Der anhaltende KI-Boom am Aktienmarkt stellt viele aktiv verwaltete Strategien vor Herausforderungen. In diesem Beitrag erläutern die Manager der Global Equity Income von Aviva Investors, wie sie die Anlageprozesse in Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen in einigen Punkten optimiert haben.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:
- Warum der KI-Boom aktive Aktienstrategien vor Herausforderungen stellt
- Warum Income-Strategien nach wie vor attraktiv sind und wie die Manager der Strategie den Anlageprozess optimiert haben
- Warum Global Equity Income-Strategien eine gute Ergänzung zu anderen beliebten Strategien wie Quality Growth sein können
Der anhaltende Investitionsboom im Bereich künstliche Intelligenz (KI) sorgte in den letzten Monaten für einen Höhenflug an den internationalen Aktienmärkten, die von Rekordhoch zu Rekordhoch eilten. Aktive Manager von Global Equity-Strategien hatten in diesem Zeitraum indes alles andere als leichtes Spiel.
Kaum jemals ging eine so dynamische Rallye an den Märkten einher mit einer so starken Streuung. Ausgeprägte Diskrepanzen gab es nicht nur zwischen verschiedenen globalen Märkten, sondern auch innerhalb einzelner Indizes, Sektoren und sogar Teilsektoren.
So hat die Differenz zwischen der Volatilität des US-amerikanischen S&P 500 und der durchschnittlichen Volatilität der Bestandteile dieses Referenzindex inzwischen extreme Werte erreicht. 1 Dies ist eine direkte Folge des KI-Booms.
Im bisherigen Jahresverlauf entfallen mehr als 70 Prozent der Kurszuwächse an den internationalen Märkten auf die drei führenden Segmente des Technologiesektors (Halbleiter, Hardware und Elektronikausrüstung).
Doch auch wenn sich das Universum an Aktien, die von dem KI-Boom profitieren, konstant ausgeweitet hat, sind die Aktien vieler anderer Unternehmen abgesackt, da Anleger eifrig darum bemüht sind, nicht nur die Gewinner, sondern auch die potenziellen Verlierer zu identifizieren.
Sogar manche Segmente des Technologieuniversums werden mittlerweile auf der Verliererseite gesehen. So sind viele Software-Unternehmen und IT-Dienstleister stark unter Druck geraten.
Besonders problematisch ist der KI-Hype für Value-Anleger, aber auch Anleger in Equity Income-Strategien stehen damit vor Herausforderungen. Diese favorisieren naturgemäß Dividenden ausschüttende Unternehmen. Dabei handelt es sich tendenziell um reifere Unternehmen, die oft als defensive Investments gelten.
In dem Run auf Aktien von Unternehmen, die im Zuge des KI-Booms wachsende Gewinne verzeichnen oder bei denen dadurch zumindest Aussicht auf Gewinnwachstum besteht, werden etabliertere Unternehmen, die bereits hohe Dividenden ausschütten, oder sogar Unternehmen mit attraktivem Dividendenwachstum tendenziell übersehen.
Schwierige Zeiten für Income Investing
Dies hat nicht nur die Wertentwicklung der Global Equity Income-Strategie von Aviva Investors in den vergangenen 12 Monaten belastet. Bei den meisten Wettbewerbern in diesem Segment bietet sich ein ähnliches Bild.
Da die Strategie auf die Absicherung gegen Kursverluste bei fallenden Märkten ausgerichtet ist, schneidet sie bei einer starken Rallye, wie wir sie in dieser Phase erlebt haben, schlechter ab als der breite Markt.
Eines der beiden Hauptziele der Strategie ist es, auf annualisierter Basis ein Plus von 25 Prozent an laufenden Erträgen gegenüber dem breiter gefassten Markt zu erzielen. Dahinter steht die Überlegung, dass Dividenden und Dividendenwachstum die beiden wichtigsten Faktoren für die langfristige Entwicklung der realen Renditen an den Aktienmärkten sind.
Trotz ihres durchaus beträchtlichen Exposures in Bezug auf führende Technologieunternehmen wie die Google-Mutter Alphabet, Microsoft und das Halbleiterunternehmen Broadcom ist sie in ihrer Gesamtheit doch untergewichtet in den Branchenriesen des US-Technologiesektors.
Dies ist dadurch bedingt, dass es ihr praktisch unmöglich ist, in Unternehmen wie Amazon und Tesla zu investieren, da diese keine Dividende ausschütten. Auch relativ dividendenschwache Unternehmen wie Nvidia werden tendenziell untergewichtet.
Aus Sicht der Manager gibt es attraktivere Möglichkeiten, um von dem Investitionsboom bei KI zu profitieren, indem man beispielsweise in Unternehmen auf nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette investiert, die eine höhere Dividendenrendite oder die Aussicht auf starkes Dividendenwachstum zu bieten haben.
Beispiele für diese Kategorie von Unternehmen sind neben Broadcom auch der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC und das europäische Industrieunternehmen Schneider Electric, das Komponenten und Systeme für die elektrische Infrastruktur von Datenzentren produziert.
Wenngleich die Strategie nach wie vor eine solide langfristige Erfolgsbilanz bei der Absicherung gegen Kursverluste an fallenden Märkten vorzuweisen hat, muss man doch einräumen, dass die Wertentwicklung in den letzten Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, auch während der kurzen Verkaufswelle Anfang des Jahres nach den US-Angriffen auf den Iran.
Optimierung der Anlageprozesse
Trotz dieser enttäuschenden Entwicklung sehen wir diese Phase als Ausreißer, der die langfristig erfolgreiche Absicherung gegen Abwärtsrisiken an Märkten unter Verkaufsdruck mit dieser Strategie nicht stark schmälert.
Abbildung 1: Strong track record in providing drawdown protection
| Reasons for sell off | Start date | End date | AI Global | MSCI ACWI index | Relative performance |
|---|---|---|---|---|---|
| Oil price sell off | 08/09/2014 | 16/10/2014 | -7.31% | -8.46% | +1.15% |
| China growth concerns | 31/12/2015 | 11/02/2016 | -7.66% | -9.69% | +1.98% |
| Global inflation concerns | 26/01/2018 | 08/02/2018 | -3.62% | -7.07% | +3.38% |
| Tech sell off/US-China trade war | 03/10/2018 | 25/12/2018 | -11.56% | -14.33% | +2.71% |
| COVID-19 | 19/02/2020 | 20/03/2020 | -22.79% | -23.76% | +0.87% |
| Ukraine-Russia conflict | 04/01/2022 | 16/06/2022 | -9.55% | -14.82% | +4.82% |
| “Higher for longer” interest rates | 31/07/2023 | 27/10/2023 | -2.12% | -5.30% | +3.00% |
| Global stock market sell off | 11/07/2024 | 05/08/2024 | -2.67% | -7.04% | +4.06% |
| Trump tariffs | 23/01/2025 | 08/04/2025 | -11.83% | -17.33% | +5.54% |
| Iran War | 01/03/2026 | 31/03/2026 | -8.77% | -7.20% | -1.57% |
Past performance is not a reliable indicator of future performance.
Performance shown gross of fees in USD for a representative account of the Global Equity Income strategy.
The effect of fees would reduce the overall performance.
Source: Bloomberg, Aviva Investors, as at 31 March 2026.
Dennoch haben die Manager in den vergangenen Monaten verschiedene Schritte zur Optimierung ihres Anlageprozesses unternommen, um den Gegebenheiten besser gerecht zu werden.
So hatte sich beispielsweise gezeigt, dass der Global Industry Classification Standard (GICS) , das von Finanzexperten weltweit genutzte allgemeine Branchenraster für eine einheitliche Klassifizierung von Unternehmen nach Sektoren und Teilsektoren, gewisse Mängel aufweist.
Das Ausmaß der Streuung an den Märkten machte deutlich, das der GICS nicht die nötige Granularität für die Analyse bietet, wo die größten Chancen und Risiken liegen.
Das Team hat daher den Prozess um eine zusätzliche Analyseschicht ergänzt. Im Rahmen dieser proprietären Analyse werden Aktien nach gemeinsamen umsatzbestimmenden Faktoren zu sogenannten „Risk Buckets“ gruppiert. In Reaktion auf das dadurch identifizierte unzureichende Exposure in Bezug auf Speicherchip-Unternehmen wurde eine Position in Samsung Group, einem sehr dividendenstarken Unternehmen, aufgebaut.
Auch in seiner geographischen Zusammensetzung war das Portfolio eine gewisse Zeit stärker diversifiziert als die Benchmark. So entfielen auf US-Aktien nur knapp 50 Prozent des Gesamtvermögens im Vergleich zu 67 Prozent beim Referenzindex, was sich ebenfalls negativ auf die Wertentwicklung ausgewirkt hat.
Der spekulative Hype wird sich in Teilen irgendwann abschwächen, auch wenn der KI-getriebene technologische Fortschritt weiterhin die Entwicklung prägen wird
Die Manager kamen zu dem Schluss, dass bei den defensiveren, renditestärkeren Aktien im Portfolio europäische Unternehmen zu stark vertreten waren.
Daher investierten sie in den Softdrink-Hersteller Coca-Cola und den US-Strom- und Gasversorger Public Service Enterprise Group. Insbesondere Coca-Cola kann auf eine beneidenswerte Erfolgsbilanz an Dividendenausschüttungen zurückblicken. Seit 60 Jahren hat das Unternehmen seine Dividende jedes Jahr erhöht.
Die Strategie blieb auch während einer Rallye mit Kurssteigerungen von knapp 40 Prozent nach dem „Liberation Day“ im vergangenen Jahr hinter dem Markt zurück, nachdem US-Präsident Donald Trump bei seinen Zollerhöhungen teilweise wieder zurückgerudert war.
Die Manager reagierten mit einer Erhöhung des Exposures in Bezug auf konjunktursensitivere Aktien, vor allem Banken.
Im historischen Vergleich hatten Banken keinen großen Anteil am Portfolio. Zentraler limitierender Faktor war hier die Unstetigkeit ihrer Dividendenzahlungen. Die Manager haben jedoch nun Investments in drei Banken (in den USA, Europa und Japan) getätigt, bei denen aus ihrer Sicht mit nachhaltigen Dividendenzahlungen zu rechnen ist.
Da derzeit nicht abzusehen ist, wie lange die KI-Euphorie anhält, könnte diese Zweiteilung des Marktes noch eine Weile bestehen bleiben. Der spekulative Hype wird sich in Teilen sicherlich irgendwann wieder legen, auch wenn der KI-getriebene technologische Fortschritt weiterhin die Entwicklung prägen wird.
Risiken unter Kontrolle halten
Je länger die Monomanie anhält, desto größer wird das Risiko für Anleger. Letztlich hat die Konzentration am US-Aktienmarkt infolge der KI-Rallye ein bisher noch nie dagewesenes Niveau erreicht. Von jedem investierten Dollar fließen 39 Cent in nur zehn Unternehmen und damit doppelt soviel Anlagekapital wie im langfristigen Mittel.
Zudem konzentrieren sich neun dieser Aktien in nur einem Sektor, nämlich dem Technologiesektor, wenn auch Alphabet, Amazon, Meta und Tesla diesem zugerechnet werden. Und der Wert der größten sieben Unternehmen übertrifft die gesamte Marktkapitalisierung der größten sieben Länder nach den USA.
Parallel dazu hat sich in den Aktienportfolios mancher Anleger über große Positionen in Quality Growth-Strategien ein Konzentrationsprozess auf immer weniger renditebestimmende Faktoren vollzogen. Diese Strategien haben oft ein ähnliches Profil: Sie setzen auf Unternehmen mit nachhaltigem Wachstumspotenzial, starke Marken, hohe Kapitalrenditen und weisen vielfach Überschneidungen bei Marktführern und Branchenschwerpunkten auf.
Global Equity Income-Strategien können mit einem anderen Weg zum Ziel eine gute Ergänzung für ein Portfolio sein. Der Ansatz bei diesen Strategien basiert auf freiem Cashflow, Dividendenwachstum, nachhaltigen laufenden Erträgen und systematischer Bewertung.
Die globale Income-Strategie von Aviva Investors ist ganz bewusst in drei Income-Kategorien aufgefächert (Mature Yield, Core Yield und Income Growth). So lassen sich Resilienz gegenüber Kursverlusten, Zinseszinseffekt und Partizipation an steigenden Kursen richtig austarieren.
Damit hat sie mehr von einer Core-Anlage als eine klassische Income-Strategie. Erreicht wird dies aber nicht durch zusätzliches Exposure in Bezug auf denselben Quality-Growth- oder Technologie-Mega-Cap-Marktführer-Anlagestil, der bereits im Portfolio vertreten ist.
Vielmehr lassen sich damit die Renditequellen allen institutionellen Aktienportfolios diversifizieren. Mit einer andersartigen Quelle laufender Erträge, Resilienz und Total Return als Pluspunkten sind sie daher potenziell eine gute Ergänzung zu bestehenden Quality Growth-Strategien und breit diversifizierten Positionen an den internationalen Aktienmärkten.
Manche Aktienanleger könnten versucht sein, ihr Portfolio gegen Verlustrisiken abzusichern, nachdem der Wert ihres Portfolios infolge einer anhaltenden Kursrallye an den Aktienmärkten stark gestiegen ist.
Dabei stehen sie allerdings vor dem Dilemma, dass die nächste Phase der Rallye an ihnen vorbeigehen könnte, wenn sie zu früh verkaufen. Verkaufen sie indes zu spät, kann dies hohe Verluste bedeuten. Das Timing starker Marktbewegungen ist bekanntermaßen ein schwieriges Geschäft.
Wer Risiko reduzieren will, muss dazu nicht unbedingt seine Aktienpositionen reduzieren
Wer Risiko reduzieren will, muss dazu jedoch nicht unbedingt seine Aktienpositionen reduzieren. Für Anleger, die Bewertungen kritisch sehen und das Konzentrationsrisiko auf dem Radar haben, gibt es eine Fülle von attraktiv bewerteten Aktien jenseits des Technologiesektors.
Denn obwohl die Bewertungen in manchen Segmenten des globalen Aktienmarktes überzogen scheinen, muss man in anderen Segmenten bei weitem nicht so tief in die Tasche greifen. Dies gilt insbesondere für Aktien mit Dividendenausschüttungen, die bei Anlegern derzeit nicht besonders gefragt sind. Sogar in den USA erscheinen die Bewertungsspielräume bei weitem nicht mehr so stark ausgereizt, wenn man den Technologiesektor ausklammert.
Mit einem Investment in eine Income-Strategie können Anleger sowohl ihr Gesamtengagement am Aktienmarkt stärker diversifizieren als auch die Absicherung gegen Verlustrisiken und die Rendite ihres Portfolios verbessern.
Die bisherige Wertentwicklung ist kein Anhaltspunkt für zukünftige Renditen.
Quelle
- Quelle: Helen Bartholomew, Real money investors cash in as dispersion nears record levels, Risk.net www.risk.net/markets/7963053/real-money-investors-cash-in-as-dispersion-nears-record-levels