House View Q2 2026 Webcast
Werfen Sie mit uns einen Blick auf die zentralen Themen, welche die Entwicklung an den globalen Märkte aus unserer Sicht in den nächsten Monaten prägen werden – und damit auch auf die Frage, welche Gefahren von Geopolitik, Inflationsdruck, wirtschaftlicher Fragmentierung und Marktrotation derzeit für resilientes Wachstum ausgehen.
Der große Rahmen
Im Nebel einen klaren Blick behalten: Veränderte Wachstumsdynamik und Inflationsrisiken
Der Konflikt im Nahen Osten und der daraus resultierende sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise hat sich wie ein Nebel über die Weltwirtschaft gelegt. Die kurzfristigen Inflationsrisiken sind gestiegen, während sich die Aussichten für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal sowie im weiteren Verlauf des Jahres 2026 eingetrübt haben.
In unserem zentralen Szenario gehen wir von einem Preisanstieg von ca. 30 Prozent bei Öl und ca. 60 Prozent bei Erdgas in Europa gegenüber dem bisher erwarteten Niveau aus. Dies dürfte einen von Land zu Land unterschiedlich starken Effekt auf die Gesamtinflation von etwa ein bis zwei Basispunkte haben. Der Euroraum und Großbritannien werden voraussichtlich stärker davon betroffen sein.
Vor diesem Hintergrund dürfte sich das globale Wachstum im Jahr 2026 auf etwa 2,75 Prozent verlangsamen. Die größten Wachstumsdellen sind in von Energieimporten abhängigen Regionen und Ländern wie der Eurozone, Großbritannien, Japan, China und Indien zu erwarten.
Wenngleich die Zentralbanken den Schock zunächst als kurzfristiges Phänomen einstufen, besteht doch das Risiko, dass Zinssenkungen bei anhaltender Inflation erst verspätet kommen oder ganz auf Eis gelegt werden. Wir rechnen aktuell mit Zinserhöhungen bei der EZB und gehen in einem Negativszenario hoher Ölpreise auch von einer Straffung der Zinszügel bei BoE und Fed aus.
Abbildung 1: Scenarios for Brent crude oil prices (USD)
Source: Aviva Investors, Macrobond as at 20 March 2026.
Was hat dies für Implikationen für die Asset-Allokation?
Aktien
Trotz größerer geopolitischer Unsicherheit infolge des Konflikts ist der Ausblick für Aktien nach wie vor weitgehend positiv, wenn auch nicht mehr ganz so positiv wie bisher. Die Marktreaktionen hielten sich bisher in Grenzen, ist das Kursniveau doch mit soliden Gewinnen der Unternehmen unterfüttert.
Im Regionenvergleich favorisieren wir die USA, Japan und Schwellenländer, wo die Wachstumsaussichten nach wie vor relativ intakt sind. Europa erscheint dabei weniger attraktiv.
Abbildung 2: Tactical Asset Allocation View - Equities
Note: The weights in the asset allocation table only apply to a model portfolio without mandate constraints. Our House View asset allocation provides a comprehensive and forward-looking framework for discussion among the investment teams.
For illustrative purposes only.
Source: Aviva Investors as at 20 March 2026.
Staatsanleihen
Der Energiepreisschock hat gegenläufige Effekte bei Staatsanleihen. Steigende Inflation führt in der Regel zu einem Renditeanstieg, während bei schwächerem Wirtschaftswachstum die Nachfrage nach sichereren Anlagen steigt. Aus diesen gegenläufigen Entwicklungen ergibt sich unter dem Strich eine neutrale Haltung bei der Duration. Dabei steht jedoch die Erwartung im Raum, dass die Renditekurven steiler werden könnten, wenn die Anleger längerfristige fiskalische Belastungen einpreisen.
Abbildung 3: Tactical Asset Allocation View – Government bonds
Note: The weights in the asset allocation table only apply to a model portfolio without mandate constraints. Our House View asset allocation provides a comprehensive and forward-looking framework for discussion among the investment teams.
For illustrative purposes only.
Source: Aviva Investors as at 20 March 2026.
Unternehmensanleihen
Der Ausblick für Unternehmensanleihen ist weniger optimistisch. Trotz erhöhter Unsicherheit sind die Spreads relativ eng, Anleger bekommen also keinen hinreichenden Ausgleich für steigende Risiken. Angesichts eines hohen Durations- wie auch eines hohen Spreadrisikos erscheint das Risiko/Rendite-Profil unattraktiv. Vor diesem Hintergrund setzen wir auf einen Untergewichtung von Unternehmensanleihen, insbesondere am unteren Rand des Qualitätsspektrums.
Abbildung 4: Tactical Asset Allocation View – Credit
Note: The weights in the asset allocation table only apply to a model portfolio without mandate constraints. Our House View asset allocation provides a comprehensive and forward-looking framework for discussion among the investment teams.
For illustrative purposes only.
Source: Aviva Investors as at 20 March 2026.
Die vier wichtigsten Anlagethemen
1. Resilientes Wachstum gefährdet
Anfang 2026 waren wir von einer moderaten Wachstumsbeschleunigung ausgegangen. Von niedrigeren Zinsen versprachen wir uns einen Positiveffekt bei Wohnungsbau und Investitionen, mit einem zusätzlichen stimulierenden Effekt durch Ausgaben für KI-Infrastruktur und fiskalpolitische Impulse.
Doch dieses Bild eines resilienten Wachstums bekommt infolge von Zöllen, Protektionismus, fragmentierten Lieferketten, politischen Risiken und einer angespannten Lage am Arbeitsmarkt nun erste Risse. Angesichts enger Spreads und hoher Aktienkurse bleibt die Lage an den Finanzmärkten fragil, insbesondere in Anbetracht der geopolitischen Spannungen und der Gefahr höherer Ölpreise. Alles in allem sehen wir eine globale Wachstumsbelebung nun erst im Jahr 2027.
Abbildung 5: Improved growth forecasts have not yet reflected an energy disruption
Source: Aviva Investors, Bloomberg, Macrobond as at 20 March 2026.
2. Neuer Inflationsdruck
Die Inflation war zu Jahresbeginn auf das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbanken gesunken. Damit war in vielen G10-Staaten der Weg frei für Zinssenkungen. Der Konflikt hat nun jedoch nicht nur für einen Preisschub bei Energie gesorgt, sondern lässt auch Lieferengpässe und damit Preissteigerungen bei chemischen Erzeugnissen und Düngemitteln befürchten. Auf kurze Sicht ist mit einem Anstieg der Verbraucherpreisindizes zu rechnen, und die Gefahr eines disruptiveren Angebotsschocks kann die Gesamtinflation spürbar in die Höhe treiben.
Gleichzeitig erhöht sich durch den KI-Boom die Nachfrage nach Halbleitern, Energie und Infrastruktur und er trägt damit ebenfalls zu steigenden Kosten in manchen Bereichen bei. Die Energieabhängigkeit in Europa und Asien in Kombination mit einem höheren Anteil von Lebensmitteln und Energie in den inflationsrelevanten Warenkörben in Schwellenländern verstärkt die Inflationsrisiken in diesen Regionen. Wenn infolge des Energiepreisschocks die Inflationserwartungen oder Löhne auf breiterer Front steigen, könnten die Zentralbanken Zinssenkungen später oder nur noch in begrenztem Umfang vornehmen.
Abbildung 6: CPI inflation weights for food and energy
Source: IEA, Macrobond, Aviva Investors as at 20 March 2026.
3. Fragmentierung der Finanzmärkte und der Weltwirtschaft
Die Vision eines geeinigten globalen Systems nach dem Ende des Kalten Krieges hat mit wachsenden geopolitischen Spannungen an Strahlkraft verloren. Diese Spannungen führen zu einer selektiven Entkoppelung von Volkswirtschaften und Sektoren, insbesondere bei Technologie und strategischen Ressourcen. Die internationale regelbasierte Ordnung, die einst die Grundlage für die Globalisierung und integrierte Lieferketten bildete, bröckelt. Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WHO) verlieren an Gewicht, und in der breiter angelegten multilateralen Kooperation wird das Eis immer dünner.
Stattdessen bilden sich kleinere Allianzen gleichgesinnter Länder. Diese Fragmentierung könnte zu höheren Verteidigungsausgaben, Rohstoff-Nationalismus, Restriktionen in der Nutzung von Technologien und doppelgleisigen Lieferketten führen, da der Primat der Sicherheit zu Lasten der Effizienz geht. Aus Anlegersicht könnte eine weniger kalkulierbare und stärker regionalisierte Weltwirtschaft die Volatilität an den Märkten verstärken und den Kapitalströmen eine neue Richtung geben.
Abbildung 7: Inflation expectations have reacted to the energy disruptions
Source: Aviva Investors, Bloomberg, Macrobond as at 20 March 2026.
4. Marktrotation
Die Marktrotation ist Ausdruck des Stimmungsumschwungs in Anlegerkreisen. Veränderungen in der Anzahl ausstehender Wertpapiere spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Die aktuelle Entwicklung steht im Zeichen einer Umorientierung von den Gewinnen mit einer Handvoll führender Technologieaktien auf eine breiter gefasste Marktspitze, insbesondere in zyklischen Sektoren wie Industrie und Grundstoffe. Diese Sektoren profitieren von steigenden Investitionen in Zusammenhang mit KI-Infrastruktur, Energiewende, Verteidigungsausgaben und Versorgungssicherheit.
Während die Bewertungen im Technologiesektor schon großen Optimismus widerspiegeln, stehen zyklische Aktien nach einer Phase schwacher Gewinne am Beginn eines neuen Gewinnzyklus. Ein großes Risiko für diese Rotation wäre ein länger andauernder Energiepreisschock, der zu steigenden Kosten und sinkender Nachfrage führen könnte. In einer regionalen Betrachtung favorisieren wir nach wie vor die USA, sehen jedoch auch Japan und die Schwellenländer weiterhin in einer starken Position.
Abbildung 8: Equity market performance has broadened out beyond tech stocks
Source: Aviva Investors, Bloomberg, Macrobond as at 20 March 2026.
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House View Q2 2026
Der Konflikt im Nahen Osten und der daraus resultierende sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise hat sich wie ein Nebel über die Weltwirtschaft gelegt. Die kurzfristigen Inflationsrisiken sind gestiegen, während sich die Aussichten für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal sowie im weiteren Verlauf des Jahres 2026 eingetrübt haben. Für weitere Informationen unseren neuesten House View herunterladen
Über House View
Das House View-Dokument von Aviva Investors ist eine umfassende Zusammenstellung von Ansichten und Analysen der wichtigsten Anlageteams.
Das Dokument wird vierteljährlich von den Anlageexperten von Aviva Investors erstellt und vom Investment Strategy Team überwacht. Zweimal jährlich halten wir ein House View Forum ab, bei dem die wichtigsten Themen und Argumente vorgestellt, diskutiert und erörtert werden. Die Genese des House View ist ein Gemeinschaftsprojekt - allen Beteiligten sind die Schlüsselthemen und die wichtigsten Aspekte der Prognose bekannt. Jeder hat das Recht, sich zu beteiligen, und alle werden dazu ermuntert. Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich alle Teilnehmer grundlegend mit den Gedankengängen der anderen Teilnehmer auseinandersetzen und zwischen den Teams ein breiter Konsens über die wichtigsten Aspekte des Berichts erreicht werden kann.
Das House View-Dokument dient vor allem zwei Zwecken: Erstens bietet seine Ausarbeitung einen umfassenden und zukunftsweisenden Rahmen für die Diskussion zwischen den Anlageteams. Zweitens bietet es uns die Möglichkeit, unsere Gedanken zu teilen und den Betroffenen die Gründe für unsere wirtschaftlichen Ansichten und Anlageentscheidungen zu erklären.
Nicht jeder wird mit allen Annahmen und Schlussfolgerungen einverstanden sein. Niemand kann die Zukunft hundertprozentig vorhersagen. Der Inhalt dieses Berichts stellt jedoch die beste kollektive Beurteilung des aktuellen und zukünftigen Anlageumfelds durch Aviva Investors dar.
House View-Autoren
Michael Grady
Head of Investment Strategy and Chief Economist
David Hedalen
Head of Private Markets Research
Joao Toniato
Head of Global Equity Strategy
David Nowakowski
Senior Strategist, Multi-Asset & Macro
Vasileios Gkionakis
Senior Economist & Strategist
Alex Scholefield
Multi-Asset Strategist
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