Wie stark wirken sich Muster in der Meereszirkulation auf Wirtschaftsentwicklung und Länderrisiko aus? Rick Stathers und Carmen Altenkirch beleuchten El Niño, das Wetterphänomen, das die atmosphärische Zirkulation in den Tropen bestimmt und weitreichende Auswirkungen vom BIP über Inflation bis hin zur sozialen Stabilität hat.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit folgenden Themen:

  • Störeffekte von El Niño
  • Das komplexe Wirkungsgefüge, über das El Niño das Wirtschaftswachstum schwächen und inflationäre Tendenzen verstärken kann
  • Wie Anleger das Wissen um diese Zusammenhänge zur Bewertung des Länderrisikos nutzen können 

El Niño ist wieder da.1 Dieses Klimamuster (die Warmphase von El Niño-Southern Oscillation) ist durch die Erwärmung im Pazifischen Ozean gekennzeichnet. Dadurch verändern sich die atmosphärischen Bedingungen in den Tropen mit weitreichenden Auswirkungen.

Wie die Passatwinde wehen, wie viel Regen im indischen Monsun fällt, ob es zu Ernteausfällen oder Einbrüchen beim Fischfang kommt und wie viele Häuser in Kalifornien von Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen werden, sind nur einige wenige Variablen, die betroffen sein könnten.

In diesem Q&A-Beitrag erklären uns Rick Stathers (RS), Climate Lead bei Aviva Investors, und Armen Altenkirch (CA), Emerging Markets Sovereign Analyst, die Auswirkungen dieser Wetteranomalie und erläutern, wie die Kenntnis dieser Zusammenhänge zur Bewertung des Länderrisikos genutzt wird.

Wie viele El Niño-Ereignisse hat es in der jüngeren Vergangenheit gegeben? Welche Effekte müssen dieses Mal berücksichtigt werden? 

RS: Von El Niño-Ereignissen wird lokal schon seit Jahrhunderten berichtet, aber erst seit den 1960er Jahren ist es eine anerkannte Tatsache, dass dieses Phänomen globale Auswirkungen hat. Detaillierte Analysen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen sind noch jüngeren Datums.

In manchen Ländern ist ein direkter und kurzfristiger El Niño-Effekt zu beobachten, in anderen Ländern ein längerfristiger Effekt mit Auswirkungen auf Wachstum, Inflation und soziale Stabilität. Entscheidend ist dabei, wann die Erwärmung der Meere erfolgt und wie sich dies auf atmosphärische Temperatur und Niederschlag auswirkt. In manchen Regionen wird es heißer und trockener, in anderen erheblich nasser (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Typische El Niño-Niederschlagsmuster

Typische El Niño-Niederschlagsmuster

NB: Die dargestellten regionalen und saisonalen Niederschlagsmuster zeigen typische, aber nicht garantierte Effekte.
Quelle: Columbia Climate School International Research Institute for Climate and Society, 2023.
2

Die letzten El Niño-Ereignisse fielen in die Jahre 1972-73, 1982-83, 1997-98 und 2014-16. Der dadurch verursachte finanzielle Schaden kann in die Billionen gehen. So geht man davon aus, dass das Ereignis in den Jahren 1997-1998 das BIP in den Folgejahren um rund 5,7 Bio. USD geschmälert hat.3

Die Auswirkungen könnten dieses Mal enorm sein, da im Ozeansystem sehr viel Energie gespeichert ist. Die Temperatur des Oberflächenwassers bewegt sich bereits auf Rekordniveau (siehe Abbildung 2), was darauf hindeutet, dass noch mehr Energie als Katalysator für Extremereignisse vorhanden ist.

Abbildung 2: Tägliche Durchschnittstemperatur des Ozeanoberflächenwassers zwischen 60° nördlicher und 60° südlicher Breite, 1979-2023 (°C)

Quelle: H. Hersbach, et al., 2023.4

Die Frage ist jetzt, ob wir es mit Blick auf Dauer und Temperaturveränderung dieses Mal mit einem starken El Niño-Ereignis zu tun haben. Davon könnte es abhängen, ob sich 2023 zu einem der bisher wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen entwickelt. Es könnte dadurch zu einer Verstärkung von Klimaeffekten und einem Anstieg der globalen Temperatur über den in der internationalen Politik sehr wichtigen Schwellenwert von 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau kommen.

Was sich im Pazifik abspielt, wird Auswirkungen auf Millionen von Menschen haben, sei es, dass sie Extremwetterereignissen direkt ausgesetzt sind, oder diese über eine Gefährdung der Nahrungsmittelversorgung oder steigende Inflation zu spüren bekommen. Diese Zusammenhänge sind für Versicherer und Asset Manager von großer Bedeutung (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Southern Oscillation Index und weltweite volkswirtschaftliche Kosten in Zusammenhang mit Extremwetterereignissen (in Bio. USD)

NB: SOI: Der Southern Oscillation Index gibt Aufschluss über die Entwicklung und die Intensität von El Niño-Ereignissen im Pazifischen Ozean. Werte unter -7 zeigen El Niño-Ereignisse an.
Quelle: Macrobond, Juli 2023.

Wie beziehen Sie Ihr Wissen in die Beurteilung der Perspektiven für verschiedene Länder ein?

RS: Ein Großteil der El Niño-Effekte trifft die ärmsten Länder der Welt (siehe Abbildung 4) und dort vor allem die unteren Einkommensgruppen und Frauen. Ausmaß und Art der Effekte sind jedoch unterschiedlich. Doch El Niño hat durchaus nicht nur negative Auswirkungen. So verzeichnet Argentinien tendenziell höhere Niederschlagsmengen, was in einem dürregeplagten Land zuversichtlich stimmt. Damit könnte die schreckliche Trockenheit ein Ende haben, die zu massiven Ernteausfällen bei Mais und Sojabohnen geführt hat.5

Indien könnte unter El Niño zu leiden haben, wenn der Monsun weniger Regen bringt

Indien könnte hingegen unter El Niño zu leiden haben, wenn der Monsun weniger Regen bringt. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Indien wird nicht bewässert, sodass in der Folge mit Einbußen bei der Reisernte zu rechnen ist. Research-Ergebnissen der HSBC aus dem Jahr 2014 zufolge könnte eine Verringerung der Niederschlagsmengen um 20 Prozent die Nahrungsmittelpreise in Indien um 2,8 Prozent und den Verbraucherpreisindex um 1,3 Prozent steigen lassen.

Ein Inflationsanstieg dieser Größenordnung könnte das Ziel der Regierung, ihr Programm zu Nahrungsmittelsubventionierung für 800 Millionen Menschen zurückzufahren, in Frage stellen und Auswirkungen auf die Zinsstrategie der Zentralbank haben. Wenn man diese Gedanken weiterspinnt, wird klar, warum Branchen und Unternehmen mit starker Abhängigkeit von der Einkommenssituation der ländlichen Bevölkerung, darunter auch indische Banken und Versicherer, betroffen sein könnten.

Die Gemengelage an Effekten ist in großen Ländern wie China besonders komplex, wo in manchen Landesteilen mit mehr Regen und Überschwemmungen zu rechnen ist und in anderen mit größerer Trockenheit.

Abbildung 4: BIP-Effekt in dem Fünf-Jahres-Zeitraum nach dem El Niño-Ereignis 1997-1998

BIP-Effekt in dem Fünf-Jahres-Zeitraum nach dem El Niño-Ereignis 1997-1998

Quelle: Christopher Callahan und Justin Mankin, 2023.6

Ist es möglich den Preiseffekt bei verschiedenen Rohstoffen zu quantifizieren?

RS: Das ist angesichts lokal und regional jeweils unterschiedlicher Effekte schwierig. So war der Effekt bei der globalen Weizenernte in der Vergangenheit tendenziell weitgehend neutral, da Weizen weltweit angebaut wird. Gleiches gilt für Mais. Die drei größten Maisexporteure, die USA, Brasilien und Argentinien, verzeichnen einen neutralen bis positiven Effekt durch El Niño.

Bei Rohstoffen wie Kakao, Kaffee, Zucker und Palmöl ist der Preiseffekt spürbarer

Bei Rohstoffen wie Kakao, Kaffee, Zucker und Palmöl, die schwerpunktmäßig in den Tropen angebaut werden, ist der Preiseffekt hingegen spürbarer. Auch die Reispreise zeigen steigende Tendenz, insbesondere in Asien.

Berichten zufolge ist dieses Mal das größte Reisdefizit seit 20 Jahren zu verzeichnen.7 Schwere Überschwemmungen haben in Pakistan zu einem Einbruch der Reisproduktion um rund ein Drittel geführt. China, der weltgrößte Reisproduzent, hat hingegen das umgekehrte Problem. Das Land kämpft mit einer Dürre.

Wie könnte sich das auf die Inflation auswirken? 

CA: Diese Problematik könnte stark auf andere Weltregionen ausstrahlen. Prognosen der Europäischen Zentralbank zufolge könnte eine Temperaturerhöhung um ein Prozent während El Niño bei Nahrungsmitteln zu einem Preisanstieg von sechs Prozent über einen Zeitraum von zwölf Monaten führen.8 Schätzungen von Bloomberg zufolge könnte El Niño einen Preisanstieg von 3,9 Prozentpunkten bei Nicht-Energie-Rohstoffen und von 3,5 Prozent bei Öl zur Folge haben.9

Diese Analysen sind jedoch cum grano salis zu interpretieren. Wenn El Niño mit anderen Ereignissen zusammenfällt, beispielsweise Ende der 90er Jahre mit der Finanzkrise in Asien, ist es kaum möglich, den „reinen“ El Niño-Effekt zu ermitteln.

Der Effekt der Nahrungsmittelpreise ist aller Voraussicht nach dort stärker, wo Nahrungsmittel einen größeren Anteil am Verbraucherpreisindex haben. In Südostasien und Teilen Afrikas ist dieser Anteil hoch.

Insgesamt könnte der Inflationseffekt stärker sein als beim letzten „Super El Niño“

Insgesamt könnte der Effekt stärker sein als beim letzten „Super El Niño“. Damals sanken die Düngemittelpreise infolge sinkender Ölpreise, und die Düngemittelpreise spielen eine wichtige Rolle für die globalen Nahrungsmittelpreise. Nachdem sie zuletzt Rekordstände erreicht hatten, sind die Düngemittelpreise zwar wieder gesunken, wenn sie aber nicht noch weiter fallen, könnte das Gegengewicht nicht stark genug sein, um den Preisauftrieb zu bremsen.

Der zweite Faktor ist der Krieg in der Ukraine. Schon vor dem Krieg war die Angebotssituation bei wichtigen Agrarrohstoffen angespannt. Nun wird allem Anschein nach das Schwarzmeer-Getreideabkommen mit Russland nicht verlängert. Das Abkommen erstreckte sich auf knapp zehn Prozent der globalen Maisexporte, vier Prozent der globalen Weizenexporte und zwölf Prozent der Sonnenblumenexporte.

RS: Vor allem aber kommt El Niño zu einem Zeitpunkt, zu dem weltweit bereits hohe Temperaturen herrschen. Besonders in den letzten zwanzig Jahren ist die Durchschnittstemperatur stark angestiegen. In manchen Regionen betrug der Temperaturanstieg in etwa das Doppelte des globalen Durchschnitts.10 In Asien gab es in diesem Jahr bereits extreme Hitzewellen, was die El Niño-Effekte zusätzlich verstärken könnte. Wenn es dazu kommt, könnte 2024 sogar noch heißer werden als 2023.

Wie sieht es mit den Effekten außerhalb des Agrarsektors aus?

CA: El Niño kann auch starke indirekte Auswirkungen auf Branchen wie den Bergbau haben. So könnten überdurchschnittlich starke Niederschläge und Überschwemmungen die Kupferproduktion in Kolumbien beeinträchtigen.

El Niño kann auch starke indirekte Auswirkungen auf Branchen wie den Bergbau haben

Doch auch wesentlich trockenere Witterungsbedingungen können problematisch sein. Geringe Pegelstände im Kariba-Stausee, mit seinen Wasserkraftwerken eine zentrale Energiequelle in Sambia und Simbabwe, haben zu großflächigen Stromausfällen mit erheblichen wirtschaftlichen und fiskalischen Kosten geführt. In Kombination mit dem Corona-Effekt und wirtschaftlichem Missmanagement hat dies zu den jüngsten Ausfällen bei Staatsanleihen beigetragen.

In diesem Jahr sind auch die Auswirkungen der Dürre in Panama zu spüren, wo etwa 3,5 % des Seehandels über den Panamakanal abgewickelt werden.11 Die Kanalbehörde spricht von historisch niedrigen Niederschlagsmengen, was Einschränkungen im Frachtverkehr zur Folge hat.

Wie sieht es mit branchenspezifischen Effekten aus?   

RS: Direkt von El Niño betroffen sind hauptsächlich zwei Sektoren: Versorger, insbesondere in Südamerika, und Nahrungsmittelproduzenten, vor allem Palmölhersteller. Viele andere sind jedoch indirekt betroffen.

Bei den Versorgern ist der Effekt stark von ihrer geografischen Lage abhängig. Einige Versorger stehen bereits jetzt unter Druck, da bei höheren Temperaturen der Stromverbrauch steigt. Es kommt zu Stromausfällen. In Teilen Südamerikas herrscht bereits extreme Wasserknappheit. Uruguay verzeichnet das höchste Wasserdefizit seit über 70 Jahren, und das Hauptwasserreservoir, aus dem die Hauptstadt Montevideo versorgt wird, ist schätzungsweise nur zu etwa sieben Prozent gefüllt. Vor dem Hintergrund, dass Uruguay rund 37 Prozent seines Energiebedarfs mit Wasserkraft deckt, ist dies ein wichtiger Aspekt.

Im Zuge von El Niño sollte es im südlichen Teil von Südamerika mehr regnen und sich auch die Situation in Uruguay, Chile und Argentinien etwas entspannen

Im Zuge von El Niño sollte es im südlichen Teil von Südamerika mehr regnen und sich damit die Situation in Uruguay, Chile und Argentinien etwas entspannen. Da es im Norden Brasiliens in letzter Zeit relativ feucht war, könnte diese Region gegen die Verringerung der Niederschlagsmengen etwas abgeschirmt sein.

Was Nahrungsmittel anbelangt, sind wir uns des Risikos für Palmölproduzenten aufgrund der geografisch begrenzten Anbauflächen dieses Agrarrohstoffs bewusst. Palmöl ist in vielen verpackten Produkten in den Supermärkten enthalten, von verarbeiteten Lebensmitteln wie Pizza bis hin zu Lippenstift, Shampoo und Zahnpasta. Ob für das einzelne Unternehmen ein wesentliches Risiko besteht, hängt von der Diversifizierung seines Rohstoffrisikos und dem Grad an vertikaler Integration ab. Wir rechnen auch mit Preisschwankungen bei Kaffee, Kakao und Zucker, die Auswirkungen auf in der Wertschöpfungskette nachgelagerte Unternehmen haben könnten. 

Wie nutzen Sie das Wissen um diese Zusammenhänge in der Bewertung des Länderrisikos?

CA: Wir haben unseren eigenen El Niño-Vulnerabilitätsindex entwickelt. Den Ausgangspunkt bildet dabei der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) 2015 entwickelte Rahmen zur Bewertung des El Niño-Länderrisikos, mit Faktoren wie Nähe zum Äquator und Größe des Landes.12 Je näher ein Land am Äquator liegt und je kleiner es ist, desto stärker sind voraussichtlich die Auswirkungen. Der IWF hat auch den prozentualen Anteil des primären Sektors (Rohstoffgewinnung, einschließlich Landwirtschaft und Bergbau) am BIP berücksichtigt, da Länder mit einem höheren Anteil dieses Sektors einem höheren Dürre- und Überschwemmungsrisiko ausgesetzt sind.

Länder mit großen Staudämmen, Wasserreservoiren und Bewässerungssystemen können Dürrephase besser überstehen

Wir verfolgen zwar einen ähnlichen Ansatz, haben diesen aber um eine zusätzliche Komponente ergänzt: die Bewältigungsfähigkeit auf Grundlage der INFORM Climate Change Risk-Kennzahlen.13 Dahinter steht die Überlegung, dass Länder mit einer größeren Bewältigungsfähigkeit, beispielsweise durch große Staudämme, Wasserreservoire und Bewässerungssysteme, Dürrephasen besser überstehen können. Dieser Aspekt gewinnt in einer Welt steigender Temperaturen zunehmend an Bedeutung.

Zur Beurteilung der Auswirkungen von El Niño auf die Landwirtschaft haben wir die Agrarproduktion in den Jahren 2015 und 2016, dem letzten großen El Niño-Ereignis, mit dem Produktionsniveau in den vier Jahren zuvor verglichen. Zusätzlich zu dieser nicht ganz lupenreinen „empirischen“ Risikoanalyse erfolgt eine qualitative Beurteilung der wahrscheinlichen Auswirkungen auf der Grundlage der Erfahrungswerte für das Land aus früheren El Niño-Episoden. Unsere Analyse fügt alle diese Elemente zu einem Gesamtbild zusammen (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: El Niño-Vulnerabilitätsrisiko

NB: Durchschnitt 2015/2016 gegenüber 2011/2014. D = Schlechter wegen erhöhter Dürrerisiken; F = Schlechter wegen erhöhter Überschwemmungsrisiken; B = Besser.
Quelle: Aviva Investors. Stand: 30. Juni 2023

Wir sehen El Niño als einen potenziell inflationstreibenden und wachstumsdämpfenden Faktor. Das genaue Ausmaß eines solchen Effekts ist momentan noch nicht absehbar, aber wir legen ein besonderes Augenmerk auf Länder, deren Situation sich durch El Niño verschlechtern könnte, allen voran Länder mit schwachen wirtschaftlichen Fundamentaldaten. In stark von der Landwirtschaft abhängigen Ländern könnte El Niño zu sinkenden Staatseinnahmen führen. In der Konsequenz würde dies eine Eintrübung der Stimmung und nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial in der Kursentwicklung bei den Anleihen dieser Länder bedeuten.

Wir sehen El Niño als einen potenziell die Inflationsbekämpfung hemmenden und wachstumsdämpfenden Faktor

In Ländern wie Südafrika, die in den El Niño-Jahren von Dürren geplagt waren, könnte es zu einem Inflationsanstieg kommen, was den Spielraum der Zentralbank für Zinssenkungen begrenzt. In Teilen von Lateinamerika könnte es ähnlich aussehen. So ist Peru stark von der Energieerzeugung aus Wasserkraft abhängig. Über höhere Energiepreise könnte sich damit der Preisschock bei Nahrungsmitteln noch verstärken.

Auch für Ghana und Sambia ist El Niño relevant. Wir hatten in letzter Zeit positivere Perspektiven für diese beiden Länder gesehen, da dort die Umschuldung in den nächsten Monaten abgeschlossen sein dürfte. Angesichts potenzieller negativer El Niño-Effekte trübt sich dieses Bild jedoch ein.

Doch alles hat zwei Seiten: In Ländern wie Argentinien könnten die Ernten dank El Niño besser ausfallen, was dem unter Devisenknappheit leidenden Land Erleichterung verschaffen würde. Damit könnten sich Anlagechancen bieten.

Der Klimawandel wird mit jedem Zehntel Grad an Erhöhung der Durchschnittstemperatur in seinen Auswirkungen stärker spürbar

RS: In Sachen Klima muss die Welt völlig neu buchstabieren. Es wird Interdependenzen geben, und wir müssen dringend in Lösungen zur Anpassung an ein wärmeres Klima investieren. Wenn der Klimawandel mit jedem Zehntel Grad an Erhöhung der Durchschnittstemperatur in seinen Auswirkungen stärker spürbar wird, müssen wir den Fokus darauf richten, was sich ändern muss, damit die Gesellschaft nicht ins offene Messer läuft.

Aus dem Adaptation Gap Report des UN-Umweltprogramms 2022 geht hervor, dass die heutigen Anpassungshilfen für Schwellenländer nur ein Fünftel bis ein Zehntel des tatsächlichen Bedarfs decken und sich diese Schere weiter öffnet.14 Es gibt also viel zu tun.

Literatur

  1. „El Nino returns“, NASA Earth Observatory, Juni 2023.
  2. „El Niño and rainfall“, Columbia Climate School International Research Institute for Climate and Society, 2023.
  3. Christopher W. Callahan und Justin. S. Mankin, „Persistent effect of El Nino on global economic growth“ Science, Band 380, Ausgabe 6649, 18. Mai 2023.
  4. H. Hersbach, et al., „ERA5 hourly data on single levels from 1940 to present“, Copernicus Climate Change Service (C3S) Climate Data Store (CDS), abgerufen am 6. August 2023.
  5. Lucila Sigal und Eliana Raszewski, „Argentina’s unprecedented drought pummels farmers and economy“, Reuters,9. März 2023.
  6. Christopher W. Callahan und Justin. S. Mankin, „Persistent effect of El Nino on global economic growth“ Science, Band 380, Ausgabe 6649, 18. Mai 2023.
  7. Kelly Beaton, „Analysts: Global rice shortage likely to last for months“, The Food Institute, 21. April 2023.
  8. Isabel Schnabel, „The risks of stubborn inflation“, Europäische Zentralbank, 19. Juni 2023.
  9. „Return of El Niño threatens new levels of economic destruction“, Bloomberg, 12. Juni 2023.
  10. „Temperatures in Europe increase more than twice global average“, World Meteorological Organization, 2. November 2022.
  11. Elida Moreno, „Drought-hit Panama Canal restricts daily crossings in water-saving move“, Reuters, 26. Juli 2023.
  12. Paul Cashin, et al., „Fair weather or foul? The macroeconomic effects of El Niño“, International Monetary Fund, Working Paper Nr. 15/89, April 2015.
  13. „INFORM Climate Change Risk“, Europäische Kommission, 2023.
  14. „Adaptation gap report 2022“, UN-Umweltprogramm, 1. November 2022.

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