Während die Regierungen Mühe haben, ihren Worten Taten folgen zu lassen, können Investoren dafür sorgen, dass der Privatsektor seine eigenen Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels beschleunigt, indem sie die Unternehmen zur Übernahme wissenschaftlich fundierter Ziele (SBTs) drängen, führt Rick Stathers aus.

Investoren spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Unternehmen auf ihrem Weg in eine kohlenstoffärmere Welt zu begleiten. Da der Klimawandel wohl das grösste langfristige systemische Risiko darstellt, haben Anleger auch einen starken finanziellen Anreiz, dies zu tun.

Investitionen in den Klimaübergang sind alles andere als einfach

Dennoch sind Investitionen in den Klimaübergang alles andere als einfach. Zunächst einmal erfordert es ein gutes Verständnis der Klimarisiken, mit denen die Aktien- und Anleihemärkte, mitsamt ihrer Unterkategorien, konfrontiert sind. So sind beispielsweise Versorgungsunternehmen einem viel höheren Dekarbonisierungsrisiko ausgesetzt als Einrichtungen des Gesundheitswesens, und Autohersteller befinden sich an jeweils unterschiedlichen Punkten des Übergangs zu Elektrofahrzeugen.

Ein wissenschaftlicher Messansatz

Viele Anleger konzentrieren sich oft einfach auf Unternehmen, die Lösungen zur Bekämpfung oder Abschwächung des Klimawandels anbieten. Den Fokus sowohl auf Unternehmen zu richten, die bereits für den Klimaübergang gerüstet sind, als auch auf solche, die Lösungen für den Klimawandel anbieten, erweitert das Spektrum der Möglichkeiten und sollte das Portfoliorisiko streuen.

Ein weiterer Kritikpunkt an traditionellen ESG-Investitionsansätzen ist, dass Fondsmanager zwar die richtigen Unternehmen auswählen, um ein Emissionsziel zu erreichen, der Gesamtausstoss aller Unternehmen innerhalb des betreffenden Fondsbenchmarks jedoch trotzdem steigen kann.

Fast alle börsennotierten Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, auf den Ansatz „Auf Wissenschaft gründende Ziele“ umzuschwenken

Dies erklärt möglicherweise, warum fast alle börsennotierten Unternehmen unter wachsendem Druck stehen, auf den Ansatz „Auf Wissenschaft gründende Ziele“ (SBTs) umzuschwenken. Gemäss der Zusammenarbeitsinitiative „Science Based Targets“ (SBTi) bestimmen SBTs, um wie viel und wie schnell Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen reduzieren müssen.

Die ausgegebenen Ziele gelten als „wissenschaftsbasiert“, wenn sie dem entsprechen, was die neueste Klimaforschung als notwendig erachtet, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Der Prozess verfolgt einen nach Bereichen aufgeteilten Dekarbonisierungsansatz. Indem sie den Unternehmen helfen, ihren eigenen CO2-Fussabdruck besser zu verstehen, sollte die Festlegung eines SBTs die jeweiligen Gesellschaften in die Lage versetzen, ihre Treibhausgasemissionen auf effiziente Weise zu verringern.

Positiver Kreislauf: Druck auf Wertschöpfungsketten ausüben

Ein weiterer potenzieller Schwachpunkt herkömmlicher ESG-Investitionsansätze ist, dass man sich dabei auf die von den Firmen selbst erhobenen oder angegebenen Emissionsdaten als Mittel zur Identifizierung emissionsarmer Unternehmen verlässt. Einerseits sind diese Informationen nicht immer leicht erhältlich, und selbst dort, wo sie veröffentlicht werden, neigen Unternehmen andrerseits dazu, ihr Augenmerk nur auf die Scope-1- und Scope-2-Emissionen zu richten.

Bei der Festlegung von SBTs müssen Unternehmen Scope-3-Emissionen einbeziehen, wenn diese mehr als 40% des Gesamtausstosses ausmachen. Entscheidend ist, dass diejenigen Gesellschaften, die Scope-3-Emissionen mitberücksichtigen, auch entsprechend Druck auf die Lieferanten und Endverbraucher ihrer Produkte ausüben.

Auch wenn die Idee der SBTs noch in den Kinderschuhen steckt, nimmt die Zahl der Unternehmen, die sie anwenden, exponentiell zu. Laut der SBTi arbeitet die Initiative knapp fünf Jahre nach ihrer Gründung schon mit mehr als 2'000 Unternehmen und Finanzinstituten auf der ganzen Welt zusammen.

Abbildung 1: „1,5°C“ und „Netto-Null“ entwickeln sich zunehmend zum SBTi-Standard

Quelle: Science Based Targets, 20211

Es ist gemäss SBTi nachgewiesen, dass diese Vorgehensweise funktioniert. „Die 338 Unternehmen in unserer Analyse haben zwischen 2015 und 2019 ihren jährlichen CO2-Ausstoss zusammengenommen um 25% gesenkt - was einer Differenz von 302 Millionen Tonnen entspricht“, heisst es in einem 2020 veröffentlichten Bericht.2

Für Nachzügler gibt es keine Versteckmöglichkeit

Durch das Festlegen von SBTs, um ihre Wertschöpfungsketten mit ihren eigenen Geschäftstätigkeiten in Einklang zu bringen, können Unternehmen Folgendes bewirken: mehr Innovation, weniger regulatorische Unsicherheit, ein grösseres Vertrauen der Anleger, sowie verbesserte Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Und obwohl SBTs derzeit nur anzeigen, wohin die Reise gehen soll, ist zu erwarten, dass sie sich zu einer von den Anlegern immer stärker beachteten Kennzahl entwickeln, je mehr Unternehmen sich der Bewegung anschliessen. Nach und nach sollte demzufolge das Messen des Engagements eines Fonds in Unternehmen, die SBTs anwenden, den Anlegern sowohl Sicherheit über die Auswirkungen ihrer Investitionen verleihen als auch einen Massstab für den einfachen Vergleich verschiedener Investitionsmöglichkeiten an die Hand geben.

Auf diese Weise wird der Privatsektor wohl das Bestmögliche tun, um einer gefährlichen Erderwärmung entgegenzuwirken.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von Finanz und Wirtschaft publiziert.

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