Schwellenländer-Anleihen: Ein Sturm im Wasserglas

Von Aaron Grehan, Deputy Head of Emerging Market Debt und Portfoliomanager EM Hard Currency bei Aviva Investors

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Storm at sea


Schwellenländeranleihen mussten in den letzten Wochen starke Verluste hinnehmen, wobei die Anleihen in Lokalwährungen die Hauptlast des Ausverkaufs trugen. Grund dafür waren die Wechselkurse, die ihre bisherigen Tiefstände in 2018 erreichten. Das ist ein deutlicher Stimmungsumschwung gegenüber dem Jahresanfang.

Auslöser für diesen Stimmungswandel war der US-Dollar, der seit Mitte April deutlich an Wert gewann, nachdem die Renditen der US-Treasuries auf über drei Prozent gestiegen sind. Angesichts der fast rekordtiefen Zinsen in vielen Industrieländern waren internationale Investoren nur allzu bereit, Anleihen aus den Schwellenländern oder von deren Unternehmen loszuwerden. Und plötzlich rückt die Strategie dahinter ins Rampenlicht.

Im Mittelpunkt stehen dabei Argentinien und die Türkei, dessen Währungen auf Rekordtiefstände gefallen sind. Begründet wird der Abzug von Investorengelder vor allem durch die zu beobachtenden Abhängigkeiten ausländischer Kapitalzuflüsse.

Argentinien hat für Schlagzeilen gesorgt. Wie ist die aktuelle Lage?

Die niedrigen Zinssätze in den Industrienationen haben Anleger dazu veranlasst, in anderen Märkten nach höheren Renditen zu suchen. Ein Großteil der Gelder floss in Schwellenländer, die hohe Renditen erwirtschaften konnte. Die steigenden US-Zinsen in den letzten Monaten ließen Anleger nervös aufhorchen und die aktuellen, externen Risiken einiger Länder neu einschätzen.

Argentinien hat nach wie vor ein Problem mit seiner Inflation. Diese lag im Jahr 2017 bei 25 Prozent. Gepaart mit großen Haushalts- und Leistungsbilanzdefiziten waren vor allem Argentiniens Währung und Schulden offensichtliche Angriffsziele. Die Investoren haben beides verkauft. Derzeit verschärft sich die Lage weiter, da das Land weiterhin auf ausländisches Kapital angewiesen ist, um seine Defizite zu begleichen.

Um die Währung zu schützen erhöhte die Zentralbank die Zinsen kürzlich auf 40 Prozent. Allerdings sind solche Maßnahmen nur kurzfristig realisierbar, da dies die Wirtschaft sonst nachhaltig schädigen würde. Berichten zufolge strebt Argentinien eine Kreditlinie von 30 Milliarden Dollar vom Internationalen Währungsfonds (IWF) an, um die aktuelle Situation zu beruhigen und erneute Krisen der Vergangenheit zu verhindern. Durch die Maßnahmen soll es der Zentralbank möglich sein, die Zinssätze zu senken und damit größeren Schaden für die Wirtschaft zu vermeiden.

Haben wir in Argentinien das Schlimmste hinter uns?

Im Fall Argentiniens gibt es einige Gründe für vorsichtigen Optimismus. Der Peso ist um rund 18 Prozent gefallen, während die Anleihemärkte ebenfalls stark rückläufig sind. Wir sind überzeugt, dass sich die erwähnten Maßnahmen und der potentielle IWF-Deal mildernd auf den Verkaufsdruck auswirken dürften.

Die innenpolitische Situation sieht derzeit besorgniserregender aus. In den letzten zweieinhalb Jahren hat die Regierung von Mauricio Macri durch weitreichende Wirtschaftsreformen große Schritte unternommen, um das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen. Die Frage ist nun, ob seine Popularität unter der Entscheidung leidet, dem IWF eine Obergrenze aufzuerlegen. Insbesondere, wenn die Institution als Voraussetzung für ihre Unterstützung eine große geldpolitische Lockerung fordert.

Inwieweit sind andere Länder betroffen?

Im derzeitigen Umfeld suchen Investoren zwangsläufig das nächst schwächste Glied in der Kette. Hier rückt die Türkei in den Fokus. Das Land kämpft auch gegen die zügellose Inflation, die derzeit bei 11 Prozent liegt, mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Zentralbank. Hinzu kommt die Sorge, ob das Land sein anhaltendes Leistungsbilanzdefizit weiter refinanzieren kann, da es dabei auf ausländische Investitionen angewiesen ist.

Doch während die Schwellenländer insgesamt unter Druck standen, war der Ausverkauf der Schwellenländeranleihen keineswegs wahllos. Die Anleger fokussieren sich mehr auf die Fundamentaldaten einzelner Ländern und scheinen dadurch anspruchsvoller geworden zu sein. Ein Beispiel sind kolumbianische Staatsanleihen in Lokalwährung, die bis heute beeindruckende 8,46 Prozent erreicht haben. Die steigenden Renditen für US-Staatsanleihen haben den Markt etwas abgekühlt, was eine willkommene Entwicklung ist.

In welche Richtung werden sich die Märkte von hier entwickeln?

Auch wenn die globalen makroökonomischen Rahmenbedingungen in letzter Zeit recht herausfordernd für die Märkte waren, sind wir der Ansicht, dass sie insgesamt weiterhin unterstützend wirken. In den meisten Schwellenländern verstärkt sich das Wachstum und die Inflation ist unter Kontrolle. Gleichzeitig bleibt die Geldpolitik weltweit extrem locker. Selbst in den Ländern, in denen sie verschärft wird, wie in den USA, wird dies nur schrittweise fortgeführt.

Obwohl die Risiken von Schwellenländeranleihen höher erscheinen als zu Jahresbeginn glauben wir, dass die Anleger für diese Risiken angemessen entschädigt werden.

Angesichts des Risikos, dass die US-Zinsen schneller steigen als derzeit erwartet, sind wir jedoch vorsichtig, in Schwellenländeranleihen in Hartwährung zu investieren. Sollte dies Druck auf die Währungen der Schwellenländer ausüben, könnte es einige Länder beeinträchtigen, Zugang zu den Märkten zu erhalten und sich zu refinanzieren.                                            

Neben der Türkei und Argentinien dürften die diesjährigen Wahlen in Mexiko und Brasilien die Märkte beschäftigen, während Russland mit weiteren Sanktionen konfrontiert werden könnte. Es scheint, dass die Anleger mehr als im Jahr 2017 nach Risikoquellen suchen, sodass die Renditeaufteilung zwischen den Märkten wahrscheinlich viel größer sein wird.

Wie wirkt sich dies auf die Portfolioallokation aus?

Es ist klar, dass sich die Stimmung von einem sehr zinsbullischen Markt zu Jahresbeginn zu einem neutralen Markt gewandelt hat. Die Liquiditätssituation und der schnelle Stimmungsumschwung sorgen für ein unsicheres Umfeld und weitere negative Renditen könnten zu erneuten Kapitalabflüssen führen.

Daher haben wir unsere Portfolios in den letzten Wochen ein wenig angepasst. Wir haben unser Exposure an russischen Anleihen verringert, da die sich verschlechternden Beziehungen des Landes zum Westen zu weiteren Sanktionen führen und der Wirtschaft schaden könnten. Zudem haben wir alle Engagements gegenüber dem brasilianischen Real abgebaut.

Gleichzeitig halten wir die Währungen der Schwellenländer für günstig. Der jüngste Renditeanstieg ermöglichte es uns, in ausgewählte Märkte in lokaler Währung - insbesondere in Peru und Indonesien - auf attraktivem Niveau zu investieren. Darüber hinaus wollen wir unser Engagement in diesen Märkten weiter erhöhen.

Wir bevorzugen außerdem Märkte mit mittleren bis hohen Renditen, von denen wir ausgehen, dass sie eher defensiv sind. Beispiele hierfür sind die Ukraine, Paraguay, Angola und Katar.

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