Die großen Technologiekonzerne wenden sich zunehmend an die internationalen Kapitalmärkte, um die in den kommenden Jahren anstehenden Investitionen in Billionenhöhein KI-Infrastruktur zu finanzieren. Dabei nehmen sowohl das Tempo als auch das Volumen dieser Finanzierungsmaßnahmen deutlich zu.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:

  • Ausmaß der Kapitalaufnahme großer Cloud-Dienstleister (Hyperscaler) 
  • Auswirkungen auf Investoren und den Markt für Unternehmensanleihen
  • Wie Märkte zunehmend zwischen diesen Unternehmen differenzieren

Seit unserem letzten Beitrag über Hyperscaler in der Dezemberausgabe 2025 von Bond Voyage hat sich das Tempo der Investitionen in neue Rechenzentren – und der damit verbundene Wettlauf um Kapital – weiter beschleunigt. 

2025 tätigten die fünf größten Hyperscaler (Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle) insgesamt Investitionsausgaben (Capex) in Höhe von rund 400 Mrd. USD, die überwiegend in den Ausbau von Rechenzentren, Computing-Infrastruktur sowie Schlüsselkomponenten wie Grafikprozessoren (GPU) flossen (siehe Abbildung 1). 

Die jüngsten Prognosen bezüglich der Investitionsausgaben im Kalenderjahr 2026 deuten auf nahezu eine Verdopplung dieses Betrags auf rund 800 Mrd. USD hin. Auf Basis der Unternehmenskommentare lässt ein erster Ausblick auf 2027 weitere Investitionssteigerungen erwarten. Einige Investmentbanken rechnen sogar damit, dass die Investitionen auf 1 Billion USD oder mehr ansteigen könnten.

Abbildung 1: Historical and guided capex by hyperscalers (US$ billion)

Note: Oracle’s financial year-end is on May 31, Microsoft’s is on June 30. The above figures refer to calendar years. In Oracle’s case, December to November period is shown. Estimates for their calendar 2026 capex includes half of their financial year (June 2026 to May 2027) guidance. Projected capex for these hyperscalers is shown using mid-point of their guidance.

Source: Aviva Investors, latest company reports, as of June 2026.

 

Ein Teil dieses Anstiegs ist auf höhere Komponentenpreise infolge der außergewöhnlich hohen Nachfrage und anhaltender Lieferengpässe zurückzuführen. Gleichzeitig wird die Entwicklung jedoch durch einen rasch wachsenden vertraglich gesicherten Auftragsbestand im Cloud-Geschäft getrieben.1 Die zuletzt ausgewiesenen verbleibenden Leistungsverpflichtungen von Amazon, Microsoft, Alphabet und Oracle beliefen sich zusammen auf mehr als 2 Billionen USD. Dies entspricht einem Anstieg von über 25% gegenüber dem Vorquartal und nahezu einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.2 Abbildung 2 zeigt den vertraglich gesicherten Auftragsbestand.

Abbildung 2: Reported backlog by hyperscalers (US$ billion)

Note: Oracle’s financial year-end is on May 31, Microsoft’s is on June 30. The figures in this chart refer to calendar years. In Oracle's case, Q126 corresponds to May 2026 financial year-end and Q425 to February 2026 and so on, going back. 

Source: Aviva Investors, latest company reports, as of June 2026.

 

Über den Ausbau von eigenen Rechenzentren hinaus

Hyperscaler sichern sich zunehmend auch langfristige Mietverträge für künftige Rechenzentrumskapazitäten. Der Umfang dieser bereits vertraglich zugesagten, aber noch nicht begonnenen und nicht in der Bilanz ausgewiesenen Leasingverpflichtungen wurde in den jüngsten Unternehmensangaben auf rund 800 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die künftigen Leasingzahlungen dienen dabei in der Regel der Rückzahlung der von Rechenzentrumsentwicklern für die jeweiligen Projekte aufgenommenen Fremdfinanzierung. 

Darüber hinaus ergibt sich ein Teil des zusätzlichen Finanzierungsbedarfs aus bereits geleisteten sowie noch ausstehenden Investitionszusagen an führende KI-Forschungslabore. So belaufen sich die entsprechenden Verpflichtungen von Amazon und Alphabet zusammen auf mehr als 120 Mrd. USD, wovon rund 85 Mrd. USD von der Erreichung künftiger Meilensteine abhängig sind.3

Ein erheblicher Teil dieser umfangreichen Investitionen kann durch einen starken und weiter ansteigenden operativen Cashflow sowie durch hohe Liquiditätsbestände finanziert werden. Dies spiegelt die insgesamt solide Investment-Grade-Bonität dieser Unternehmen wider. Mit der zunehmenden Beschleunigung der Investitionen in das KI-Ökosystem greifen viele Hyperscaler jedoch verstärkt auf bislang kaum genutzte Finanzierungsquellen zurück. 

Erschließung neuer Finanzierungsquellen

An den Anleihemärkten zeigt sich dies insbesondere in einem Rekordvolumen an Emissionen in anderen Währungen als dem USD. Bis zum 26. Juni 2026 entfiel mehr als ein Drittel des gesamten Emissionsvolumens der Hyperscaler von rund 170 Mrd. USD auf solche Transaktionen (siehe Abbildung 3). 

Abbildung 3: Year-to-date hyperscalers’ bond issuance by currency in 2026 (US$ billion)

  USD EUR CAD CHF GBP JPY
Alphabet 20.0 9.0 8.5 3.1 5.5 576.5
Amazon 37.0 14.5 14.0 2.8 - -
META 25.0 - - - - -
Oracle 25.0 - - - - -
Microsoft - - - - - -

Note: We have excluded the recent jumbo fund-raising by Nvidia and SpaceX (US$25bn across several tranches each), who are typically not grouped together with the above-mentioned hyperscalers as their capital spending covers a broad range of other activities.

Source: Aviva Investors, Bloomberg, company announcements, as of June 26, 2026.

 

So platzierte Alphabet erstmals eine mehrtranchige Anleiheemission in CAD in Höhe von 8,5 Mrd. CAD mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Im Anschluss daran begab auch Amazon im Juni seine erste Anleihe in CAD – ein Emissionsvolumen von 14 Mrd. CAD, aufgeteilt auf fünf Tranchen. Diese Transaktionen folgten auf die gemeinsamen Emissionen der Unternehmen in Schweizer Franken (5,9 Mrd. CHF) und Euro (23,5 Mrd. EUR) sowie auf die von Alphabet begebenen Anleihen in Pfund Sterling (5,5 Mrd. GBP) und Japanischen Yen (576,5 Mrd. JPY). 

Der Eintritt dieser Emittenten in die jeweiligen Anleihemärkte eröffnet lokalen Anlegern am Anleihemarkt sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Einerseits ermöglicht die Ausweitung des Emittentenspektrums es Portfoliomanagern, der starken Nachfrage inländischer Investoren nach hochwertigen, auf die Heimatwährung lautenden Anleihen besser gerecht zu werden. Andererseits wirft das erhebliche Volumen dieser Emissionen Fragen hinsichtlich der Portfoliokonzentration auf. 

Alphabet und Amazon lassen sich inzwischen kaum noch ignorieren.

Zum Beispiel entfallen im CAD-Anleihemarkt auf Alphabet und Amazon inzwischen – gemessen am ausstehenden Nominalvolumen – rund 3% des gesamten Investment-Grade-Unternehmensanleihemarktes, einschließlich Anleihen von Finanzinstituten.4 Am CHF-Anleihemarkt liegt ihr gemeinsamer Anteil bereits bei über 4%.5 Damit werden diese Emittenten für Anleger in lokalen Rentenmärkten zunehmend unverzichtbar – selbst für Anleger, die dem übergeordneten KI-Thema eher zurückhaltend gegenüberstehen.

Die Märkte differenzieren zudem zunehmend zwischen den Unternehmen – je nachdem, wie erfolgreich sie operativ abschneiden und auf welche Weise sie ihr Wachstum finanzieren.

Warum operative Fortschritte und Finanzierungspläne von Bedeutung sind 

Alphabet kündigte kürzlich ein Eigenkapitalaufnahmeprogramm in Höhe von 84,75 Mrd. USD an, nachdem dieses zuvor von 80 Mrd. USD aufgestockt worden war. Rund die Hälfte dieses Volumens steht im Rahmen des At-the-Market-Programms (ATM) noch zur Verfügung.6 Oracle wiederum gab nach der Emission obligatorisch wandelbarer Vorzugsaktien in Höhe von 5 Mrd. USD zu Beginn dieses Jahres bekannt, für 2026 ein zusätzliches ATM-Programm über 20 Mrd. USD zu planen. Amazon und Meta haben dagegen bislang vor allem auf die Fremdkapitalmärkte zurückgegriffen. Microsoft hielt sich vergleichsweise zurück und platzierte in den vergangenen Jahren keine größere neue Anleiheemission am Markt.

Auch die Bewertungen der Anleihen dieser großen Marktteilnehmer haben sich deutlich auseinanderentwickelt. Darin spiegeln sich die unterschiedlichen Einschätzungen ihrer jeweiligen Position im KI-Wettlauf wider. 

Die Bewertungen von Anleihen haben sich zunehmend auseinanderentwickelt und spiegeln die unterschiedliche Einschätzung der relativen Wettbewerbsposition der Unternehmen im KI-Wettlauf wider.

So haben sich beispielsweise die Risikoaufschläge von Meta-Anleihen gegenüber vergleichbaren Emittenten erheblich ausgeweitet. Investoren zeigen sich zunehmend besorgt über die hohen Investitionsausgaben, das weniger diversifizierte Geschäftsmodell und die größere Unsicherheit hinsichtlich der Monetarisierung von KI. Trotz eines Bonitätratings von AA− werden länger laufende Meta-Anleihen derzeit auf einem ähnlichen Niveau wie zahlreiche Unternehmensanleihen mit BBB-Rating gehandelt.

Die Finanzierung des Ausbaus der KI-Infrastruktur beschränkt sich jedoch nicht auf Hyperscaler. Auch sogenannte Neocloud-Anbieter – spezialisierte Cloud-Unternehmen, die sich gezielt auf KI-bezogene Workloads konzentrieren (wie CoreWeave) sind aktive Marktteilnehmer. Zugleich ist der Markt für besicherte Anleiheemissionen zur Finanzierung von Rechenzentrumsprojekten sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Segment stark gewachsen. Seit der erstmaligen Transaktion von Meta im Oktober 2025 dürfte das Emissionsvolumen in diesem Bereich inzwischen nahezu 100 Mrd. USD erreicht haben. Investoren müssen daher Bau- und Konzentrationsrisiken sorgfältig bewerten und gegeneinander abwägen. Zusätzlich sind die Bonität der Mieter sowie die konkreten Bedingungen der jeweiligen Mietverträge zu berücksichtigen.

Während sich die KI-Landschaft weiterentwickelt – und ihre künftige Entwicklung vermutlich selbst die Prognosefähigkeit der fortschrittlichsten Large Language Models (LLMs) übersteigt –, dürfte sie aktiven Anleiheinvestoren, die diesen Bereich zunehmend (hyper-) fokussiert beobachten, erhebliche Chancen bieten. 

Quellen

  1. Mehrjährige Kundenverträge über Cloud- und KI-Dienstleistungen, deren Erlöse bislang noch nicht als Umsatz erfasst wurde.
  2. Remaining Performance Obligations (RPOs) – eine Kennzahl für den vertraglich gesicherten Auftragsbestand – bezeichnen vertraglich zugesicherte, jedoch noch nicht als Umsatz erfasste Erlöse. Hierzu zählen sowohl bereits fakturierte, aber noch nicht realisierte Umsätze als auch noch nicht fakturierte Umsätze.
  3. Frontier AI Labs entwickeln die jeweils fortschrittlichsten universell einsetzbaren KI-Modelle. Diese Systeme sind in der Lage, komplexe Aufgaben zu bewältigen, logische Schlussfolgerungen zu ziehen, unterschiedliche Informationsarten zu verarbeiten und auch zunehmend eigenständig zu handeln.
  4. Bloomberg, Stand: 2. Juli 2026 Es sei darauf hingewiesen, dass gemessen am Marktwert – und bezogen auf den breiteren FTSE Canada Universe Bond Index, der neben Unternehmensanleihen auch Anleihen von anderen Emittenten umfasst – auf Amazon und Alphabet zusammen lediglich rund 0,84 % des Index entfallen.
  5. Bloomberg, Stand: 2. Juli 2026
  6. Ein At-the-Market-Programm (ATM) ermöglicht es einem Unternehmen, fortlaufend neue Aktien zum jeweils aktuellen Kurs direkt am Markt zu verkaufen.

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