Angesichts der zunehmenden Aufmerksamkeit für staatliche Haushaltsdefizite müssen Anleger bei festverzinslichen Anlagen global denken und einen aktiven Ansatz bei der Allokation verfolgen.
Lesen Sie diesen Artikel, um Folgendes zu erfahren:
- Warum Staatsanleihen trotz der jüngsten Schlagzeilen deutlich widerstandsfähiger waren als im Jahr 2022, gestützt durch ein vergleichsweise hohes Ausgangsrenditeniveau
- Welche Anzeichen darauf hindeuten, dass die Anleihemärkte Haushaltsdefiziten deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken
- Warum die jüngsten Entwicklungen sowohl für einen globalen als auch für einen aktiven Anlageansatz sprechen
Die Anleihemärkte standen in diesem Jahr unter Druck, nachdem ein erneuter Inflationsschub infolge des Krieges im Iran zu höheren Energiepreisen geführt hatte. Obwohl die Ursachen des Konflikts Parallelen zum geopolitisch bedingten Energieschock des Jahres 2022 aufweisen, haben sich die Anleihemärkte diesmal deutlich widerstandsfähiger gezeigt.
Während die Anleger die längerfristigen Auswirkungen des diesjährigen Energiepreisanstiegs auf die Inflation weiterhin bewerten, bestand einer der wichtigsten Unterschiede zu 2022 in der Rendite, die den Anlegern zu Beginn des Jahres zur Verfügung stand.
Zu Jahresbeginn lagen die Renditen infolge einer weltweiten Straffungsphase der Geldpolitik bereits deutlich höher. Dadurch erzielten Anleger wesentlich höhere laufende Erträge, was dazu beitrug, die Auswirkungen steigender Renditen und der damit verbundenen Kapitalverluste abzufedern.
Während die globale Anleihen-Benchmark, in Pfund Sterling abgesichert, im Jahr 2022 eine Rendite von -12 % erzielte, lag ihre Rendite in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei -1 %.
Abbildung 1: Ein höheres Ausgangsrenditeniveau bietet Anleiheanlegern einen größeren Puffer
Hinweis: Dargestellt ist der Barclays Global Treasury Index, abgesichert in GBP.
Source: Quelle: Bloomberg, Stand 30. September 2026.
Auch wenn der diesjährige Renditeanstieg die Wertentwicklung belastet haben mag, dürfte er Anleiheanlegern mit Blick auf die Zukunft eine gewisse Sicherheit bieten. Die globale Anleihen-Benchmark weist derzeit, in Pfund Sterling abgesichert, eine Rendite von nahezu 5 % auf und hat eine Duration von rund 6,5 Jahren.
Diese Werte deuten darauf hin, dass die Renditen im Verlauf des nächsten Jahres in etwa um weitere 75 Basispunkte steigen müssten, damit ein Anleger eine negative Gesamtrendite erzielt. Sollten sie dagegen um denselben Betrag fallen, könnten Anleger mit einer Gesamtrendite von rund 10 % rechnen.
Staatsanleihen dürften trotz der zunehmenden Sorgen über die Fähigkeit oder Bereitschaft vieler Länder, ihre Defizite unter Kontrolle zu bringen, weiterhin einen wichtigen Baustein in den Portfolios vieler Anleger darstellen.
Ihre Liquidität sowie ihre Fähigkeit, Kapital zu schützen und stabile Erträge zu liefern, machen sie zu einem wichtigen Instrument zur Diversifizierung von Aktien- und Kreditrisiken.
Warum global?
Für Anleger, die eine Allokation in dieser Anlageklasse erwägen, wird die Frage, in welche Märkte sie investieren sollten, immer wichtiger. Aus Vertrautheit bevorzugen viele möglicherweise Anleihen ihres Heimatstaates.
Historisch betrachtet konnten Anleger jedoch durch einen globalen Ansatz eine bessere risikobereinigte Wertentwicklung erzielen als mit einer Allokation in einer Benchmark mit nur einer Währung.
Abbildung 2 zeigt, dass die risikobereinigte Wertentwicklung der globalen Benchmark in den vergangenen 20 Jahren im Vergleich zu allen einzelnen Industrieländern günstig ausfällt.
Abbildung 2: Realisiertes Risiko und realisierte Rendite von Staatsanleihen über 20 Jahre
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Alle Indexrenditen wurden in Pfund Sterling abgesichert. Der globale Index ist der Barclays Global Treasury Index, abgesichert in GBP. Die annualisierte Volatilität basiert auf der täglichen Volatilität des jeweiligen Einzelmarkts.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, Stand: 30. Juni 2026.
Eine Diversifizierung über globale Anleihemärkte hinweg und die damit verbundene Verringerung des länderspezifischen Risikos kann derzeit sogar noch wertvoller sein.
Der erste Grund liegt darin, dass die Zentralbanken in den vergangenen Jahren der Inflationsbekämpfung Priorität eingeräumt und sich von dem äußerst lockeren geldpolitischen Regime entfernt haben, das einen Großteil der Zeit nach der Finanzkrise geprägt hatte. Dies hat zu größeren Unterschieden bei den Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik geführt, die weiterhin ein entscheidender Treiber der relativen Renditen an den Anleihemärkten sind.
Zweitens gibt es Hinweise darauf, dass Anleiheanleger den Haushaltslage der jeweiligen Länder zunehmend Aufmerksamkeit schenken. Die Laufzeitprämien, also die zusätzliche finanzielle Vergütung, die Anleger für das Halten einer langfristigen Anleihe anstelle einer Reihe kurzfristiger Anleihen verlangen, sind gestiegen.
Vor 2022 waren Anleger bereit, nahezu jedes Ausmaß staatlicher Kreditaufnahme zu finanzieren, häufig zu außergewöhnlich niedrigen oder sogar negativen Renditen, insbesondere in Ländern, die Schuldtitel in ihrer eigenen Währung begaben. Dies spiegelte die weitverbreitete Überzeugung wider, dass Zentralbanken weiterhin überschüssiges ein Anleiheangebot absorbieren und damit den Aufwärtsdruck auf die Renditen begrenzen würden.
Das ist nicht mehr der Fall. Abbildung 3 basiert auf einer Regressionsanalyse der Laufzeitprämien von acht verschiedenen Anleihemärkten in Industrieländern – Deutschland, Schweden, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Australien, Neuseeland, Kanada und Japan – über rollierende Sechsmonatszeiträume gegenüber den jeweiligen nationalen Defiziten.
Abbildung 3: Beeinflussen Defizite die Anleiherenditen?
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
R², auch Bestimmtheitsmaß genannt, zeigt, in welchem Ausmaß die Varianz der Laufzeitprämien der Länder durch die Höhe ihrer Defizite erklärt werden kann. Die Laufzeitprämie wird berechnet, indem die Rendite 10-jähriger Anleihen von der Rendite 30-jähriger Anleihen abgezogen und anschließend 33 % der jeweiligen Fünfjahresrendite hinzugerechnet werden, um eine steigende Zinsstrukturkurve zu berücksichtigen.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, Stand: Mittwoch, 30. September 2026.
Die Grafik zeigt, dass es vor einem Jahrzehnt und während der folgenden etwa sechseinhalb Jahre nur sehr geringe Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Haushaltsdefizits eines Landes und seiner Laufzeitprämie gab. Seit 2022 hat sich dieser Zusammenhang jedoch deutlich verstärkt.
Diese Beziehung zwischen Defiziten und Laufzeitprämien lässt sich auch auf andere Weise darstellen. Die Regressionsgerade in Abbildung 4 zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen den aktuellen Laufzeitprämien und den Defiziten einzelner Länder im Jahr 2025: Je höher das Defizit, desto höher die von den Anlegern geforderte Laufzeitprämie.
Der US-Markt wird zu Illustrationszwecken dargestellt, wurde jedoch bewusst nicht in die Regression einbezogen. Wären Haushaltsdefizite der einzige Faktor, der die Anleihemärkte bestimmt, müssten die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich höher liegen.
Der Status des US-Dollars als globale Reservewährung macht die USA derzeit zu einem Sonderfall. Die Grafik legt jedoch nahe, dass die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich steigen könnten, falls die weltweite Nachfrage nach US-Dollar jemals nachlassen sollte.
Abbildung 4: Laufzeitprämien einzelner Länder im Vergleich zum Haushaltsdefizit 2025
Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Die Laufzeitprämie wird berechnet, indem die Rendite 5-jähriger Anleihen von der Rendite 10-jähriger Anleihen abgezogen und anschließend 20 % der jeweiligen Zweijahresrendite hinzugerechnet werden, um eine steigende Zinsstrukturkurve zu berücksichtigen.
Source: Aviva Investors, Bloomberg, IWF, Stand: 30. September 2026.¹
Da Zentralbanken nicht länger in der Lage sind, die Renditen zu begrenzen, und Anleger sich plötzlich sehr bewusst mit der Haushaltslage jedes einzelnen Landes auseinandersetzen, besteht ein erhebliches Risiko, wenn man übermäßig in einem einzelnen Anleihemarkt engagiert ist, wie britische Anleger 2022 erfahren mussten.
Zwar gaben nahezu alle Anleihemärkte infolge des Einmarschs in die Ukraine nach, doch verzeichneten britische Staatsanleihen besonders hohe Verluste. Im Oktober desselben Jahres kündigte die britische Regierung vor dem Hintergrund einer steigenden Inflation die größten (nicht gegenfinanzierten) Steuersenkungen seit einem halben Jahrhundert an.
Warum aktives Management wichtig ist
Obwohl höhere Renditen die Staatsanleihemärkte stützen dürften und eine globale Benchmark Diversifizierung bietet, sprechen gute Gründe dafür, eine globale Allokation mit einem aktiven Anlageansatz zu kombinieren.
In einem Umfeld, in dem die Märkte immer sensibler auf die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen reagieren, wäre es nicht überraschend, wenn die Renditeunterschiede sowohl zwischen Ländern als auch entlang der Zinsstrukturkurven weiter zunehmen würden.
Indizes für festverzinsliche Anlagen werden typischerweise nach dem in Umlauf befindlichen Schuldtitelvolumen gewichtet. Dies bedeutet, dass Benchmarks tendenziell von den am höchsten verschuldeten Emittenten dominiert werden.
Passive Fonds, die eine Benchmark nachbilden, können nicht zwischen Ländern mit sich verbessernden Fundamentaldaten und solchen unterscheiden, die mit zunehmendem finanzpolitischem oder inflationärem Druck konfrontiert sind.
Eine selektive Länderallokation, die Durationspositionierung und das Management der Zinsstrukturkurve dürften zunehmend wichtige Instrumente sein, um Chancen zu nutzen und gleichzeitig Abwärtsrisiken zu steuern.
Anstatt Benchmark-Engagements einfach zu übernehmen, können aktive Manager Portfolios effektiver positionieren
Anstatt Benchmark-Engagements einfach zu übernehmen, können aktive Manager Portfolios effektiver positionieren, indem sie das Engagement in Ländern mit steigenden Risiken reduzieren und die Kapitalallokation in Märkten erhöhen, die bessere risikobereinigte Chancen bieten.
Warum Aviva Investors?
Bei Aviva Investors versuchen wir, Chancen zu nutzen, die sich aus abweichenden Wirtschaftszyklen, geldpolitischen Entwicklungen und Bewertungsanomalien an den globalen Anleihemärkten ergeben.
Unser Anlageprozess verbindet eine Top-down-Makroanalyse mit einer Relative-Value-Bewertung über Länder, Laufzeiten und Zinsstrukturkurven hinweg. So können wir identifizieren, wo Anleihen im Verhältnis zu ihren Fundamentaldaten falsch bewertet erscheinen.
Im Zentrum dieses Ansatzes steht unsere kollaborative Anlagekultur. Die enge Zusammenarbeit innerhalb unseres Fixed-Income-Teams ermöglicht es uns, bei der Beurteilung von Anlagechancen und Risiken im breiten globalen Anlageuniversum auf eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven zurückzugreifen. Diese Erkenntnisse werden in ein diversifiziertes Portfolio umgesetzt, das auf die Optimierung risikobereinigter Renditen ausgerichtet ist.
In einer Welt, in der die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen, die Inflationsdynamik und Laufzeitprämien immer wichtigere Renditetreiber werden, sind wir der Auffassung, dass diese Kombination aus globaler Expertise, gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung und disziplinierter Portfoliokonstruktion dazu beitragen sollte, für Anleger robuste, nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.