Die Ausgabe für Q2 2026 unseres zukunftsorientierten Compass beleuchtet Volatilität und wahrscheinliche Risiken an den globalen Märkten. Auch wenn der Carry nach wie vor eine zentrale Rolle spielt, gilt es dabei sorgfältig zu selektieren, und Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen sind weiterhin attraktiv.
Jedes Quartal analysiert Compass das Geschehen an den globalen Anleihemärkten und verdichtet Top-down-Makroaspekte mit Bottom-up-Researchergebnissen perspektivisch zu einem Gesamtbild. Wir stützen uns dabei auf die Erkenntnisse unserer „Matrix-Pods“, Teams mit dynamischer, funktionsübergreifender Zusammensetzung, in denen Experten auf ihrem Gebiet, wie Portfoliomanager, Strategen, Volkswirte und Händler, Hand in Hand arbeiten.
Der neueste Compass im Überblick:
- Phasenwechsel bei der Volatilität
Nach einer Phase heftiger Verwerfungen in ausnahmslos allen Marktsegmenten des Anleihemarktes hat eine längere Phase der Neuordnung begonnen. - Risiken an zwei Fronten
Inflation und Zinserhöhungen der Zentralbanken sind das unmittelbare Risiko, doch Wachstumsrisiken stellen eine längerfristige Herausforderung dar. - Carry weiter zentraler Faktor
Trotz der Marktturbulenzen sind die Fundamentaldaten nach wie vor intakt und bleiben die laufende Erträge (Carry) der bestimmende Faktor für Anleiherenditen. - Auf Nummer sicher gehen und selektiv handeln
Anleger sollten ganz gezielt nach Bonität und Resilienz selektieren und eher weniger auf breite Marktbewegungen (Beta) setzen. - Chancen in Schwellenländern
Im Schwellenländeruniversum sind Papiere in Lokalwährungen am attraktivsten. Nach starken Preisanpassungen und Verkäufen auf breiter Front bietet sich bei den Bewertungen ein neues Bild mit attraktiven Chancen.
Vorwort
Der Compass für dieses Quartal erscheint zu einem Zeitpunkt, zu dem das Geschehen an den Anlagemärkten wieder maßgeblich von der Geopolitik bestimmt wird. Die Anleihemärkte befanden sich bereits in der Spätphase des Kreditzyklus, doch erhöhtes Konfliktpotenzial, Unsicherheit im Hinblick auf die Energiepreise und anhaltende Inflationssensitivitäten haben die für diese Phase charakteristische Marktdynamik zusätzlich verstärkt. In einem solchen Umfeld ist die zentrale Frage nicht, ob Risiken bestehen, sondern wie die Märkte darauf reagieren. Ist mit einer abrupten Veränderung der Risikolage zu rechnen? Oder ist eher ein längerer und holpriger Anpassungsprozess zu erwarten?
Das Fazit unserer letzten Matrix-Pod-Runde geht dahin, dass Abwärtsrisiken weiter sehr präsent bleiben, ein einmaliger, plötzlicher Schock jedoch unwahrscheinlicher geworden und nun eher mit einer Phase anhaltender Volatilität und gegenläufiger Tendenzen zu rechnen ist.
In der Frühphase des jüngsten Nahostkonflikts war eine defensive Positionierung sowohl klug als auch notwendig, doch mittlerweile ist Vorsicht nicht mehr das Gebot der Stunde. Zu dieser Einschätzung sind wir nicht aus falscher Selbstsicherheit, sondern aufgrund einer Neubewertung des Tempos der Marktentwicklung gelangt. Einig waren sich unsere Matrix-Pods darin, dass eine rapide, breit angelegte Spread-Ausweitung in den nächsten Wochen unwahrscheinlicher geworden ist und Pfadabhängigkeit, Differenzierung und Ertragsdisziplin stärker im Mittelpunkt stehen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Carry wieder an Bedeutung. Wir sollten damit jedoch nicht die Augen vor Risiken verschließen, sondern uns vielmehr bewusst machen, dass bei weitgehend intakten Fundamentaldaten und im Zuge eines Anpassungsprozesses höhere Gesamterträge durchaus ein starkes Tonikum für Gesamtrenditen sind.
In den Pod-Diskussionen in den Bereichen Bonitätsentwicklung, Zinsen, Liquidität und Schwellenländer (Emerging Markets - EM) wurde immer wieder betont, wie wichtig Selektivität, Qualitätsorientierung und Resilienz sind, während breites Beta-Exposure eher in den Hintergrund rückt (siehe tabellarische Matrix-Pod-Zusammenfassung in Abbildung 1).
An den Anleihemärkten vollzieht sich ein langwieriger Anpassungsprozess in Reaktion auf die Veränderungen bei den globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Risiken sind nicht von der Hand zu weisen, doch die Fundamentaldaten sind intakt. In einem solchen Umfeld wird der Carry weiterhin die tragende Säule von Anleiheinvestments bleiben.
Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass diese Einschätzungen nicht das Ergebnis eines streng formalisierten Prozesses sind. Verschiedene Pods haben in den letzten Wochen ad hoc und außerhalb des normalen Turnus Sitzungen abgehalten, was Spiegelbild der fluiden aktuellen Entwicklung ist und die Flexibilität der Matrix-Struktur mit global vernetzten Teams unterstreicht, die schnell zu einem anlageklassenübergreifenden Austausch zusammentreten und auf dieser Basis ihre Annahmen in Echtzeit anpassen können.
Der Vorteil durch kollektive Intelligenz wird durch das Strategic Hedging, Integrated Exposure and Loss Defence (SHIELD)-Modell noch verstärkt, das Pod-Erkenntnisse in kreative defensive Strategien übersetzt.
Unter volatilen Marktbedingungen geht es bei der Portfolioabsicherung nicht nur um Risikominderung, sondern auch darum, flexibel zu bleiben, um nicht nur die Resilienz von Portfolios zu stärken, sondern auch Handlungsspielräume zu bewahren, damit diese von Turbulenzen profitieren können, wenn Volatilität sich zu einer potenziellen Renditequelle entwickelt.
Selten waren Flexibilität, Echtzeitanalyse und die Fähigkeit, Marktbewegungen richtig zu interpretieren und einzuordnen, so wichtig für Anlagen an den Anleihemärkten.
Abbildung 1: Matrix Pod summary – fixed income allocation overview
Note: Duration: a positive score indicates bond yields expected to fall, negative to rise. Curve: a positive score indicates a steeper yield curve expected, negative a flatter curve. The score-band widths proportionally weighted provide a conceptual guide to expected conviction dispersion, not a statistical model.
Source: Aviva Investors. Data as of April 2026.
Liquidity Pod: Selektiv optimistisch
Der Pod ist weiterhin selektiv optimistisch. Am stärksten überzeugt ist das Team von den kurzen Laufzeiten am britischen Markt. Asset-backed Securities (ABS) und den Geldmärkten steht das Team zunehmend positiv gegenüber, hält jedoch an seiner weitgehend neutralen Haltung gegenüber Staatsanleihen fest. Eine Ausnahme bildet hier lediglich die leicht negative Einstellung in Bezug auf britische Staatsanleihen. Von Investment-Grade (IG)-Unternehmensanleihen ist das Team aktuell nicht besonders überzeugt, Covered Bonds steht es neutral gegenüber.
Makroökonomisches Umfeld und Zinsen
Wir sehen die Entwicklung am kurzen Ende der Zinskurve des britischen Marktes weiterhin optimistisch, da angesichts der wirtschaftlichen Lage nur mit einer beschränkten Zahl von Zinserhöhungen der Bank of England zu rechnen ist. In Europa stützt das klare Mandat der EZB zur Sicherung von Preisstabilität eine neutrale bis leicht positive Haltung. Im „Negativszenario“ der EZB (Abbildung 2) wären einer stärkeren Zinsstraffung jedoch wahrscheinlich durch Wachstumsrisiken Grenzen gesetzt. Die ausgewogene Kommunikation der Fed und ihr Bekenntnis zu ihrem Doppelmandat (Preisstabilität und Beschäftigungssicherung) rechtfertigen das aktuelle Bewertungsniveau, das auf der Annahme basiert, dass kurzfristig in den USA keine Zinserhöhungen oder Zinssenkungen zu erwarten sind (neutrale Haltung).
Geldmärkte
Die Entwicklung an den Geldmärkten sehen wir optimistischer, verlieren dabei jedoch das Risiko einer stärkeren Spread-Ausweitung sowie einige technische Faktoren wie geringere Überschussliquidität und höhere Beteiligung an den Offenmarktgeschäften der EZB nicht aus dem Blick.
Staatsanleihen
Leicht negativ sehen wir die Entwicklung bei den Swap Spreads für britische Staatsanleihen. Diese sind Spiegelbild der politischen Unsicherheit und der anstehenden Kommunalwahlen. US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen stehen wir weiterhin neutral gegenüber. An unserer leicht positiven Einstellung gegenüber anderen Staatsanleihen sowie Anleihen supranationaler und staatsnaher Emittenten (Supranational and Agency Bonds - SSAs) aus dem ersten Quartal halten wir unverändert fest, wobei wir die Spreads bei Staatsanleihen von Peripherieländern der Eurozone nach der jüngsten Schwächephase nun weniger pessimistisch sehen.1
Unternehmensanleihen und ABS
Unsere Einstellung gegenüber ABS ist optimistischer geworden. Residential Mortgage-backed Securities (RMBS) des Premiumsegments sind nach einer Spread-Ausweitung bei stabilen Fundamentaldaten zur Bonitätsentwicklung besonders attraktiv, insbesondere AAA-Tranchen. IG-Unternehmensanleihen stehen wir angesichts enger Spreads und anhaltender struktureller Risiken (u. a. Inflation, Wachstum des Private-Credit-Marktes und Marktverwerfungen in Zusammenhang mit KI) aktuell leicht negativ gegenüber. In Bezug auf Covered Bonds bleiben wir bei unserer neutralen Haltung. Diese Papiere sind aus unserer Sicht im Vergleich zu anderen Finanzierungsinstrumenten von Banken sowie ABS überbewertet.
Was dies für die Positionierung und Umsetzung bedeutet
Vor dem Hintergrund der unsteten geopolitischen Entwicklung der letzten Zeit bleibt Liquidität der maßgebliche Faktor für unsere Positionierung. Daher setzen wir auf das oberer Qualitätssegment des ABS-Marktes und favorisieren Unternehmensanleihen mit stabilen Fundamentaldaten.
Abbildung 2: The impact of ECB’s alternative scenarios (per cent)
Past performance is not a reliable indicator of future returns.
Note: GDP data is unadjusted for seasonality.
Source: Aviva Investors, ECB staff macroeconomic projections for the euro area, March 2026, as of April 2026.
Duration and Curve Pod: Höhere Duration
Der Anstieg der Inflationserwartungen infolge des Angebotsschocks an den Energiemärkten wegen des Golfkonflikts hat die Marktteilnehmer dazu veranlasst, ihre Zinserwartungen nach oben zu korrigieren. Wenngleich diese Reaktion angesichts der großen Unsicherheit verständlich ist, spiegelt das aktuelle Bewertungsniveau aus unserer Sicht tendenziell ein Worst-Case-Szenario für den Ausgang des Konflikts wider, unterschätzt dabei aber den potenziellen wachstumsdämpfenden Effekt einer längerfristigen Marktstörung. Vor diesem Hintergrund sehen wir Wertpotenzial am kurzen Ende der Anleihemärkte in Industrieländern.
Regionen im Fokus
USA
In den USA hat es weit weniger Bewegung gegeben als an anderen Märkten. Aus unserer Sicht ist bei der nächsten Zinsentscheidung nach wie vor mit einer Zinssenkung zu rechnen. Kurzen Laufzeiten stehen wir optimistisch gegenüber, wobei die Zinsen am kurzen Ende stärker sinken dürften als am langen Ende. Dabei sehen wir jedoch durchaus auch ein gewisses Risiko, dass wieder fiskalische Risikoprämien eingepreist werden.
Europa
Europa stehen wir mit Blick auf das zu erwartende höhere Wachstum und Angebot aus strukturellen Gründen negativ gegenüber. Davon abgesehen erscheint die Anpassung der Zinserwartungen seit Beginn des Nahostkonflikts überzogen, sodass wir am kurzen Ende auf eine neutrale / Long-Position umgeschwenkt sind. Wir gehen nach wie vor von einer künftig steileren Zinskurve aus. Ausschlaggebend dafür sind aus unserer Warte sowohl die Entwicklung am kurzen Ende als auch höhere Laufzeitprämien.
Großbritannien
Die positive Einschätzung, die wir in Q1 mit einer langen Duration zum Ausdruck gebracht haben, wurde durch den Irankonflikt infrage gestellt. Die aktuell eingepreiste Erwartung von zwei Zinserhöhungen erscheint uns jedoch angesichts der schwachen Wirtschaft und der mit einem anhaltenden Konflikt zu erwartenden Wachstumsdelle überzogen. Wir bleiben bei einer optimistischen Haltung und sind nach wie vor sehr von diesem Markt überzeugt.
Japan
Wir halten an der Schwelle zu Q2 an unserer neutralen Duration sowie unserer Einschätzung zur Entwicklung der Zinskurve fest, da sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Land weitgehend unverändert präsentieren. Ganz im Zeichen des Nahostkonflikts dürfte die Bank of Japan (BoJ) angesichts der Wachstumsrisiken kurzfristig vorsichtig agieren.
Kanada
Der Pod hat im März von einer neutralen auf eine lange Duration umgestellt. Angesichts der sich mit dem Irankonflikt abzeichnenden Wachstumsschwäche und des ungewissen Ausblicks dürfte die Bank of Canada in ihrer Reaktion auf höhere Inflation zurückhaltend bleiben. Dieses Szenario stützt unsere Einschätzung einer kontinuierlich steiler werdenden Kurve und nährt damit unseren Optimismus.
Abbildung 3: 1-year ahead rate expectations since the start of the conflict (basis points)
Past performance is not a reliable indicator of future returns.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, as of April 14, 2026.
Was dies für die Positionierung und Umsetzung bedeutet
Wir haben unsere Long-Positionen in britischen und kanadischen Papieren ausgebaut und unser Exposure in Bezug auf Strategien verstärkt, die auf eine steilere Kurve in der EU setzen. Darüber hinaus haben wir die Verkaufswelle genutzt, um unsere Short-Positionen am US-Markt zu schließen und auf eine neutrale Positionierung/Long-Position umzustellen.
Credit Pod: Wenig Beta wegen Abwärtsrisiken
Unsere Einschätzung zu Unternehmensanleihen ist angesichts des anhaltend negativen Makro-Umfelds, das auf die Fundamentaldaten durchschlagen könnte, weitgehend von Zurückhaltung geprägt. Daher favorisieren wir IG- gegenüber High-Yield (HY)-Anleihen. Aufgrund des langfristigen Aufwärtstrends bei den Fundamentaldaten rücken mittlerweile Unternehmensanleihen aus Schwellenländern stärker in den Blick.
Makroökonomisches Umfeld und Fundamentaldaten
Die makroökomische Entwicklung ist mit geopolitischen Spannungen, Energiepreisen, potenziellen Inflationseffekten zweiter Ordnung und Wachstumsrisiken durchweg ein Negativfaktor. Auch wenn die Fundamentaldaten zur Bonität der Emittenten derzeit weiterhin als solide bezeichnet werden können, wird doch allgemein damit gerechnet, dass sich dieses Bild eintrüben könnte. Zeitpunkt und Tempo einer solchen Negativentwicklung sind schwer abzusehen. Daher kommt es entscheidend darauf an, wachsam zu bleiben.
Bewertung und technische Faktoren
Die Spreads sind in letzter Zeit stärker gesunken, als dies mit Blick auf die relevanten Fundamentaldaten gerechtfertigt wäre, was höheres Gefahrenpotenzial im Hinblick auf Abwärtsrisiken signalisiert. Wenn die wirtschaftliche Malaise zu einem abrupten Renditeeinbruch bei Staatsanleihen führt, könnte es zu einer reflexartigen Spread-Ausweitung kommen. Die technischen Faktoren zeichnen jedoch nach wie vor ein positives Bild für IG-Anleihen, das als solches Spiegelbild des Positiveffekts der regen Nachfrage nach Neuemissionen angesichts relativ hoher Gesamtrenditen ist.
Anlageklassen im Fokus
Globale IG-Anleihen
Aus unserer Sicht werden IG-Anleihen nach wie vor dadurch gestützt, dass in diesem Marktsegment auf kurze Sicht nur begrenzte fundamentale Abwärtsrisiken bestehen. Die Markttechnik ist mit anhaltend starker Nachfrage und attraktiven Renditen nach wie vor sehr positiv. Selbst bei einem Zinsrückgang dürften die Zinsen nicht so stark sinken, dass diese technische Stärke erodiert. IG-Unternehmensanleihen sind in der Regel gut gegen unmittelbare Preisschocks an den Energiemärkten abgesichert, und die Papiere von Emittenten des Finanzsektors, die einen erheblichen Teil der IG-Indizes ausmachen, sind nach allgemeiner Einschätzung nicht am stärksten von den aktuellen Turbulenzen betroffen. Mit Blick auf Schwellenländer werden die relevanten Fundamentaldaten unserer Meinung nach zu pessimistisch gesehen, insbesondere im Vergleich von IG-Anleihen aus Schwellen- und Industrieländern.
Globale HY-Anleihen
Das HY-Segment ist anfälliger. Dort könnte es auch zu einer Streuung der Spreads kommen. Die Unsicherheit und erhöhte Sensitivität für Makro- und Wachstumsrisiken könnten überproportional starke Auswirkungen auf dieses Segment haben, und es mit einer Verschlechterung der Fundamentaldaten für einige Emittenten oder Sektoren zu rechnen. Die technischen Faktoren sind nach wie vor schwach. Dies ist zum Teil auf ein großes Volumen nur schwach nachgefragter Emissionen zurückzuführen, die demnächst in einem Marktumfeld fällig werden, das Anleger zunehmend selektiver vorgehen lässt (Abbildung 4).
Abbildung 4: US high yield – maturity wall for the 2021 vintage (US$ billions)
Note: US corporate high yield debt issued in 2021. Percentages represent the per cent of total in each of the two categories.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, as of April 18, 2026.
Was dies für die Positionierung und Umsetzung bedeutet
Der Pod setzt in allen Portfolios weiterhin auf IG-Anleihen als Core-Allokation, weil man im IG-Segment aus Sicht des Teams Beta besser verkraften kann als in anderen Segmenten. Da wir mit einer moderaten Spread-Ausweitung rechnen, werden wir uns auf Qualität, defensive Charakteristika und Sektoren mit überzeugendem technischen Profil konzentrieren. Auch im HY-Segment positionieren wir uns verstärkt am oberen Rand des Qualitätsspektrums, meiden vom Kreditzyklus abhängiges Exposure und halten Ausschau nach Chancen bei Einzeltiteln.
„Private Debt: Veränderungen in der Entwicklung der risikobereinigten Renditen”2
Private Debt bietet vor dem Hintergrund längerfristig höherer Zinsen und erhöhter Illiquiditätsprämien nach wie vor attraktives relatives Wertpotenzial. Über das gesamte Investment-Grade-Spektrum liegen die Illiquiditätsprämien mit rund 100 Basispunkten (Bp.) auf Grundlage unseres eigenen Datenmaterials nach wie vor über dem langfristigen Durchschnitt, bei nicht so stark sinkenden Spreads wie an den öffentlichen Anleihemärkten.
Unterhalb des IG-Segments bewegen sich die Illiquiditätsprämien auf dieser Datengrundlage in einer Größenordnung von 300 Bp., allerdings sind hier größere Unterschiede zwischen den Segmenten des Private-Debt-Marktes zu beobachten. Daran wird deutlich, dass hier sowohl höhere Risikoaufschläge gezahlt werden als auch die Konkurrenz durch Banken und Versicherer geringer ist.
Emerging Markets Pod: Papiere in Lokalwährungen im Fokus
Wir favorisieren weiterhin Schwellenländeranleihen in lokaler Währung gegenüber Hartwährungsanleihen. Nach starken Preisanpassungen sind die Bewertungen nun attraktiv und bieten einen Puffer für weiteren Inflationsdruck, sodass es ohne neue Belastungsfaktoren an den Währungs- oder Kreditmärkten nun kaum zu einem stärkeren Renditeanstieg kommen dürfte.
Makroökonomisches Umfeld und Fundamentaldaten
Höhere Realzinsen, tragfähigere Staatsfinanzen und Zahlungsbilanzen haben in Kombination mit einer flexibleren Zentralbankpolitik die Resilienz vieler Schwellenländer gestärkt. Wenn sich der Nahostkonflikt noch länger hinzieht, gehen wir in unserem Basisszenario eher von einer stärkeren Streuung im EM-Universum als von synchronem Stress aus. Schwellenländer mit einer starken Position in ihren außenwirtschaftlichen Beziehungen und politischer Glaubwürdigkeit sehen wir dabei im Vorteil.
Bewertung und technische Faktoren
Die realen Renditen von Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen bewegen sich am oberen Rand ihres historischen Durchschnitts. Damit bieten diese Papiere sehr attraktive Risikoprämien. Bei Risikoaufschlägen auf diesem Niveau sind einem weiteren Renditeanstieg Grenzen gesetzt. Von den technischen Faktoren gehen keine starken Signale aus, und wir nehmen ein neutrale Haltung ein.
Abbildung 5: Real policy premiums by region under oil shock scenarios (per cent)
Past performance is not a reliable indicator of future returns.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, as of April 7, 2026.
Anlageklassen im Fokus
Schwellenländeranleihen in Lokalwährung
Schwellenländeranleihen in lokaler Währung profitieren von attraktiven realen Renditen und schwächeren inflationären Tendenzen als in vergangenen Zyklen, sodass die politisch Verantwortlichen auch bei höheren Energiepreisen nicht sofort unter Handlungsdruck stehen. Mit der Bewertungsanpassung nach dem jüngsten Volatilitätsschub und angesichts der Tatsache, dass Währungsexposure sich von einem Risikofaktor zunehmend zu einer Renditequelle entwickelt, bieten die Märkte für Lokalwährungsanleihen ein attraktives Risiko/Rendite-Profil.
Schwellenländerwährungen
Schwellenländerwährungen profitieren von geringerem Inflationsdruck, resilienten Außenwirtschaftsbeziehungen und hohen Realzinsen mit Pufferwirkung im Hinblick auf kurzfristige Preisschocks an den Energiemärkten. Mit Blick auf das nachlassende Momentum beim US-Dollar und dem nach der jüngsten volatilen Phase nun attraktiveren Bewertungsniveau bieten Schwellenländerwährungen selektives Aufwärtspotenzial als Diversifizierungskomponente und Renditequelle.
EM-Staatsanleihen
Staatsanleihen von Schwellenländern stehen wir weiterhin zurückhaltend gegenüber, da mit zunehmender makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheit auch das Spread-Risiko steigt. Die jüngste Spread-Ausweitung erscheint wie eine Preisanpassung in der Frühphase eines externen Schocks und ist eher Ausdruck von Unsicherheit als einer Verschlechterung bei den Fundamentaldaten oder Ausfallquoten. Das aktuelle Spread-Niveau bei Schwellenländeranleihen liegt zwar deutlich über dem Tiefpunkt, aber auch noch weit unter den Spitzenwerten in historischen Phasen von Marktstress, was diese Interpretation stützt.
Was dies für die Positionierung und Umsetzung bedeutet
Wir halten an Core-Long-Positionen über das gesamte Spektrum der Märkte für Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen fest, wo überzeugende Fundamentaldaten, positive gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und attraktive Bewertungen weiterhin in dieselbe Richtung weisen. Bei Unternehmensanleihen könnte eine spürbarere Ausweitung der Spreads selektiv Chancen eröffnen. Bis dahin sehen wir weiterhin nur begrenzte Möglichkeiten für breit angelegte Käufe bei Kursrückgängen. Unser Fokus liegt darauf, kapitalflussbedingte Preisverzerrungen bei einzelnen Titeln zu identifizieren, bei denen technische Faktoren attraktive Einstiegspunkte signalisieren.
SHIELD: Wo die Hauptrisiken liegen und wie wir uns dagegen absichern
Die Hauptrisiken an den Zinsmärkten sehen wir in einem Volatilitätsschub am kurzen Ende in Großbritannien und Europa sowie steigenden Extremrisiken in den USA. Wir setzen für eine Positionierung gegen Bewegungen am kurzen Ende auf Long-Positionen über Optionen und weniger über Direktanlagen in Anleihen. Zur Absicherung gegen starke, volatile Zinsänderungen favorisieren wir Strategien mit Optionsstrukturen, die von fallenden Zinsen profitieren.
Bei Unternehmensanleihen bleiben wir vorsichtig und halten das Beta-Exposure auf Sparflamme, behalten dabei aber gleichzeitig Risiken wie einen sprunghaften Anstieg der Volatilität, eine inverse Kurve und eine signifikante Spread-Ausweitung im Auge. Als Hedging-Strategien setzen wir auf Positionen, die von einer Ausweitung der Spreads bei Finanzwerten profitieren.
Das zentrale Risiko für Schwelländer bleibt eine potenzielle weitere Eskalation im Irankonflikt und die Unsicherheit im Hinblick darauf, wie lange dieser noch andauern wird. Zur Steuerung dieses Risikos verfolgen wir einen gezielten und systematischen Ansatz zur Portfolioabsicherung. Dieser umfasst selektive Positionen in Credit Default Swaps (CDS) zur Abfederung von Abwärtsrisiken bei höher rentierlicheren Papieren und Frontier-Markets-Anleihen, in Kombination mit Optionsstrategien, die es uns ermöglichen, eine optimistischere Einschätzung zu Schwellenländerwährungen zum Ausdruck zu bringen.