AIQ: Beyond climate

Zurück zur Natur

Warum wir jetzt etwas gegen die Biodiversitätskrise tun müssen

Politische Entscheidungsträger, Unternehmen und Finanzinstitute erkennen allmählich die mit dem Biodiversitätsverlust verbundenen Risiken sowie die Chancen, die umweltfreundliche Lösungen bieten.

Dieser Artikel informiert Sie über:

  • die Abhängigkeit der Märkte und Volkswirtschaften von der Umwelt,
  • die Notwendigkeit von politischen Maßnahmen und Marktreformen zur Reduzierung der mit dem Biodiversitätsverlust einhergehenden Risiken,
  • die Gründe, warum koordinierte Maßnahmen von Regierungen, Unternehmen, Investoren, Wissenschaftlern und Umweltorganisationen zu greifen beginnen.

Seit 1970 sind die weltweiten Tierbestände durchschnittlich um 68 Prozent zurückgegangen. Hauptursachen sind die Zerstörung der Lebensräume durch den Menschen, Umweltverschmutzung und der Klimawandel.1 Da zahlreiche Arten schon ganz verschwunden sind, wird diese Entwicklung als das „sechste Massenaussterben“ bezeichnet.

Diese ökologische Tragödie ist auch für die Menschheit ein großes Problem, da wir auf Umweltressourcen angewiesen sind. Wir benötigen Luft zum Atmen, Nahrungsmittel und Trinkwasser. Gesunde Ökosysteme regulieren das Klima und schützen uns vor extremen Wetterereignissen.

Experten schätzen, dass sich derartige „Naturdienstleistungen“ weltweit auf insgesamt 44 Bio. USD bzw. rund 55 Prozent des globalen BIP beziffern lassen.2 Der Zusammenbruch unserer Ökosysteme und der damit einhergehende Rückgang der Ökosystemleistungen hätten daher dramatische wirtschaftliche Verluste zur Folge.

Viele Asset Owner und Vermögensverwalter berücksichtigen in ihren Portfolios zwar inzwischen das Klimarisiko, doch die gravierenden Auswirkungen des Biodiversitätsverlusts dringen erst jetzt ins Bewusstsein. Einige Investoren versuchen sich nun daran, den mit der Umweltzerstörung verbundenen Gefahren zu begegnen, und erkennen die Chancen, die nachhaltige Alternativen bieten.

Die Zusammenhänge

Die Biodiversität basiert auf einem komplexen – und oft überraschenden – Beziehungsgefüge zwischen Tieren, Pflanzen und Umwelt. Diese diffizile Dynamik wird durch den Menschen radikal gestört.

„Die Ausbeutung der Natur hat zu einem starken weltweiten BIP-Wachstum geführt, wird jedoch längerfristig negative wirtschaftliche Auswirkungen haben, da wir auf diese Weise unsere Lebensgrundlage zerstören“, erklärt Julie Zhuang, Portfoliomanagerin der Natural Capital Transition-Strategie von Aviva Investors.

Abbildung 1: Weltweites Pro-Kopf-Vermögen, 1992-2014
Weltweites Pro-Kopf-Vermögen, 1992-2014
Quelle: „The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review“, Februar 20213

COVID-19 hat nicht nur die enge Verbindung zwischen dem menschlichen Leben und der Tierwelt aufgezeigt, wird doch angenommen, dass das Virus vom Schuppentier oder der Fledermaus auf den Menschen übertragen und damit die Artenbarriere durch den Verlust von Lebensräumen durchbrochen wurde. Auch die Abhängigkeiten zwischen den globalen Märkten und den Lieferketten wurden durch die Coronakrise verdeutlicht. Es ist durchaus möglich, dass schon bald andere naturbezogene Risiken nach ähnlichem Muster von einem Land zum anderen überschwappen.

Hauptursache für den fortschreitenden Rückgang der biologischen Vielfalt ist die Landwirtschaft. Der Sektor trägt die Verantwortung für 80 Prozent der weltweiten Entwaldung, 29 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen und bis zu 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs auf der Erde.4

Gleichzeitig zerstört der Energiesektor Ökosysteme und beschleunigt durch Rohbrennstoffe den Klimawandel, der auf längere Sicht die größte Gefahr für die Tier- und Pflanzenwelt darstellt.

Aufgrund staatlicher Regulierung und des zunehmenden Drucks durch die Verbraucher haben viele am Klimawandel beteiligte Unternehmen begonnen, im Rahmen ihrer Geschäftsaktivitäten CO2-Emissionen einzusparen. Aus gesellschaftlichen, logistischen und wirtschaftlichen Gründen machen Unternehmen, die der Biodiversität schaden, hier langsamere Fortschritte.

Politik, Anreize und Kapitalströme

Genauso wie mit dem Pariser Klimaschutzabkommen durch eine koordinierte Reduzierung der CO2-Emissionen angestrebt wird, die globale Erwärmung zu begrenzen, versuchen die politischen Entscheidungsträger nun, den Trend der schwindenden biologischen Vielfalt durch verschiedenste Maßnahmen umzukehren („bending the curve“).

Auf der Biodiversitätskonferenz COP15 bekundeten über 100 Staaten ihre Absicht, sich durch transformative Maßnahmen verstärkt für die Umwelt einzusetzen

Im Oktober 2021 fand der erste Teil der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP15) im chinesischen Kunming statt. Die Delegierten diskutierten die Einzelheiten des „Biodiversitätsrahmens für die Zeit nach 2020“ (Post-2020 Biodiversity Framework), eines internationalen Aktionsplans zur Bewältigung der Krise. Das Ergebnis war die Verabschiedung der Erklärung von Kunming, in der mehr als 100 Staaten ihre Absicht bekundeten, sich durch transformative Maßnahmen verstärkt für die Umwelt einzusetzen, unter anderem durch mehr Schutzgebiete für wild lebende Tiere und Pflanzen sowie neue Mechanismen für die Überwachung des Biodiversitätsverlusts, die Berichterstattung und Überprüfung.

Obgleich die Erklärung von Kunming die Entschlossenheit der Politik demonstriert, muss doch konstatiert werden, dass die Regierungen zuvor Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt verfehlt haben. Beispielsweise wurde keines der 20 Aichi-Ziele erreicht, die zum Schutz der Biodiversität im Jahr 2010 verabschiedet wurden und bis 2020 realisiert werden sollten.

Wichtig ist jedoch, dass das Übereinkommen finanziellen und wirtschaftlichen Anreizen beim Kampf gegen die Ausbeutung der Umwelt nun mehr Bedeutung beimisst. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr weitere 800 Mrd. USD benötigt, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen.5 Zwingende Voraussetzung zur Finanzierung dieses Bedarfs ist gemäß dem Post-2020 Framework, dass Kapitalströme nicht mehr in umweltschädliche Bereiche, sondern in Aktivitäten mit positiver Umweltwirkung fließen.

Regierungen könnten statt der Subventionierung der Intensivlandwirtschaft wirtschaftliche Anreize für Formen der regenerativen und Präzisionslandwirtschaft geben. Diese haben das Potenzial, die Auswirkungen auf die Flächen zu reduzieren, die biologische Vielfalt zu schützen, die Bodenqualität zu verbessern und die Erträge zu steigern.

Auch im Finanzierungsbereich sind Reformen wichtig, um die Finanzmittelflüsse an der Biodiversitätspolitik auszurichten. 2019 investierten die weltweit größten Banken über 2,6 Bio. USD in Sektoren, die zu den Hauptverursachern des Biodiversitätsverlusts zählen. Die Initiative Portfolio Earth, die diese Studie durchgeführt hat, fordert von den Behörden, Regelungen für die Haftung bei Schädigungen der biologischen Vielfalt zu erarbeiten und Finanzinstitute zu zwingen, Auswirkungen auf die Biodiversität sowie das Biodiversitätsrisiko in Stresstest-Szenarien offenzulegen.6

„Anleger können bei makroökonomischen Themen auf die politischen Entscheidungsträger Druck ausüben, da der Markt manche Probleme nicht ohne Unterstützung lösen kann“, bemerkt Jonathan Toub, Portfoliomanager der Natural Capital Transition-Strategie von Aviva Investors. „Zwischenstaatliche Gespräche auf hoher Ebene werden dazu beitragen, dass ein einheitliches Rahmenwerk für alle Unternehmen entsteht. Unser Ziel ist es, bessere Umweltschutzstandards durchzusetzen.”

Investitionen in naturverträglichen Wandel

Genauso wie der Klimawandel ist auch der Biodiversitätsverlust aus Anlegersicht mit physischen Risiken verbunden. Hierzu zählen direkte Schäden an Vermögenswerten oder der Verlust von Ökosystemleistungen, die für den Wert der Unternehmen, in die sie investieren, essenziell sein können. Darüber hinaus bestehen beim Übergang zu einer umweltfreundlichen Wirtschaft Haftungs- und Transitionsrisiken aufgrund sich ändernder Gesetze, Maßnahmen oder Verhaltensweisen der Verbraucher.

Doch die Risikominderung ist nicht der einzige wichtige Grund für Investoren, den Aspekt der Biodiversität in ihren Strategien zu berücksichtigen. Nach Schätzungen des Weltwirtschaftsforums (WEF) können durch den Übergang zu einer nachhaltigen Entwicklung bis 2030 Geschäftsmöglichkeiten im Wert von über 10 Bio. USD und 395 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen.7 Unternehmen, die auf umweltfreundliche Geschäftsideen und Technologien setzen, könnten in den kommenden Jahren prosperieren.

Der Ausstoß von Kohlendioxid ist zwar (noch) nicht illegal, doch viele umweltschädliche Aktivitäten wie die Verschmutzung von Flüssen oder das Fällen von Bäumen in geschützten Gebieten sind gesetzlich verboten. Anleger können somit anhand der Rechtslage Fehlverhalten erkennen und die verantwortlichen Unternehmen aus ihren Portfolios ausschließen, sofern eine Nachverfolgung der Lieferketten möglich ist.

Diese Informationen lassen sich als Grundlage für strategische Anlageentscheidungen nutzen. Manche Anleger möchten beispielsweise nicht in Unternehmen investieren, die sich wesentlich an der Pestizidproduktion oder der Intensivlandwirtschaft beteiligen oder in umweltbezogene Streitigkeiten involviert sind, und setzen stattdessen lieber auf Firmen, die sich für die Bewältigung der Krise einsetzen und im Übergangsprozess voraussichtlich besser abschneiden werden. Wenn Unternehmen ihre Versprechen nicht einhalten, können sich Anleger bei diesen für Verbesserungen einsetzen oder sich unter Umständen für eine Veräußerung entscheiden.

Julie Zhuang führt in diesem Zusammenhang das Beispiel Adidas an. Als Bekleidungskonzern hat Adidas große Auswirkungen auf die Biodiversität, doch gleichzeitig nimmt das Unternehmen in der Branche in puncto Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein, da die Produkte zu einem hohen Anteil aus nachhaltig gewonnenen Materialien bestehen. Adidas rangiert im Fashion Transparency Index 2020 ziemlich weit oben. Der Index gibt Auskunft über umweltbezogene Komponenten der Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Materialien und die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen.8

Unternehmen aus Bereichen mit positiver Umweltwirkung könnten gute Anlagechancen bieten

Ein weiteres Beispiel ist der Chemiekonzern DSM, der unter anderem einen Futterzusatz entwickelt hat, durch den die Methanemissionen von Rindern um über 30 Prozent reduziert werden.

Abgesehen von diesen Vorreitern auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bieten auch Unternehmen gute Anlagechancen, die in den Bereichen Präzisionslandwirtschaft, nachhaltige Tierernährung, Abwassermanagement, Fleischersatzprodukte, Kreislaufwirtschaft, Plastikvermeidung oder biologisch abbaubare Materialien tätig sind.

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