lediglich ein Drittel des potenziellen Gewinns betragen hätte, den wir bei einem Marktanstieg erzielen konnten. Im Januar realisierten wir die Gewinne aus dieser Position, bauten sie jedoch Ende März erneut auf.
Ich denke, dieses Beispiel veranschaulicht gut, wie wir die asymmetrischen Renditeprofile von Optionen gezielt nutzen, um uns einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
PB Ich denke, dieses Beispiel veranschaulicht gut, wie wir die asymmetrischen Renditeprofile von Optionen gezielt nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Mitunter kann es sinnvoll sein, den Basiswert direkt zu halten, wenn man fest von einem Kursanstieg überzeugt ist. Der besondere Vorteil von Optionen besteht jedoch darin, dass sie eine Partizipation an Kurssteigerungen ermöglichen und gleichzeitig die Verluste begrenzen, falls sich die Markterwartung nicht erfüllt. Sie bieten asymmetrische Renditen.
Darüber hinaus können wir die Umsetzung einer Position während ihrer Laufzeit mehrfach anpassen – abhängig von unseren Markteinschätzungen, dem Volatilitätsumfeld und der Gesamtstruktur des Portfolios.
Mitunter möchten wir das Risikoprofil erhöhen und erwerben dann einfach Call-Optionen. Sind wir hingegen weniger überzeugt, setzen wir auf einen Spread, indem wir eine Option kaufen und gleichzeitig eine andere verkaufen. Wir prüfen fortlaufend, wie sich eine Position vor dem Hintergrund unserer Markteinschätzungen am besten umsetzen lässt. Wir definieren zunächst das Szenario und suchen anschließend nach der dafür optimalen Auszahlungsstruktur, anstatt von einer bestimmten Auszahlungsstruktur auszugehen und erst danach zu prüfen, wie sie sich in das Portfolio einfügt.
RM Eine weitere profitable Position war Gold. Mit einer Position in Gold erzielten wir in den rund sechs Monaten bis März eine starke Wertentwicklung. Zunächst erfolgte dieses Engagement durch den direkten Besitz des Edelmetalls. Mit dem anhaltenden Kursanstieg verlagerten wir das Engagement jedoch auf Call-Optionen.
Dadurch konnten wir das Risiko reduzieren, indem wir den Großteil der erzielten Gewinne realisierten und gleichzeitig unser Engagement in Gold aufrechterhielten. Als der Goldpreis im März einbrach, blieben uns dadurch erhebliche Verluste erspart.
PB Rückblickend entwickelte sich der Fonds auch im vergangenen Frühjahr im Vorfeld der von US-Präsident Donald Trump als „Liberation Day“ bezeichneten Ankündigung weitreichender Zölle sehr positiv. Wir waren der Ansicht, dass der Markt das Risiko einer deutlichen Korrektur unterschätzte.
Neben dem Abbau eines Großteils unserer Aktienpositionen erwarben wir Derivate, die im Falle eines starken Anstiegs der Marktvolatilität an Wert gewinnen. Darüber hinaus kauften wir Index-Put-Optionen, deren Wert bei fallenden Aktienmärkten steigt.
Diese Positionen, mit denen wir zum Zeitpunkt der Ankündigung faktisch netto short in Aktien positioniert waren, entwickelten sich äußerst positiv, als die Aktienmärkte anschließend deutlich nachgaben.
Gehen Sie davon aus, dass Optionen auch künftig eine zentrale Rolle bei der Art und Weise spielen werden, wie Sie den Fonds verwalten?
IP Sicherlich. Auch wenn es inzwischen fast schon abgedroschen klingt, von Unsicherheit an den Märkten zu sprechen, war der Ausgang des jüngsten Konflikts im Iran dennoch praktisch nicht mit hinreichender Sicherheit vorherzusagen.
In einer derart binären Situation, in der die Märkte beispielsweise um zehn Prozent steigen oder ebenso gut um zehn Prozent fallen könnten, kann es von großem Vorteil sein, eine Position so zu strukturieren, dass das Verlustrisiko nur einen Bruchteil des potenziellen Gewinns ausmacht.
Nach Ausbruch des Konflikts im Februar kauften wir Optionen auf den Nasdaq-Aktienindex, da wir davon ausgingen, dass sich mit einer Beilegung des Konflikts eine Gelegenheit ergeben würde, das Risiko gezielt zu erhöhen. Hätte sich die Lage dagegen weiter verschärft, wären die potenziellen Verluste lediglich ein Bruchteil der möglichen Gewinne gewesen.
Dabei ist zu betonen, dass der Einsatz von Derivaten zwar vorteilhaft sein kann, dies jedoch nicht in jeder Situation der Fall ist.
RM Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass der Einsatz von Derivaten nicht in jeder Situation sinnvoll ist. So halten wir derzeit beispielsweise keine unserer Währungspositionen über Optionen, und auch bei mehreren Aktien- und Anleihepositionen ist der Einsatz von Derivaten nicht angemessen.
IP Ebenso möchte ich hervorheben, dass Optionen kein Allheilmittel sind. Unser Ziel ist es nicht, als Tail-Risk-Hedgefonds zu agieren. Deshalb müssen unsere zentralen Markteinschätzungen grundsätzlich zutreffen.
Unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen zeigt die historische Erfahrung, dass Aktienmärkte langfristig steigen. Entsprechend muss auch unser Einsatz von Optionen auf dieses Basisszenario ausgerichtet sein.
Zuletzt hatten wir aufgrund des unsicheren Ausblicks eine eher defensive Risikopositionierung. Wäre die Lage im Iran eskaliert, hätte ein erheblicher Teil der Energieinfrastruktur am Persischen Golf ausfallen können.
In einem solchen Szenario wäre eine völlig andere Portfolioausrichtung erforderlich gewesen. Man kann nicht einfach davon ausgehen, dass sich Investments langfristig schon wieder erholen werden. Dafür vertrauen uns unsere Anleger nicht ihr Kapital an.
Stattdessen bewerten wir fortlaufend das Verhältnis zwischen Aufwärts- und Abwärtspotenzial, um ein Risiko-Rendite-Profil zu schaffen, das unseren Markteinschätzungen bestmöglich entspricht.
Der Einsatz von Optionen bedeutet allerdings auch, dass man auf einen Teil des Aufwärtspotenzials verzichtet oder für einen Schutz bezahlt, der sich im Nachhinein möglicherweise als nicht erforderlich erweist. Wenn das Ziel jedoch darin besteht, das Portfolio gegen Kursrückgänge abzusichern und konsistentere Renditen zu erzielen, nimmt man einen Teil des Aufwärtspotenzials bewusst in Kauf, um das Risiko erheblicher Wertverluste zu verringern.